Fabio Pellizzari: «Modernes Asset Management braucht aktive und passive Angebote»
Herr Pellizzari, seit April verantworten Sie die Index Solutions bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Wie sieht deren Anlageuniversum aus?
Als zweitgrösster Anbieter in der Schweiz decken wir mit unseren bewährten Indexfonds sämtliche traditionellen Anlageklassen einer Asset Allocation ab. Dies auch in nachhaltiger Ausprägung gemäss der Selbstregulierung der Asset Management Association Switzerland AMAS, mit unserer Responsible-Produktelinie. Hinzu kommen nachhaltige Exchange Traded Funds (ETF) auf Aktien sowie Edelmetalle.
Die ZKB geniesst als Staatsbank eine Garantie des Kantons Zürich. Das gibt Swisscanto im Wettbewerb mit privaten Asset Managern einen strukturellen Vorteil. Wie ist dieser zu rechtfertigen?
Ich erkenne keine unmittelbaren Wettbewerbsvorteile. Das Asset Management ist generell ein bilanzleichtes Geschäft, da die im Auftrag der Kundinnen und Kunden verwalteten Vermögenswerte nicht auf der Bilanz des Asset Managers erscheinen. Die hohe Sicherheit der ZKB dürfte deshalb eine eher untergeordnete Rolle spielen. Meiner Meinung nach gewinnen Asset Manager Marktanteile vor allem durch hohe Qualität, guten Kundenservice und ein attraktives Angebot.
Als grösste Kantonalbank haben Sie sehr repräsentative Einblicke in die Nachfragetrends. Was beobachten Sie momentan?
Wie uns etwa die Swiss Asset Management Study 2026 der AMAS für die gesamte Branche aufzeigt, sind unter anderem Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Privatmarkt-Investments und die Bedeutung von Skalen bestimmend. Im Indexgeschäft spielen uns der Trend zur Passivierung bei den institutionellen Investoren sowie der Generationenwandel in die Hände: Jüngere Anlegerinnen und Anleger suchen nach kostengünstigen, digitalen Anlagelösungen. Dazu können sich Indexlösungen gut eignen.
«Bereits seit Mitte 2025 stellen wir ein Comeback von manchen nachhaltigen Investments fest.»
Denken Sie da an börsengehandelten Indexfonds? Die ETFs erleben auch in der Schweiz einen Boom.
Nicht nur! Es kommt ganz darauf an, was Anlegerinnen und Anleger erreichen möchten. ETFs sind in der Regel sogenannt passive Instrumente, die einen Marktindex abbilden. Wer jedoch eine Überrendite zum Markt anstrebt, setzt vorzugsweise auf aktive Anlagefonds, die von professionellen Fondsmanagerinnen und -managern verwaltet werden. Dies mit dem Ziel, die bestmögliche Rendite zu erzielen und den Vergleichsindex zu übertreffen. Das führt aber in der Regel zu höheren Verwaltungsgebühren.
Und wer den Fokus auf den Preis legt?
Wer nach flexiblen, transparenten und günstig gepreisten Anlagelösungen sucht, wird nicht nur bei ETFs, sondern auch bei den ebenfalls passiven Indexfonds fündig. Hierzulande gibt es dazu ein breites und nach Schweizer Recht verwaltetes Angebot, das sich bei Profiinvestoren wie etwa Pensionskassen bestens bewährt hat. Unter unserer Fondsmarke Swisscanto beispielsweise bieten wir eine Vielzahl passiver Indexfonds an. Diese sind auch für Privatanlegerinnen und -anleger zu kaufen – und zwar über praktisch alle traditionellen Anlageklassen und Marktregionen hinweg, sowie mit oder ohne Nachhaltigkeits-Aspekt. Anders als ETFs sind Indexfonds aber nicht jederzeit, sondern nur einmal täglich handelbar.
Das spräche dann eher für ETFs?
