Deutsche Bank will mit KI die Kredite sehr viel schneller bearbeiten

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will sein Institut zu einer «wirklich KI-gestützten Bank» machen. Deshalb investiert die grösste Bank Deutschlands bis 2028 mehr als 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau seiner IT-Systeme. Zum Vergleich: Die US-Grossbank J.P. Morgan plant allein im laufenden Jahr rund 20 Milliarden Dollar an vergleichbaren Investitionen. 

Es geht nicht allein um Produktivitätsgewinne

Eines ihrer Ziele sei es, die Entscheidung über die Kreditvergabe an multinationale Konzerne von einigen Monaten auf wenige Wochen zu verkürzen, sagte die Technologiechefin Marie-Jeanne Deverdun am Montag in einem Interview mit Reuters. «Und bei kleineren Unternehmen, die weniger komplex sind, sprechen wir von Minuten statt Wochen.» Das entsprechende Projekt sei bereits angelaufen. Deverdun arbeitet bereits mehr als 16 Jahre bei der Bank und übernahm die neue Funktion im vergangenen Mai.

Beim Einsatz von KI gehe es nicht allein um Produktivitätsgewinne, betonte die Managerin. «Den Wettlauf wird nicht die Bank gewinnen, die über die meisten Pilotprojekte oder das leistungsstärkste KI-Modell verfügt. Es wird die Bank gewinnen, die wirklich versteht, wie sie ihre Daten mithilfe von KI nutzen und ihren Kunden die besten Lösungen anbieten kann.» 

Einige US-Konkurrenten blockieren den Zugang der KI-Agenten zu ihren Kundenkonten. Sie befürchten, dass diese Programme die IT-Systeme beeinträchtigen und das Vertrauen in das Finanzsystem untergraben. Anders die Pläne bei der Deutschen Bank. «Wir stellen uns bereits auf eine Zeit ein, in der intelligente Agenten unsere Kunden werden», sagte Deverdun. 

Cyberrisiko-Management

Beim verstärkten KI-Einsatz müssen Banken jedoch gesetzliche Vorgaben, den Datenschutz und die Cybersicherheit genau im Blick behalten. Deren Bedeutung ist durch eine Serie von Angriffen mittels ausser Kontrolle geratener KI-Modelle wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. «Wir verfolgen diese Debatte sehr aufmerksam», betonte Deverdun. «Das sind berechtigte Bedenken, und natürlich hat Cyberrisiko-Management für mich oberste Priorität.» Ihr Institut setze «erhebliche» Ressourcen ein, um die Gefahren zu minimieren.