Einer, der die aktuelle Schweizer Stablecoin-Regulierung sinnvoll findet

Vor einigen Wochen hat das Schweizer Fintech Safirum die Lancierung eines Franken-Stablecoins auf der Solana-Blockchain angekündigt (finews berichtete). Im dritten Quartal soll der CHF-S live gehen.

An Selbstbewusstsein mangelt es Bastien Thiébaud, CEO von Safirum, nicht, hielt er doch in der ersten Medienmitteilung des Startups fest, dass mit dem CHF-S «eine relevante Marktlücke» geschlossen werden soll. Thiébaud hat den Infrastrukturbetreiber 2025 zusammen mit Christian Murmann und Ramon Stoffel gegründet.

Unternehmer schauen nicht auf die Uhr

«Wir gehen aber auch noch anderen Tätigkeiten nach», hält Thiébaud im Gespräch mit finews fest. Er selber leitet seit mehr als sechs Jahren die Berner Mithras Finanzplanung. «Uns verbindet, dass wir Unternehmer sind und beim Arbeiten nicht auf die Uhr schauen.»

Er macht indes auch klar, dass zurzeit viel Herzblut in das Stablecoin-Projekt fliesst. «Mithras funktioniert bestens, doch dort kann das Unternehmen über seine Lebensdauer hinweg höchstens ein paar zehntausend Leben positiv beeinflussen. Bei Safirum geht es um Millionen von potenziellen Kunden.»

Auslegung der Finma als Hemmschuh

Die aktuelle Gesetzeslage bzw. deren Auslegung mittels Aufsichtsmitteilung im Sommer 2024 durch die Finma gilt alles andere als Stablecoin-freundlich. Die Finma behandelt Stablecoins wie Kundenkonten, nicht wie Zahlungsmittel, mit entsprechend rigorosen Anforderungen betreffend Geldwäschereigesetz. Seither waren auch keine Stablecoins aus der Schweiz heraus mehr emittiert worden.

Zurzeit läuft der Prozess für eine Anpassung des Finanzinstitutsgesetzes (Finig), mit welcher der Standort Schweiz für Stablecoins wieder attraktiver gemacht werden soll.

«Das Whitelisting ist richtig, weil es Vertrauen und Transparenz schafft.»

Thiébaud schwimmt gegen den Strom. «Ich bin wohl einer der wenigen, der die heutige Regulierung weitgehend sinnvoll findet. Das Whitelisting ist richtig, weil es Vertrauen und Transparenz schafft. Es ist auch eine Voraussetzung, dass Stablecoins in die traditionelle Welt eingebracht und von grossen Banken und Versicherungen breit eingesetzt werden können.» Safirum sei aber auch gewappnet, wenn die Finma 2027 zum Blacklisting zurückkehren sollte.

Als auf Sicherheit bedachter Finanzplaner sei er ursprünglich gegenüber der Kryptowelt mit ihren übertriebenen Versprechungen skeptisch gewesen – und über Stablecoins habe er kaum etwas gewusst.

Dollar-Stablecoins sind kein guter Wertspeicher mehr

Doch dann habe er Murmann und Stoffel kennengelernt, und sie hätten die Frage diskutiert, ob es nicht möglich sei, unter den geltenden Rahmenbedingungen einen Stablecoin auf den Franken zu lancieren. Und Murmann habe dafür eine technologische Lösung gefunden.

Bezüglich Anwendungsfälle vertritt Thiébaud hingegen durchaus die Mehrheitsmeinung der Branche. Stablecoins könnten als Zahlungsmittel auf der Blockchain, zur Tokenisierung von realen Aktiven, zur Wertaufbewahrung (insbesondere auch für ausländische Besitzer) und zu vielen anderen Zwecken eingesetzt werden. «Stablecoins auf den Dollar als Wertspeicher sind problematisch, weil die US-Währung ihren Status als sicheren Hafen verloren hat.»

Eine Lösung für ein Problem, das es nicht gibt?

