UBP-Zürich-Chef Adrian Künzi: «Die wahre Zäsur war nicht die Credit Suisse»
Die Schweiz profitiert weiterhin von ihrer Rolle als sicherer Hafen. Gerade in geopolitisch turbulenten Zeiten fließen zusätzliche Vermögen nach Zürich. Für Adrian Künzi, CEO der Zürcher Niederlassung der Union Bancaire Privée (UBP), bestätigt dies die internationale Stärke des Finanzplatzes. «An der Schweiz kommt man in der globalen Vermögensverwaltung nicht vorbei», sagt er im Podcast von finews.
Credit Suisse kein Makel für den Finanzplatz
Entgegen der Wahrnehmung im Inland habe der Zusammenbruch der Credit Suisse dem Ruf der Schweiz im Ausland deutlich weniger geschadet als häufig angenommen.
«In der Schweiz sehen wir die Dinge oft negativer als sie im Ausland wahrgenommen werden», sagt Künzi. Die Probleme seien international klar als Versagen der Credit Suisse und nicht als Schwäche des Finanzplatzes interpretiert worden.
Die Folgen seien entsprechend begrenzt geblieben. Im Gegenteil: Die UBP verzeichne auch 2026 erfreuliche Neugeldzuflüsse – trotz des starken Frankens. Diese kämen einerseits aus dem Nahen Osten, andererseits profitiere die Bank von einem weltweit weiterhin robusten Wirtschaftswachstum.
Europas Schwäche bereitet Sorgen
Sorgen bereitet Künzi hingegen die wirtschaftliche Entwicklung in Kontinentaleuropa. Deutschland, Frankreich und Großbritannien litten unter mangelnder Wachstumsdynamik. Gerade diese Märkte seien im Private Banking besonders hart umkämpft. Künzi: «Man hat die Kombination eines Marktes, der kaum wächst, und gleichzeitig eines sehr intensiven Wettbewerbs.»
«Die eigentliche Revolution begann 2022»
Die grösste Herausforderung für Banken sieht Künzi jedoch nicht in der Geopolitik, sondern in der künstlichen Intelligenz: «Für mich ist die wahre Zäsur nicht die Credit Suisse. Die wahre Zäsur war das Jahr 2022 mit der Einführung von ChatGPT.»
Er habe selbst intensiv mit neuen KI-Anwendungen experimentiert. Besonders sogenannte Agenten, die selbstständig Aufgaben übernehmen können, hätten das Potenzial, Bankprozesse grundlegend zu verändern. «Wenn man sieht, was heute mit solchen Systemen möglich ist, merkt man, dass wir die Tragweite dieser Entwicklung noch längst nicht verstanden haben», sagt er.
Banker brauchen ein neues Profil
Nach Ansicht des UBP-Managers ist die Schweiz technologisch grundsätzlich gut aufgestellt. Gleichzeitig müsse sich die Ausbildung der künftigen Banker jedoch grundlegend verändern.
Gefragt seien künftig nicht mehr ausschliesslich klassische Finanzexperten. «Ich suche Leute, die Banking und Technologie gleichzeitig verstehen», betont er.
Idealerweise entstehe eine Ausbildung, welche die Stärken einer Wirtschaftshochschule mit jenen einer technischen Universität verbinde: «Im Idealfall eine Kombination aus HSG, ETH und der École hôtelière Lausanne.»
Gerade hier habe die Schweiz trotz ihrer Bedeutung als globales Wealth-Management-Zentrum Nachholbedarf.
Warum UBP weiter Banken übernimmt
Neben organischem Wachstum setzt UBP seit Jahren konsequent auf Akquisitionen. Rund 15 Institute hat die Bank in den vergangenen zehn Jahren übernommen.
Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt laut Künzi dabei nicht im Kauf selbst, sondern in der Integration: «Viele machen den Fehler, es allen recht machen zu wollen. Das funktioniert nicht.»
Die UBP setze bewusst auf eine schnelle und konsequente Integration. «Nach zwölf Monaten muss aus zwei Banken eine neue Bank geworden sein», sagt er.
Dabei nehme man bewusst in Kauf, dass zwischen zehn und zwanzig Prozent der Kunden oder Mitarbeitenden den Zusammenschluss nicht mittragen. Langfristig sei ein klarer gemeinsamer Weg jedoch erfolgreicher als jahrelange Parallelstrukturen.
Warum Künzi überzeugt ist, dass die Schweiz von der KI-Revolution profitieren kann, weshalb er Saudi-Arabien für unterschätzt hält und wie UBP ihre Akquisitionen konsequent integriert, erläutert er ausführlich im aktuellen Podcast von finews.
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