Unicredit: Commerzbank ist «überbewertet»

Die Commerzbank leide unter «operativer Underperformance» und sei gemessen an ihren Fundamentaldaten inzwischen «überbewertet», heisst es unter anderem in einer 33-seitigen Präsentation der italienischen Grossbank. Zudem sieht Unicredit «strukturelle Schwächen», die bislang nur durch günstige Rahmenbedingungen und ein vergleichsweise risikoreiches internationales Wachstum kaschiert würden. Die Italiener stellen insbesondere infrage, ob das Wachstum ausserhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen nachhaltig ist.

Unicredit-Chef Andrea Orcel will zu dem Bericht eine Telefonkonferenz abhalten. Orcel verfolgt bereits seit Herbst 2024 das Ziel, die Commerzbank zu übernehmen. Zuletzt hat er ein konkretes Angebot vorbereitet, das im kommenden Monat offiziell gestartet werden soll.

Politisches Thema

Die Commerzbank weist die Avancen jedoch weiterhin zurück. Erst kürzlich erklärte das Institut, Gespräche zwischen beiden Seiten hätten keine Annäherung in zentralen Fragen gebracht. Unicredit ist bereits mit knapp 30 Prozent grösster Anteilseigner der Commerzbank. Der deutsche Staat bleibt weiterhin der zweitgrösste Investor – und die Verantwortlichen lehnen eine Übernahme durch die Italiener strikt ab.

Damit entwickelt sich der Vorstoss zunehmend zu einem politischen Thema. In Berlin wächst die Sorge, dass ein Kontrollwechsel bei einem der wichtigsten Mittelstandsfinanzierer Deutschlands strategische Risiken bergen könnte.