Brandon Yarckin: «Wir wachsen weiter, gerade in der Schweiz»

Herr Yarckin, bei unserem letzten Gespräch liebäugelte Universa mit einem neuen Büro in der Schweiz. Wo stehen die Dinge heute?

Es war ein sehr gutes Jahr für uns. Wir wachsen weiter, gerade in der Schweiz. Mit hiesigen Investoren führen wir viele aktive Gespräche und unsere Botschaft kommt weiterhin gut an – in der Schweiz und darüber hinaus.

Was ist denn die Kernbotschaft?

Wir kommen immer wieder auf denselben Punkt zurück: Welchen Sinn ergibt eine Risikoabsicherung, die Sie am Ende ärmer macht? Wozu Obligationen, Hedge Funds und andere Formen des Risk Hedging, wenn dies dem Ziel der Vermögensbildung entgegenläuft? Risikoabsicherung und Vermögensbildung stehen normalerweise im Widerspruch. Unser Ansatz hebt diesen Widerspruch auf – sowohl auf relativer als auch auf absoluter Basis. Wir können Risikoabsicherung bieten und zugleich den Return im Vergleich mit anderen Formen der Risikoabsicherung erhöhen. Zur Performance dürfen wir uns nicht äussern, aber im Grossen und Ganzen übertreffen wir andere Strategien. Darum haben wir zufriedene Kunden.

Was ist Ihr Zeitplan für die Eröffnung eines Schweizer Büros?

Wir hoffen auf das erste Quartal 2027.

Was war die Mission dieser Reise? Haben Sie Investoren getroffen, Büroflächen angeschaut?

Es ging in erster Linie um Investorentreffen. Damit war ich komplett ausgebucht.

«Unsere bestehenden Schweizer Kunden sind primär im Private Banking für vermögende Privatkunden angesiedelt.»

Vor allem auf der institutionellen Seite, also Pensionskassen?

Ja. Wir hatten einen sehr grossen Wealth Manager dabei, der Rest waren Pensionskassen. Aus der Schweizer Pensionskassen-Landschaft gab es viel Nachfrage. Es geht ihnen darum, nach einem derart grossen Marktrally den Deckungsgrad auch in Zukunft zu halten.

Wie sind die Rückmeldungen auf Ihre Tail-Risk-Strategie ausgefallen?

Sehr positiv. Ich denke, wir lösen Probleme, die diese Organisationen anders nicht lösen können: Ihrem Köcher für die Vermögensallokation fügen wir einen weiteren Pfeil hinzu. Es ist ein neues Werkzeug, das ein spezifisches Problem behebt. Weil es neu ist, brauchen manche etwas Zeit, um sich damit anzufreunden, aber es gibt viel Zuspruch und Verständnis. In unserer Arbeitsweise mit diesen Institutionen sind wir sehr transparent.

Sie haben dafür auch ein Technologie-Tool gebaut. Können Sie es erklären?

Ja. Wir haben ein Tool namens Bernoulli. Benannt ist es nach Daniel Bernoulli (1700-1782), gewissermassen dem Schutzpatron von Universa – einem Schweizer, übrigens. In dieses Tool können die Pensionskassen ihre eigene Vermögensallokation übertragen, Tail Hedging darin integrieren und die Effekte sehen. Sie nehmen Ihre Portfolio-Allokation, geben diese in Bernoulli ein und sehen, dass es besser ist als das, was sie zuvor hatten. Das ist das Ziel.

Haben Sie überwiegend potenzielle oder bestehende Kunden getroffen?

Auf dieser Reise nur potenzielle Kunden – aus Reise- und Termingründen.

Wie sieht Ihr CIO für den Rest des Jahres die Märkte? Bleibt es so freundlich?

Unser CIO, Mark Spitznagel, ist seit 2022 prononciert bullish. Das bleibt er auch jetzt. Vor rund sechs Monaten gab er ein Kursziel von 8'000 für den S&P aus. Seines Erachtens geht er wohl sogar noch höher, auf über 8'000. Selbst im März, als die Wall Street ins Negative drehte und alle davon ausgingen, am Markt würde es wegen des Iran-Themas zum beschleunigten Ausverkauf kommen, war er die einsame Stimme der Besonnenheit: Das ist nicht der Crash, sondern eine Bärenfalle. Was dann kam, war eines der grössten kurzfristigen Rallys der Geschichte. Spitznagel ruft seit vier Jahren einen Blow-off-Top bei den Aktien aus, und wir befinden uns in dessen Frühphase. Wir wissen nicht, wie lange es dauert oder wie weit es geht – nur, dass es weiter gehen wird. Am Ende dieser Entwicklung erwarten wir einen potenziellen Jahrhundertcrash. Aber es wird keine Glocke läuten, die uns präzise sagt: «Jetzt ist es soweit.» Liegt das Plateau bei 8'000 oder 9'000? Man weiss es nicht. Aber man muss für den Zeitpunkt positioniert sein, an dem es dreht – was es mit Sicherheit tun wird.

«Die Schweiz ist mein Lieblingsland ausserhalb der USA.»

Warum konzentrieren sich Ihre Aktivitäten auf Pensionskassen und nicht auf die Privatbanken und unabhängigen Vermögensverwalter?

Wir haben tatsächlich beides. Unsere bestehenden Schweizer Kunden sind primär im Private Banking für vermögende Privatkunden angesiedelt. Da sind wir schlicht schon länger dran. In jüngerer Zeit haben sich unsere Gespräche hin zu den Pensionskassen verschoben. Es ist also eine Frage des Aufholens. Vermögensverwalter können sich schneller bewegen; Pensionskassen brauchen etwas mehr Zeit, um etwas Neues zu verdauen. Derzeit führen wir fünf sehr aktive Gespräche mit verschiedenen, sehr grossen, Schweizer Pensionskassen.

Zum Abschluss noch persönlich: Sie waren schon mehrmals hier. Was mögen Sie an der Schweiz?

Die Schweiz ist mein Lieblingsland ausserhalb der USA. Sie ist wunderschön – sauber, effizient, mit den Bergen... Ich mag die Schweizer Kultur, das Essen ist grossartig, es gibt die Aktivitäten in der Natur, und es ist sehr friedlich. Es ist ein grossartiger Ort, deshalb fühle ich mich jedes Mal privilegiert, wenn ich dort Zeit verbringen darf.


Brandon Yarckin ist Chief Operating Officer von Universa Investments, dem Tail-Risk-Hedge-Fund, der von Mark Spitznagel gegründet und vom «Black Swan»-Autor Nassim Nicholas Taleb beraten wird. Er ist seit 2007 bei der Firma, wo er 2019 die Rolle des COO übernahm. Der Duke-Absolvent arbeitete zuvor im Aktienderivate- und Wandelanleihen-Verkauf bei KBC Financial Products.