Krypto-ETP-Startup: «Uns weht ein eiskalter Wind entgegen»

Vor einem Jahr wollte er so richtig loslegen. Das war zumindest die Absicht von Dirk Hess, der auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Branche für strukturierte Produkte (die in Deutschland als Zertifikate bezeichnet werden) und Warrants zurückblicken kann. 2025 wechselte er in die Kryptowelt, als Geschäftsführer von Nxtassets. Im Gespräch mit finews kündigte er im Juli 2025 an, im Geschäft mit Exchange Traded Products (ETP) auf Bitcoin & Co kräftig wachsen zu wollen.

Als Alleinstellungsmerkmal der von Nxtassets emittierten ETP bezeichnete Hess seinerzeit die Hinterlegung. «Wir sind das einzige ETP-Haus, dessen Coins physisch bei Crypto Finance und damit de facto bei der Deutschen Börse sicherheitshinterlegt sind.»

Prominente Partner auch aus der Schweiz

Hinter dem Startup stehen prominente Gesellschafter. Aus der Schweiz mit von der Partie sind die Bank Vontobel, die Privatbank Bergos und IBKR Financial Services AG (eine Tochter von Interactive Brokers); aus Deutschland zählen 360T (eine Tochter der Deutsche Börse Group), der Onlinebroker Flatex Degiro, die Börsenmedien AG und seit September 2025 auch die Commerzbank dazu.

Im Juli 2025 sah die Welt für die Kryptobranche allerdings noch rosarot aus – es fanden sich Gründe zuhauf, weshalb der Kurs des Leithammels Bitcoin eigentlich nur weiter nach oben gehen könnte. Doch im vergangenen Oktober kehrte bekanntlich der Markt. Seither hat sich der Bitcoin von seinem Höchst von rund 125'000 Dollar halbiert.

Hemmschuh fehlende Grösse

finews wollte wissen, wie sich Nxtassets  in diesem garstigen Umfeld geschlagen hat und hat Hess daher erneut in Zürich getroffen. «In der Tat ist die Entwicklung seit Oktober nicht optimal für einen Startup», antwortet dieser zuerst mit sichtlichem Understatement auf eine entsprechende Suggestivfrage von finews, ehe er Klartext spricht. «Der Branche und auch uns weht ein eiskalter Wind entgegen.»

Für ein Startup als besonders nachteilig erweist sich in einer solchen Periode die fehlende Grösse. «Viele Investoren dürfen gemäss ihren Anlagerichtlinien maximal 5 Prozent eines ETP halten, weil sie diversifizieren und Klumpenrisiken vermeiden wollen», führt Hess aus.

Das ist für einen Anbieter, der erst Geld für sein Anlagegefäss sammeln möchte, ein nicht zu unterschätzender Hemmschuh. Um bald auf die nötige Grösse zu kommen, ist das Startup auch darauf angewiesen, dass die oben erwähnten Partner ihr Vertriebsnetz entsprechend ausrichten und einsetzen.

«Von der Bafin überwacht, bei der Deutschen Börse hinterlegt – mehr Rechtssicherheit können Investoren kaum haben.»

Doch der Nxtassets-Geschäftsführer weiss, dass der Finanzmarkt Zyklen unterliegt, und sieht auch Positives. «Wir haben zwar mit derzeit gut 40 Millionen Euro weniger ETP-Volumen als gewünscht, aber hatten seit Herbst 2025 auch praktisch keine Abflüsse.» Der grösste Teil des Volumens entfällt auf die ETP auf Bitcoin und Ethereum. Zudem ist Hess weiterhin von der Stärke der speziellen Verwahrlösung überzeugt. «Von der Bafin überwacht, bei der Deutschen Börse hinterlegt – mehr Rechtssicherheit können Investoren kaum haben.»

Und er schmiedet auch Pläne für neue Produkte, namentlich solche für «Selbstentscheider», wie in Deutschland Privatanleger, die ihre Investitionen selber tätigen, bezeichnet werden.

Dass er aus der Welt der Warrants und Zertikate ausgestiegen ist, bedauert Hess nicht. «Krypto weist wie künstliche Intelligenz ein disruptives Potenzial auf. Auch mit dem Aufkommen von Quantum Computing wird sich daran nichts ändern – die Kryptografie wird entsprechend weiterentwickelt, um dieser Herausforderung zu begegnen.»

Ein faszinierendes und aufregendes Universum – der Geschäftsführer scheint gewillt zu sein, dafür temporäre Gegenwinde in Kauf zu nehmen.