UBS spricht von «irreführenden Aussagen»

Die UBS geht frontal auf Distanz zu den neuen Kapitalvorgaben des Schweizerischer Bundesrat. Die heute vorgestellten Massnahmen seien «extrem», international nicht abgestimmt und könnten erhebliche negative Folgen für den Finanzplatz und die Schweizer Wirtschaft nach sich ziehen, teilte die Grossbank am Mittwoch mit.

«Die heute veröffentlichten Unterlagen enthalten nach Ansicht der UBS zudem irreführende Aussagen. Die Bank prüft derzeit sämtliche Dokumente und Aussagen aus der Medienkonferenz des Bundesrats und wird spätestens mit der Publikation der Ergebnisse zum ersten Quartal 2026 am 29. April 2026 weiter Stellung nehmen», heisst es in der Mitteilung.

Im Zentrum steht die überarbeitete Eigenmittelverordnung (Capital Adequacy Ordinance, CAO), welche die Kapitalbehandlung bestimmter Aktiven neu regelt. Parallel dazu hat der Bundesrat dem Parlament Anpassungen des Bankengesetzes vorgelegt, insbesondere zur Behandlung ausländischer Beteiligungen systemrelevanter Institute – ein Punkt mit weitreichenden Konsequenzen für UBS.

Bis zu 37 Milliarden Dollar zusätzlicher Kapitalbedarf

Aus Sicht der Bank summieren sich die Auswirkungen erheblich: Allein die Anpassungen an der Eigenmittelverordnung könnten das harte Kernkapital (CET1) auf Gruppenebene um rund 4 Milliarden Dollar reduzieren. Auf Ebene der UBS AG liegt der Effekt bei rund 2 Milliarden Dollar.

Deutlich schwerer wiegt jedoch der Vorschlag, ausländische Beteiligungen künftig vollständig vom CET1-Kapital abzuziehen. Dieser Schritt würde gemäss UBS einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden Dollar auslösen.

Zusammen mit den regulatorischen Anforderungen aus der Übernahme der Credit Suisse ergibt sich laut UBS ein gesamter zusätzlicher Kapitalbedarf von rund 37 Milliarden Dollar – verbunden mit jährlichen Kapitalkosten von etwa 3 Milliarden Dollar.

Deutlich höhere Kapitalquoten und Wettbewerbsnachteile

Sollten alle Massnahmen wie vorgeschlagen umgesetzt werden, würde die effektive CET1-Quote der UBS Group auf rund 17,6 Prozent steigen – nach zuvor rechnerisch rund 18,4 Prozent ohne die Abschreibungs- und Bewertungsanpassungen.

Die vom Bundesrat kommunizierte pro-forma Quote von 15,5 Prozent bezeichnet UBS als «irreführend» und fordert eine präzisere Darstellung.

Kritik an Methodik und volkswirtschaftlichen Folgen

Neben der direkten Kapitalwirkung stellt UBS auch die regulatorische Folgenabschätzung infrage. Diese sei unzureichend und bilde die potenziellen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft nicht angemessen ab.

Eine Studie des Forschungsinstituts BAK Economics kommt zu dem Schluss, dass die geplanten Massnahmen – insbesondere der vollständige Abzug ausländischer Beteiligungen – das Schweizer Bruttoinlandprodukt über zehn Jahre hinweg um bis zu 34 Milliarden Franken reduzieren könnten.

UBS setzt aufs Parlament

Trotz der regulatorischen Unsicherheit hält UBS an ihren Finanzzielen fest, darunter eine Rendite auf CET1-Kapital von rund 15 Prozent sowie eine Cost/Income-Ratio von unter 70 Prozent bis Ende 2026. Auch die geplanten Kapitalrückführungen bleiben bestehen.

Gleichzeitig setzt die Bank auf den politischen Prozess: Das Parlament müsse die im Konsultationsverfahren geäusserten Bedenken ernst nehmen, insbesondere mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz.

UBS kündigte an, die Vorlage im Detail zu analysieren und sich weiterhin aktiv in die Debatte einzubringen. Parallel prüft das Institut Massnahmen, um die Interessen der Aktionäre zu schützen und mögliche Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeitende abzufedern.