Das eigentliche Problem von Zurich sind nicht die 20 Millionen Franken

Es gibt keine offizielle Medienmitteilung, aber Gerüchte und ein Interview von Zurich Group-CEO Mario Greco auf Bloomberg, in dem er das Finma-Enforcement-Verfahren bestätigt. 

Hintergrund sind bestimmte Policen im Bereich der beruflichen Vorsorge und Unternehmensversicherungen. Der Versicherer hatte laut Greco Schweizer Kunden Policen zu tieferen Preisen verkauft als mit der Finma vereinbart. 

Die Finma ist offenbar vor geraumer Zeit bei einer Routinekontrolle auf die Ungereimtheiten gestossen. Zum Enforcement-Verfahren ist es dann aber gekommen, weil vereinbarte Korrekturmassnahmen nicht umgesetzt wurden.

Vertriebsstopp verhängt

«Wir bedauern, dass wir das Problem nicht selbst entdeckt haben, obwohl wir zahlreiche Audits und Kontrollen durchführen», sagte Greco gegenüber Bloomberg. 

Als Folge hat die Finma einen Vertriebsstop verhängt. Die betroffene Einheit innerhalb des Schweizer Geschäfts darf vorerst nur noch bestehende Kunden betreuen. 

«Kein Einfluss auf das Konzernergebnis»

Wie lange das Verfahren dauern wird, ist derzeit offen. Klar ist, dass es schon längere Zeit läuft. Publik wurde es jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Am kommenden Donnerstag, 6. August, wird Zurich seine Halbjahreszahlen veröffentlichen. 

Trotz der ungewöhnlichen Intervention bemüht sich Zurich um Schadensbegrenzung. Greco erklärte gegenüber Bloomberg, der Vertriebsstopp werde «keinen Einfluss auf das Ergebnis des Konzerns» haben. Die betroffene Geschäftseinheit erwirtschafte jährlich einen Gewinn von rund 20 Millionen Franken und sei damit für die Gruppe finanziell von begrenzter Bedeutung.  

Allerdings muss sich der Versicherungskonzern den Vorwurf gefallen lassen, die Unregelmässigkeiten nicht selber erkannt zu haben. Intern hatte dies Folgen: Mehr als ein Dutzend Mitarbeitende mussten den Versicherer im Zuge der Untersuchungen verlassen. 

Erklärungsbedarf

Finanziell scheint der Schaden für Zurich überschaubar. Reputationsmässig ist die Situation anspruchsvoller.

Für einen Versicherer, dessen Geschäftsmodell auf Vertrauen, Risikokontrolle und Governance basiert, wiegt ein öffentliches Enforcement-Verfahren schwerer als die unmittelbaren Ertragsauswirkungen einer einzelnen Geschäftseinheit.

Die bevorstehenden Halbjahreszahlen dürften deshalb nicht wie gewohnt nur unter dem Gesichtspunkt von Prämienwachstum, Margen und Kapitalstärke betrachtet werden. Ebenso genau werden Investoren darauf achten, wie überzeugend Zurich die Ursachen des Vorfalls erklärt und welche Massnahmen ergriffen wurden, um ähnliche Fehler künftig auszuschliessen.