Gregor Rutz: «Wer fleissig ist und sich Mühe gibt, kommt immer ans Ziel»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Ich starte den Tag im Büro mit einem Espresso und der Lektüre der Neuen Zürcher Zeitung. Dann bespreche ich mit meinen Mitarbeiterinnen den Tagesablauf, bevor es meist schon früh losgeht mit Besprechungen und Sitzungen.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Die Vielfalt meiner Aufgaben. Während ich in der Agentur oder bei meiner parlamentarischen Tätigkeit oft denken, lesen und schreiben muss, sind die Aufgaben in der Weinhandlung ganz anderer Natur. Dabei treffe ich ganz unterschiedliche Menschen. Diesen Austausch schätze ich überaus. Zudem habe ich ein tolles Team. Auch das ist ein wichtiger Faktor, der motiviert.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Es gibt immer wieder Momente, die Chance für Veränderungen eröffnen. Wichtig ist es, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, Chancen zu erkennen und offen zu sein für gute Ideen.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Wer fleissig ist und sich Mühe gibt, seinen Auftrag bestmöglich zu erfüllen, kommt immer ans Ziel. Bescheidenheit und Offenheit für Selbstkritik sind auch wichtig. Ob man eine Lehre macht oder studiert, ob man Spengler ist oder Ökonom, ist sekundär. Entscheidend ist die Einstellung zur Arbeit und zu seinen Mitmenschen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Vor 20 Jahren hatten wir die Idee, die «IG Freiheit» zu gründen und für das dümmste Gesetz des Jahres jeweils den «Rostigen Paragraphen» zu vergeben. Heute zählt dieser Verein über 2'000 Mitglieder und die Preisverleihung findet vor 400 Teilnehmern statt. Dieser Anlass macht mir jedes Jahr wieder Freude – und er ist nötiger denn je!

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Ein gesundes Mass an Selbstreflexion ist wichtig. Bin ich vor einem Entscheid unsicher, denke ich auf unseren Sonntagswanderungen darüber nach und bespreche es mit meiner Frau. Sie hat viel gesunden Menschenverstand.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Als Weinhändler könnte ich Ihnen hier viele Beispiele aufzählen. In der Region Bordeaux, wo wir unsere Weine einkaufen, gibt es viele überteuerte Produkte – viel Prestige und klingende Namen. Toll finde ich, wenn man einen feinen Wein zu vernünftigen Preisen erhalten kann. Château Sociando-Mallet ist für mich so ein Beispiel: François Hugueniot macht wunderbare Weine zu zahlbaren Preisen. Auch Château Lagrange in Saint Julien gehört zu diesen bemerkenswerten Gütern. Letzthin haben wir einen 1986er degustiert – grosse Klasse! Dieser Wein kann mit den besten Namen mithalten – aber er hat einen völlig normalen Preis. Das ist die wirkliche Kunst: Qualitätsware zu bescheidenen Preisen.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

In der Agentur haben wir sehr vielfältige Mandate, die mich immer wieder fordern. Bei «Chardon Bleu», unserer Weinhandlung, haben wir gerade neue Produkte ins Sortiment aufgenommen, die wir nun unserer Kundschaft näherbringen müssen. Politisch bin ich vor allem mit dem Vertragspaket Schweiz/EU befasst. Diese Vorlage würde unser ganzes Staatssystem auf den Kopf stellen und die demokratischen Rechte stark einschränken. Das macht mir aus verfassungsrechtlicher Sicht Bauchweh: Wir müssen der schweizerischen Verfassungsordnung Sorge tragen. Sie ist die Basis unseres Wohlstands.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Ich mag Menschen, die Humor haben, die tolerant sind und die ihr Gegenüber achten.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Ich war lange ein begeisterter Anhänger der 35-Stunden-Initiative – bis ich gemerkt habe, dass die Juso dies pro Woche meinen. Nein, im Ernst: Meine Tage beginnen früh und dauern in aller Regel bis Mitternacht. Wer Freude hat, viele unterschiedliche Leute zu treffen, mit vielfältigsten Aufgaben konfrontiert zu sein und immer wieder Unmögliches zu ermöglichen, wird Spass haben an meinem Job.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Ich habe grosse Freude, mit Menschen zu arbeiten und die Wünsche unserer Kunden zu deren Zufriedenheit zu erfüllen. Im politischen Bereich engagiere ich mich für Freiheit und Selbstverantwortung – auch dies aus tiefer Überzeugung.

Wovor fürchten Sie sich?

Vor Politikern, die zu viel Zeit haben, die sich zu wichtig nehmen und welche die Dossiers nicht lesen.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Ja, mehr Zeit zu haben für Musik und noch einige Sprachen zu lernen. Während meinem Studium habe ich das Geld als Barpianist verdient. Heute habe ich leider viel zu wenig Zeit für Musik – das bedaure ich.

Ihr bestes Investment?

Unsere Weinhandlung. Diese Tätigkeit macht Freude und fordert mich diversen Bereichen.


Gregor Rutz ist Jurist und Unternehmer. Seit bald 20 Jahren führt er die Kommunikationsagentur Rutz & Partner in Zollikon. Zudem ist er Teilhaber der Weinhandlung Le Chardon Bleu, die Weine aus der Region Bordeaux importiert. Daneben bekleidet er verschiedene Mandate in Verwaltungs- und Stiftungsräten. Gregor Rutz gehört seit 2012 dem Nationalrat an. Er ist Vizepräsident der Staatspolitischen Kommission und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. Zuvor war er Mitglied des Kantonsrats und des Verfassungsrats im Kanton Zürich.