Umfrage: KI bleibt bei Vermögensverwaltern vorerst ein Experiment

Für die gemeinsame Studie der Hochschule Luzern (HSLU) und des Zürcher Wealthtech-Unternehmens Finup wurden laut Mitteilung zwischen April und Juni 2026 41 unabhängige Vermögensverwalter (UVV) strukturiert befragt, ergänzt durch neun Videointerviews. Angesichts von schweizweit über 1'400 unabhängigen Vermögensverwalter schreiben die Autoren von einer «explorativen» Studie.

Die ersten Ergebnisse: 49 Prozent der befragten Vermögensverwalter nutzen künstliche Intelligenz (KI) in ausgewählten Prozessen, weitere 39 Prozent befinden sich in der Erkundungs- oder Planungsphase. 12 Prozent haben das Thema laut Mitteilung «bislang nur diskutiert, ohne konkrete Initiativen zu verfolgen.»

Als wichtigste Motivation für den Einsatz von KI nennen 93 Prozent der befragten Vermögensverwalter erwartete Effizienzgewinne. Dahinter folgen beispielsweise eine höhere Prozessqualität. Ziel sei letztlich, wieder mehr Zeit für die Kundenberatung zu gewinnen. 

Die Datenqualität bremst 

Obwohl 83 Prozent KI als strategische Chance einstufen, sehen sich viele Vermögensverwalter operativ noch nicht bereit. Nur gut ein Viertel hält die eigenen Daten für ausreichend strukturiert und qualitativ hochwertig, um KI umfassend einzusetzen. Ebenso fehlen häufig internes Knowhow sowie klar definierte Verantwortlichkeiten. 

Als grösste Hürde nennen 85 Prozent Datenschutz- und Vertraulichkeitsfragen. Zweifel an der Zuverlässigkeit der Resultate sowie regulatorische Unsicherheiten folgen mit deutlichem Abstand.

Nur 11 Prozent echte Anwendungen

Von insgesamt 65 gemeldeten KI-Anwendungen sind 66 Prozent blosse Experimente mit öffentlichen Tools wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Claude, 23 Prozent Pilotprojekte und lediglich 11 Prozent skalierte Implementierungen.

Die Studienautoren kommen deshalb zum Schluss, dass weniger zusätzliche KI-Werkzeuge benötigt werden als vielmehr eine klare Strategie und ein systematischer Fahrplan für die Umsetzung. 

Krypto praktisch «kein Thema» 

Kryptowährungen spielen im Geschäft laut Umfrage praktisch keine Rolle. Keiner der Befragten misst Krypto-Anlagen eine hohe Relevanz bei, 39 Prozent halten sie für nicht relevant, 46 Prozent für nur begrenzt relevant. Als Hauptgründe für die geringe Bedeutung nannten die Vermögensverwalter mangelnde Kundennachfrage (71 Prozent) sowie fehlende Anlageüberzeugung beziehungsweise fehlende interne Research-Abdeckung (60 Prozent). Werden sie von Kunden auf Krypto angesprochen, raten sie entweder aktiv davon ab oder akzeptieren eine begrenzte Allokation, meist bis maximal 5 Prozent des investierten Vermögens.

«Einige Kunden wollen Krypto-Anlagen auf Druck ihrer Kinder», erläutert ein Vermögensverwalter. «Wir wollen aber langfristiges Wachstum und sind kein Hedge Fund».