Swissquote greift nach einem noch grösseren Stück des Schweizer Kuchens
Swissquote hat grosse Ambitionen. Bis 2028 will die Onlinebank einen Ertrag von 950 Millionen Franken erzielen und beim Vorsteuergewinn in die Grössenordnung von einer halben Milliarde Franken vorstossen.
Doch wo soll dieses Wachstum herkommen?
CEO und Mitgründer Marc Bürki liefert darauf in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» eine bemerkenswerte Antwort. Nicht das Ausland und auch nicht das volatile Kryptogeschäft sollen die entscheidenden Wachstumstreiber sein. Das grösste Potenzial sieht Bürki weiterhin im Schweizer Heimmarkt.
Erst 3 Prozent Marktanteil
Das gesamte private Vermögen in der Schweiz beziffert Bürki auf rund 5’100 Milliarden Franken. Davon seien schätzungsweise 39 Prozent investierbar und damit grundsätzlich für Swissquote relevant.
Dieser adressierbare Markt sei zuletzt von 1’300 Milliarden auf rund 2’000 Milliarden Franken gewachsen. Gleichzeitig habe Swissquote seinen Marktanteil von 2 auf 3 Prozent gesteigert.
«Dass wir trotz starken Wachstums erst bei 3 Prozent stehen, zeigt, welch riesiges Potenzial für uns im Heimmarkt noch brachliegt», sagt Bürki.
Die Aussage ist bemerkenswert, weil Swissquote längst nicht mehr nur auf die Schweiz setzt. In Europa konzentriert sich die Bank insbesondere auf Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder.
Allein aus diesen Märkten flossen Swissquote im ersten Halbjahr 1,7 Milliarden Franken Neugeld zu. Die Bank in Luxemburg dient dabei als Plattform für die Expansion. Weniger attraktiv sind für Bürki dagegen Italien und Spanien. Statt mit der Giesskanne in Europa zu expandieren, will Swissquote seine Ressourcen auf ausgewählte Märkte konzentrieren.
Keine Konkurrenz zu Robinhood und Saxo
Interessant ist dabei auch, wo sich Swissquote mittlerweile selbst im Bankenmarkt positioniert.
Bürki wehrt sich gegen den Vergleich mit Billigbrokern wie Robinhood oder Saxo. «Wir sehen in Billigbrokern keine Gefahr, da wir in einer anderen Liga spielen», sagt er.
Swissquote verstehe sich vielmehr als Vollbank und konzentriere sich auf Mass-Affluent-Kunden. Diese seien bereit, für ein breiteres Angebot und umfassenden Service mehr zu bezahlen.
Damit wird die strategische Verschiebung sichtbar: Swissquote will nicht primär über den günstigsten Preis konkurrieren, sondern einen wachsenden Anteil des Vermögens ihrer Kunden auf die eigene Plattform ziehen.
Das ist auch für die langfristigen Finanzziele entscheidend. Bürki rechnet mit jährlich rund 7 Milliarden Franken Neugeld. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 5,1 Milliarden Franken. Bis 2028 sollen die Kundenvermögen dadurch auf mehr als 100 Milliarden beziehungsweise möglicherweise 110 Milliarden Franken steigen.
Yuh soll über Skalierung Geld verdienen
Wie Swissquote den Retail-Markt bearbeiten will, zeigt Yuh. Die Plattform hat mittlerweile eine Kundenbasis, die laut Bürki etwa halb so gross ist wie jene von Swissquote.
Noch interessanter ist die Ökonomie dahinter.
Das durchschnittliche Vermögen eines Yuh-Kunden liegt bei lediglich 9’480 Franken, verglichen mit 115’000 Franken bei Swissquote. Trotzdem sieht Bürki darin kein Problem.
Yuh soll über Skalierung profitabel werden. Trotz des starken Kundenwachstums seien lediglich zwei zusätzliche Stellen notwendig gewesen. Nach einem profitablen Jahr 2025 rechnet Swissquote wegen des veränderten Zinsumfelds für Yuh 2026 mit einer schwarzen Null. Ab 2027 soll die Plattform wieder eine hohe Profitabilität erreichen.
Neukunde kostet bis zu 130 Franken
Bürki legt auch ungewöhnlich konkrete Zahlen zur Kundenakquisition offen.
Das jährliche Marketingbudget von Yuh beläuft sich demnach auf rund 8 Millionen Franken. Damit sollen etwa 80’000 neue Kunden gewonnen werden. Rechnet Swissquote sämtliche Faktoren inklusive Sponsoring ein, kostet ein neuer Kunde zwischen 110 und 130 Franken.
Gleichzeitig generiere ein Yuh-Kunde durchschnittlich 14 Franken Ertrag pro Monat. Nach Bürkis Rechnung amortisieren sich die Akquisitionskosten damit innerhalb eines Jahres.
Strategisch noch wichtiger dürfte allerdings sein, wie intensiv die Kunden Yuh nutzen. Bereits rund ein Fünftel verwendet die App laut Bürki als Hauptbankverbindung und wickelt darüber unter anderem Lohnzahlungen, Sparen, Investitionen und die Säule 3a ab.
Bürki bleibt mindestens bis Ende 2027
Und auch bei einer anderen wichtigen Frage schafft Bürki mehr Klarheit: seiner eigenen Zukunft.
Der langjährige CEO will mindestens bis Ende 2027 an der Spitze von Swissquote bleiben. Zunächst möchte er den derzeit entstehenden neuen Hauptsitz in Gland einweihen und den Einzug miterleben.
Erst danach soll die Nachfolge konkret werden. Swissquote habe intern bereits Kandidaten aufgebaut, die zu gegebener Zeit mit externen Bewerbern verglichen würden.
Ein anschliessender direkter Wechsel Bürkis an die Spitze des Verwaltungsrats ist keineswegs ausgemacht. Swissquote gehört neu zur Kategorie 3 der Banken. Die damit verbundenen Cooling-off-Regeln könnten einen unmittelbaren Wechsel erschweren. Hinzu kommt die bisher respektierte interne Altersgrenze von 70 Jahren für Verwaltungsräte.














