Umfrage: Schweizer Anleger sind optimistisch und «treu»
Der Vermögensverwalter befragte im März 508 Anlegerinnen und Anleger in der Deutsch- und Westschweiz mit einem liquiden Anlagevermögen von mindestens 200'000 Franken. Laut einer Mitteilung vom Montag unterscheiden die Privatinvestoren klar zwischen der globalen Wirtschaftslage und ihren eigenen Finanzanlagen.
Nur 35 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich auf die Weltwirtschaft in zehn Jahren – beim eigenen Portfolio sind es 59 Prozent, die erwarten, dass die Finanzanlagen nach Abzug von Inflation und Steuern noch real an Wert gewinnen. Der Mittelwert für die Zuversicht in die eigenen Anlagen liegt bei 3,51 auf einer Skala von 1 bis 5, jener für die Weltwirtschaft nur bei 3,01.
Grosse Diskrepanz
«Diese Diskrepanz wirft Fragen auf: Halten Anleger die genannten Risiken bereits für im Markt eingepreist? Vertrauen sie darauf, sich mit der richtigen Allokation schützen zu können? Oder gehen sie davon aus, dass die Belastungen primär Lohnempfänger treffen, nicht das Kapital? Wahrscheinlich spielen alle drei Effekte zusammen», mutmasst Felix Niederer, CEO und Gründer von True Wealth.
Bei den globalen Risiken für das wirtschaftliche Wohlergehen der Schweiz dominieren militärische Konflikte (73 Prozent) sowie Handelskonflikte und Zölle (66 Prozent). Beim Blick auf das eigene Portfolio verschiebt sich das Bild leicht: Hier setzen die Befragten Handelskonflikte und Zölle (65 Prozent) knapp vor militärische Konflikte (64 Prozent). Krieg ist die abstrakte Bedrohung – Zölle sind die, die spürbar im Depot ankommen.
Persönliches Anlagerisiko technologische Innovation?
Auf nationaler Ebene bereiten die Beziehungen zur Europäischen Union die grössten Sorgen: 51 Prozent sehen in einer Verschlechterung der Beziehungen ein Risiko für die Schweizer Wirtschaft.
Auffällig ist die unterschiedliche Bewertung der technologischen Innovationskraft: Für die Schweizer Wirtschaft rangiert sie bei den Risiken auf Platz vier (36 Prozent) – für das eigene Vermögen aber an zweiter Stelle (37 Prozent), noch vor Demografie und Migration. Das deutet darauf hin, dass Anleger technologische Veränderungen stärker als persönliches Anlagerisiko wahrnehmen als die gesamtwirtschaftliche Bedrohung.
Kosten als Schwachpunkt
Abgesehen von den genannten Unsicherheiten wurden die Anleger zu wichtigen Aspekten rund um die Vermögensanlage befragt. Beurteilt wurden sechs Themen: digitale Benutzerfreundlichkeit, Produktangebot, Beratungsqualität, Transparenz, Rendite und Kosten. In fünf davon fallen die Werte positiv aus, mit Bestnoten für die digitale Benutzerfreundlichkeit (4,01 auf einer Skala von 1 bis 5). Einzig die Kosten fallen mit einem Durchschnittswert von 2,85 deutlich ab. 34 Prozent der Befragten sind mit den Kosten ihrer Anlagelösung unzufrieden, nur 23 Prozent zufrieden.
«Kein anderer Faktor wird so kritisch bewertet wie die Kosten – und das bei einer Zielgruppe, die ihrer Bank ein Vermögen anvertraut. Das ist ein klares Signal an die Branche», kommentiert Niederer.
Banken dominieren
Trotz der Kritik an den Kosten bleibe der Markt auffällig träge. 52 Prozent der Befragten delegieren ihre Anlageentscheide. Unter diesen Delegierenden beauftragen 76 Prozent eine klassische Bank. Unabhängige Vermögensverwalter folgen mit 27 Prozent, digitale Vermögensverwalter werden erst von 4 Prozent genutzt – obwohl die Kosten der meistgenannte Kritikpunkt sind.
Die Wechselbereitschaft ist gering: 71 Prozent der Delegierenden schliessen einen Anbieterwechsel aus, 30 Prozent davon kategorisch. Nur 26 Prozent ziehen einen Wechsel überhaupt in Betracht, und lediglich 1 Prozent hat ihn konkret geplant.
«71 Prozent schliessen einen Wechsel aus. Das belegt keine Zufriedenheit, sondern Gewohnheit. Und Gewohnheit ist der grösste Wettbewerbsvorteil der etablierten Banken», sagt Niederer.