Es gibt ein Für und Wider zwischen den verschiedenen Produkten, Anleger müssen hier für sich selbst entscheiden. So sind Zeichnungen und Rücknahmen von Schweizer Fonds und Indexfonds im Gegensatz zu ETFs in der Stempelsteuer befreit. Wenn etwa ein ETF in der Schweiz domiziliert ist, fällt beim Kauf und Verkauf je eine Umsatzabgabe von 0,075 Prozent pro Partei an, da es sich um ein Schweizer Wertpapier handelt. Beim Kauf und Verkauf von ausländischen ETFs, die beispielsweise in Irland oder Luxemburg domiziliert sind, fällt eine Umsatzabgabe von 0,15 Prozent pro Partei an. Diese Kosten gilt es einem allfälligen Preisabschlag von ETFs gegenüber anderen Fonds gegenüberzustellen.
«Als zweitgrösster Anbieter in der Schweiz decken wir mit unseren bewährten Indexfonds sämtliche traditionellen Anlageklassen einer Asset Allocation ab.»
Mit der Marke Swisscanto und mehr als 200 Milliarden Franken an Vermögen in Indexlösungen verfügt die ZKB über das zweitgrösste Angebot in der Schweiz. Wo setzen Sie die Wachstums-Schwerpunkte?
Swisscanto hat sich insbesondere im Geschäft mit preiswerten und in Bezug auf die ausländischen Quellensteuern optimierten Schweizer Indexfonds für Institutionelle etabliert. In diesem Segment sehen wir weiteres solides Wachstumspotenzial. Mit den nachhaltigen ESGeneration Aktien-ETFs haben wir einen wichtigen ersten Schritt Richtung konventionelle Anlageklassen und private Anleger gemacht. Diesen Weg wollen wir nun konsequent beschreiten. Und natürlich bleibt unsere bewährte Palette an Edelmetall-ETFs ein Pfeiler unseres Angebots.
Mit aktuell rund 17 Milliarden Franken Vermögen hat das Flaggschiff dieses Angebots, der Swisscanto Gold ETF, von der Unsicherheit an den Finanzmärkten und vom Run auf Gold profitiert. Wie nutzen Sie dieses Momentum?
Mit dem Swisscanto Gold ETF lancierte die ZKB vor rund 20 Jahren das erste Produkt dieser Art in ganz Europa. Diese Pionierleistung und die strategische Akquisition der weiteren Edelmetall-ETFs hat sich seither als richtiger Entscheid erwiesen. Insbesondere der Gold-ETF ist heute ein bewährter Bestandteil zahlreicher Portfolios von professionellen und institutionellen Investoren – wir ruhen uns aber nicht auf diesen Lorbeeren aus. So haben wir mit dem Gold Smart Sourcing & Traceable Fund einen Indexfonds entwickelt, dank dem Institutionelle in Gold investieren können, das verantwortungsvoll geschürft und dessen Herkunft nachvollzogen werden kann. Dieses Instrument bietet sich nun für weitere Anwendungen an.
Relativ spät hingegen ist die ZKB auf Aktien-ETFs gekommen: 2025 hat sie die von Ihnen erwähnten ESGeneration ETFs lanciert. Diese investieren in die Märkte Schweiz, Europa, USA und Welt und wollen höchsten Ansprüchen an die Nachhaltigkeit genügen. Wie sind die Anlagelösungen im Markt aufgenommen worden?
Wir sind sehr zufrieden mit dem Start unserer ESGeneration ETFs, die seit Lancierung auf eine Gesamtgrösse von rund 380 Millionen Franken angestiegen sind, und die Performance lässt sich sehen. So hat der ESGeneration ETF auf den amerikanischen Aktienmarkt seit dem Listing am 2. April 2025 bis am 6. Mai den MSCI USA in Dollar um brutto 13,02 Prozent übertroffen, was sich auch in der Performance des Produkts auf den Weltaktienindex widerspiegelt: Diese liegt in Franken und brutto 9,56 Prozent vor dem MSCI All Countries World Index seit dem Listing. Die absolute Performance seit Lancierung beträgt 44,91 Prozent respektive 28,49 Prozent. Das bestätigt uns in unserem einzigartigen Ansatz: Die ETFs basieren auf einer eigenständig entwickelten Nachhaltigkeitsmethodik und investieren innerhalb wichtiger Indizes in Unternehmen, die einen positiven Beitrag zu den UN‑Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) leisten können.
