Bank of America will in der Schweiz in die Top 3

Für Thorsten Pauli endet ein langes Kapitel. Nach insgesamt 22 Jahren Banking, davon sieben an der Spitze des Schweizer Geschäfts der Bank of America, verlässt er die heimischen Gestade in Richtung Hongkong; finews berichtete darüber


Von Zürich nach Asien: Thorsten Pauli. (Bild: zVg)

Seinem Nachfolger Olof Engelbrekts hinterlässt er eine deutlich breiter aufgestellte Plattform als jene, die er bei seinem Amtsantritt vorgefunden hatte.

Olof Engelbrekts Innen
Der neue Schweiz-Chef: Olof Engelbrekts. (Bild: zVg)

«Der beste Finanzplatz in Europa»

Pauli blickt entsprechend optimistisch auf den Finanzplatz. «Die Schweiz ist einer der absolut besten Finanzplätze, die wir in Europa haben», sagt er im Gespräch mit finews.

Daran werde sich seiner Ansicht nach auch künftig wenig ändern. Die Markt- und Investoren-Infrastruktur sei hervorragend, während die Schweiz über zahlreiche global führende Unternehmen in Branchen wie Pharma, Healthcare und Konsumgüter verfüge.

«Die Schweiz wird zukünftig immer stärker werden», ist Pauli überzeugt.

Von der Auslandsbank zum lokalen Player

In den vergangenen sieben Jahren hat Bank of America ihre Präsenz in der Schweiz schrittweise ausgebaut. Neben ihrer traditionellen Stärke im Aktiengeschäft verfügt die Bank heute über lokale Strukturen im Firmenkundengeschäft, Investment Banking und Zahlungsverkehr.

«Lokalität, Lokalität, Lokalität», fasst Pauli die wichtigste Erkenntnis zusammen. 

Der Schweizer Markt funktioniere stark über persönliche Netzwerke und lokale Kenntnisse. Eine internationale Bank müsse deshalb verstehen, wie Geschäfte hierzulande gemacht würden – einschliesslich der regionalen Unterschiede zwischen Deutschschweiz, Romandie und Tessin.

Bank of America habe entsprechend Schweizer Know-how aufgebaut und sei heute deutlich stärker lokal verankert. Hinzu kommen Partnerschaften unter anderem mit dem St. Gallen Symposium, der Orpheum Stiftung und der American Swiss Foundation.

«Als ich vor sieben Jahren hierher kam, ging es zunächst darum, überhaupt zu Transaktionen eingeladen zu werden», blickt Pauli zurück.

Engelbrekts setzt sich Top-3-Ziel

Diese Zeiten sind passé. Die Bank of America avancierte in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Partner für grosse Schweizer Firmen. Bei zahlreichen wichtigen Schweizer IPOs der vergangenen Jahre hierzulande war die Bank of America beteiligt.

Nun soll der nächste Schritt folgen. 

Olof Engelbrekts Ziel ist klar: Bank of America soll sowohl im Corporate Banking als auch im Investment Banking zu den Top-3-Banken in der Schweiz zählen.

«Wir werden weiter in diesen Markt investieren», sagt Engelbrekts. CEO Brian Moynihan habe erst kürzlich anlässlich des 75-jährigen Bestehens von Bank of America in der Schweiz sein Commitment zum Standort abgegeben.

Brian Moynihan 
Brian Moynihan. (Bild: zVg)

Die Ambitionen passen zur globalen Positionierung der amerikanischen Grossbank. Im Investment Banking gehört BofA bereits zu den drei führenden globalen Häusern in EMEA. Diese Stellung soll zunehmend auch im Schweizer Geschäft sichtbar werden.

Dabei spielt die internationale Plattform eine entscheidende Rolle. Schweizer Unternehmen sind stark in den USA, Lateinamerika und Asien engagiert. Genau diese Vernetzung sieht Bank of America als einen ihrer wichtigsten Wettbewerbsvorteile gegenüber stärker lokal ausgerichteten Instituten.

Pauli verweist insbesondere auf die Position der Bank in den USA und Lateinamerika sowie ihre Präsenz in China, Japan, Australien und Südostasien. Dazu kommen globale Kompetenzen im Aktiengeschäft, M&A, Corporate Banking und Zahlungsverkehr.

BofA nimmt den Schweizer Mittelstand ins Visier

Eine der interessantesten Wachstumsinitiativen betrifft Unternehmen unterhalb der grössten Schweizer Konzerne.

Bank of America hat ihre sogenannte International Mid-Market Strategy (IMM) auf die Schweiz ausgeweitet. Damit richtet sich die Bank nicht mehr ausschliesslich auf SMI-Konzerne und andere Grossunternehmen aus. «Dadurch können wir Kunden deutlich früher in ihrer Entwicklung begleiten», sagt Engelbrekts.

Damit vergrössert BofA den Kreis potenzieller Schweizer Firmenkunden erheblich und bieten jenen Unternehmen eine langfristige Partnerschaft, deren internationale Finanzierungs-, Beratungs- und Kapitalmarktbedürfnisse wachsen.

«Das wird auch ein Schritt sein, um in diese Richtung zu kommen», sagt Engelbrekts mit Blick auf das Top-3-Ziel.

Für Bank of America ist das Konzept nicht neu. Im Heimatmarkt USA gehört das Mid-Market Banking zum Kerngeschäft. International befindet sich die Strategie dagegen noch im Aufbau – und die Schweiz gehört zu den Märkten, in denen das Modell nun weiter ausgebaut  wird.

Engelbrekts spricht von einem schrittweisen Vorgehen: Bestehende Kunden sollen intensiver betreut und Lücken bei Unternehmen geschlossen werden, mit denen die Bank bislang wenig oder gar kein Geschäft macht.

Weitere Initiativen in Vorbereitung

Beim Mid-Market soll es allerdings nicht bleiben. Bank of America entwickelt ihr Schweizer Geschäft kontinuierlich weiter und prüft laufend, wo sich weitere Möglichkeiten bieten.

Die Ausgangslage unterscheidet sich damit deutlich von jener vor sieben Jahren. «Die Geschichte ist bei weitem noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil, sie hat erst angefangen», sagt Pauli.