Orcel bekommt von Investoren grünes Licht für Commerzbank-Angriff

Die Aktionäre der Unicredit haben der Ausgabe neuer Aktien zugestimmt, um das Übernahmeangebot der italienischen Bank in Höhe von 34 Milliarden Euro für den deutschen Konkurrenten Commerzbank zu finanzieren. Damit kommt CEO Andrea Orcel seinem Ziel einen Schritt näher.

Die Investoren, die am Montag an der ausserordentlichen Hauptversammlung der UniCredit teilnahmen, genehmigten laut einer Erklärung die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien für eine mögliche Transaktion. Der Verwaltungsrat wird über den tatsächlichen Umfang der Kapitalerhöhung, den Ausgabepreis und weitere Bedingungen entscheiden.

Das in Mailand ansässige Institut plant, für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien anzubieten, was auf Basis des Schlusskurses vom Donnerstag einem Preis von etwa 31,8 Euro pro Aktie entspricht. Damit wurde die deutsche Bank per Ende April mit rund 34,4 Milliarden Euro bewertet, was rund10 Prozent unter der Marktkapitalisierung liegt.

Tiefes Angebot als Schachzug

Orcel treibt die Übernahmepläne seit September 2024 voran. Von der Commerzbank-Führung sowie aus der deutschen Politik und den Gewerkschaften werden die Avancen jedoch zurückgewiesen. Ein Zusammenschluss würde UniCredit zu einer bedeutenden Kraft in Europas grösster Volkswirtschaft machen und könnte weitere Konsolidierungen in der Branche anstossen. Nachdem Unicredit die Beteiligung auf knapp 30 Prozent ausgebaut hatte, wurde im März ein erstes Angebot vorgelegt.

Das Angebot soll am 5. Mai beginnen und vier Wochen lang laufen. Die negative Prämie deutet darauf hin, dass Investoren ihre Aktien wahrscheinlich nicht anbieten werden. Doch Unicredit wird in dieser Zeit am Markt weiter Aktien erwerben können.

Das Angebot war von Anfang an mit einem geringen oder gar keinem Aufschlag strukturiert, um eben dies zu ermöglichen. Über der Schwelle von 30 Prozent wird ein Pflichtangebot auslöst –, ohne dass dabei die vollständige Kontrolle erlangt wird. Dies würde es Orcel ermöglichen, den Anteil anschliessend auf dem freien Markt weiter aufzustocken, ohne ein neues Angebot abgeben zu müssen.

Orcel hatte erklärt, er könne die Konditionen «leicht verbessern», sollte die Nachfrage seitens der Anleger stark sein. Sollte der Anteil unterhalb der Kontrollschwelle bleiben, dürfte UniCredit mindestens 12 Monate lang unter dieser Schwelle bleiben, um seine Ausschüttungsverpflichtungen gegenüber den Aktionären zu wahren.

Orcel sieht Synergien und Verbesserungen

Der CEO hat zudem verschiedene Szenarien skizziert. Bei einer vollständigen Übernahme könnte die fusionierte Gruppe laut Orcel bis 2030 einen Nettogewinn von etwa 21 Milliarden Euro erzielen. Sollte Unicredit keine Kontrolle erlangen, die Commerzbank jedoch ihre strategischen Vorschläge übernehmen, könnten dennoch Verbesserungen realisiert werden.

Commerzbank-CEO Bettina Orlopp hat sich gegen diesen Ansatz gewehrt, unterstützt von der deutschen Regierung. Orlopp sagte in einem Interview im vergangenen Monat, sie und Orcel hätten «einige Meinungsverschiedenheiten über das potenzielle zukünftige Geschäftsmodell» und bekräftigte ihr Bekenntnis zur eigenständigen Strategie der Commerzbank.