«Swisscanto ist die am viertschnellsten wachsende Fondsmarke in ganz Europa.»
Das ist ein sehr kurzer Zeitraum. Sind solche Zahlen überhaupt aussagekräftig?
Der Zeitraum ist in der Tat kurz, weil die ESGeneration ETFs erst vor gut einem Jahr lanciert wurden. Das Backtesting der von uns verwendeten Indizes geht jedoch etwas weiter zurück und zeigt ebenfalls eine positive Entwicklung. Beim globalen Aktien-ETF etwa legte der dedizierte Swisscanto-Index von Januar 2021 bis Ende vergangenen April um knapp 105,4 Prozent zu. Die Performance lag damit 20,8 Prozentpunkte über derjenigen des MSCI All Countries World Index. Festzuhalten ist, dass vergangene Performance kein Indikator für zukünftige Rendite ist.
Derzeit tendiert die politische Diskussion allerdings eher weg von Nachhaltigkeit und Klimazielen. Sind da nachhaltige Anlagefonds noch das zeitgemässe Investment?
Bereits seit Mitte 2025 stellen wir ein Comeback von manchen nachhaltigen Investments fest. Die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen ist in vollem Gange und hat durch den Konflikt in Nahost nun nochmals an Dringlichkeit gewonnen. Die physischen Risiken wie zum Beispiel der menschengemachte Klimawandel sind ebenfalls nicht verschwunden. Wir bleiben deshalb überzeugt, dass sich ein nachhaltiger Ansatz beim Investieren auszahlen kann. Und gerade, weil sich manche Akteure verabschiedet haben, ist das Thema derzeit nicht überinvestiert und bietet darum Einstiegschancen.
Sie sind hier sehr optimistisch. Rührt das daher, dass Sie vor Ihrer aktuellen Position die Nachhaltigkeits-Expertise im Asset Management der ZKB verantwortet haben?
Ich möchte betonen: Nachhaltige Anlagestrategien sind keine vorübergehende Modeerscheinung. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass nachhaltige Investments auf lange Frist eine gleich gute Performance wie oder eine bessere aufweisen als traditionelle Anlagen. Diese langfristige Sicht bezüglich Nachhaltigkeit pflegen wir auch im Asset Management: Der erste nachhaltige Swisscanto-Fonds wurde bereits 1998 lanciert. Das Sustainability-Research der ZKB reicht gar 30 Jahre zurück.
Der erste nachhaltige Fonds von Swisscanto war allerdings ein aktiv gemanagter Aktienfonds. Geraten die passive Indexfonds und ETFs nicht dem aktiven Angebot in die Quere?
Swisscanto ist nicht von ungefähr die am viertschnellsten wachsende Fondsmarke in ganz Europa: Wir haben erkannt, dass ein modernes Asset Management sowohl ein aktives wie auch ein passives Angebot braucht. Denn der Trend zur Passivierung lässt sich nicht aufhalten. Gleichzeitig gelingt es uns, unsere Kunden von unserer aktiven Palette zu überzeugen – wir weisen in diesem Segment im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern ebenfalls Wachstum aus.
Fabio Pellizzari, 49, ist seit 2020 im Asset Management der Zürcher Kantonalbank tätig. Vor seinem Antritt als Leiter Index Solutions am 1. April 2026 verantwortete als Leiter ESG Strategie & Development die Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie über alle Anlageklassen hinweg. Vor seinem Wechsel zur ZKB war Pellizzari während mehr als zwölf Jahren in verschiedenen Funktionen für RobecoSAM und Robeco aktiv. Pellizzari hält einen Master of Arts in Betriebswirtschaft der Universität Zürich mit Schwerpunkt auf Technologie- und Innovationsmanagement.