In der Schweiz gibt es seit langem ein bewährtes Zahlungssystem, Kunden können in der Regel unter verschiedenen Bezahlformen auswählen, und auch an Innovationen wie Twint mangelt es nicht. Ist der CHF-S eine Lösung für ein Problem, das erst noch gefunden werden muss?

Thiébaud relativiert. «Ja, das aktuelle System funktioniert, Innovationen wie Twint sind sehr anwenderfreundlich aufgesetzt. Aber für die Händler wird es rasch sehr teuer. Ein digitaler Franken wie der CHF-S  ist da viel günstiger. Zudem ermöglichen wir damit eine schnellere und sicherere Lösung, weil wir auf der Blockchain sind.»

Tiefes Zinsniveau in der Schweiz als Hürde

Und wenn der Händler Franken und nicht Stablecoins haben möchte? «Der Konsument kann dann mit einer klassischen Kartenzahlung in CHF-S bei ihm bezahlen, wobei der Händler den Betrag in herkömmlichen Schweizer Franken erhält.»

Wie sieht das Geschäftsmodell von Safirum aus? Der Emittent eines Stablecoins muss seinen Erlös in Staatsanleihen (oder anderen sicheren Anlagen) in der entsprechenden Währung investieren, um das Deckungsversprechen im Bedarfsfall einlösen zu können. Tether, Nummer 1 unter den Dollar-Stablecoins, hat dank dem Einkassieren der damit verbundenen Zinszahlungen 2025 einen Milliardengewinn erzielt. Doch in Franken liegen die Renditen für die Bundesobligationen nur leicht über 0 Prozent.

«In fünf Jahren wollen wir 1 Prozent aller Transaktionen in der Schweiz über CHF-S abwickeln.»

Thiébaud ist sich bewusst, dass aufgrund des tiefen Schweizer Zinsniveaus bei der Deckung wenig zu holen ist. «In einem ersten Schritt werden wir die Deckung als Sichtguthaben bei bei einer Custodian Bank halten, in einem zweiten Schritt vermutlich auch in hochwertige Frankenobligationen investieren. Realistisch ist ein Ertrag von 0,5 bis 1 Prozent, der die Kosten der Reservehaltung deckt.»

Geld verdienen will Safirum mit einer Transaktionsgebühr von 0,05 Prozent des Werts oder maximal 50 Rappen. «Damit können wir die Kosten unseres Netzes finanzieren.» Thiébauds Ziel: «In fünf Jahren wollen wir 1 Prozent aller Transaktionen in der Schweiz über CHF-S abwickeln, das wären etwa 3,8 Millionen Zahlungen jährlich.»

Der Safirum-CEO ist sich bewusst, dass Skaleneffekte und damit das Netzwerk für den Erfolg von Stablecoins zentral sind. «Wir sind gut und international vernetzt, haben unter anderem Partnerschaften mit Maverix und Lawside, bringen viel eigene Erfahrung ein und kennen die Szene.» Zurzeit befänden sich Gespräche über eine Zusammenarbeit mit zwei namhaften Schweizer Banken in einem fortgeschrittenen Stadium.

«Die US-Stablecoin-Regulierung ist strategisch sehr geschickt.»

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) forcierten Central Bank Digital Currency (CBDC) in Euro gibt Thiébaud wenig Kredit. «Es ist ein schwieriges Konstrukt für einen grossen Währungsraum und wird es nicht leicht haben, sich durchzusetzen.» Zudem könnten Banken den Bedarf an einem digitalen Euro ebenfalls abdecken. Doch Euroland ist auch für Safirum wichtig. «Es ist für uns ein zentraler Zielmarkt, und wir werden eine entsprechende MiCAR-Lizenz beantragen.»

Wie die Schweiz verzichten auch die USA auf die Emission einer CBDC, fördern aber die Stablecoin-Industrie energisch. «Damit haben sie eine riesige Nachfrage nach US-Staatsanleihen geschaffen, die mit Lombardkrediten nochmals verdoppelt wird. Die US-Regulierung lässt nur solche Papiere als Deckung zu, das ist strategisch sehr geschickt», anerkennt der Safira-CEO.