J.P. Morgan: Die Politik zündelt, die KI handelt
Geopolitische Spannungen sind laut der zehnten e-Trading-Studie von J.P. Morgan der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor auf die Märkte im Jahr 2026. 41 Prozent der weltweit 955 befragten institutionellen Händler nennen «emerging and ongoing geopolitical tensions» als grösster Belastungsfaktor – deutlich vor technologischen Innovationen wie KI und Blockchain (19 Prozent) sowie Zinspolitik (13 Prozent). Über alle Anlageklassen und Regionen hinweg bleibt politische Unsicherheit damit das dominante Thema.
Die makroökonomischen Sorgen spiegeln sich im Handelsalltag wider. 43 Prozent der Befragten bezeichnen volatile Märkte als grösste tägliche Herausforderung – bereits das vierte Jahr in Folge. Marktinstabilität, plötzliche Liquiditätsengpässe und geopolitisch getriebene Preissprünge erhöhen den Druck auf Handelsabteilungen. Entsprechend gewinnen stabile Marktinfrastruktur, verlässliche Ausführung und belastbare Liquiditätsquellen weiter an Bedeutung.
Politische Unsicherheit schlägt sich im Tagesgeschäft nieder: Volatile Märkte gelten als grösste Herausforderung im Trading. (Grafik: J.P. Morgan, e-Trading Survey 2026)
Elektronifizierung schreitet voran
Gleichzeitig nimmt die Elektronifizierung weiter Fahrt auf. Für 2027 erwarten die Teilnehmer, dass im Durchschnitt 70 Prozent ihres Handelsvolumens elektronisch abgewickelt werden – nach 60 Prozent im Jahr 2026. Besonders stark wachsen dürften elektronische Volumen bei Equity Derivatives, G10 Rates, FX-Optionen sowie im klassischen Aktienhandel.
Das Plattformmodell wird zunehmend hybrid. 40 Prozent der Händler nutzen primär sowohl Single-Dealer- als auch Multi-Dealer-Plattformen. Bei der Auswahl einer Single-Dealer-Plattform stehen «Access to liquidity / inventory» und reduzierte Ausführungskosten an erster Stelle. In Phasen erhöhter Volatilität zählen vor allem Markttiefe und Ausführungsqualität.
Daten als strategischer Rohstoff
Im Wettbewerb der Plattformen gewinnen Daten und Analysefähigkeiten massiv an Gewicht. «Real-time data and analytics» gelten mit 24 Prozent als wertvollstes Feature moderner Trading-Systeme.Händler wollen nicht nur Transaktionen abwickeln, sondern Entscheidungen datenbasiert optimieren – von Pre-Trade-Analysen über Risikomanagement bis zur Performance-Auswertung.
Diese Entwicklung mündet in einer klaren technologischen Priorisierung: 43 Prozent der Befragten sehen generative KI als einflussreichste Technologie der kommenden drei Jahre. Damit liegt sie deutlich vor Machine Learning, API-Integration oder Blockchain. Vor allem in APAC ist die Erwartung hoch, dass KI Prozesse automatisiert, Workflows vereinfacht und Entscheidungsprozesse beschleunigt.

Der strukturelle Wandel im Handel: Technologie, Liquidität und Regulierung prägen die Agenda der Marktteilnehmer. (Grafik: J.P. Morgan, e-Trading Survey 2026)
Tokenisierung gewinnt an Relevanz
Auch im Bereich Digital Assets verschiebt sich der Fokus. 40 Prozent der Händler sehen tokenisierte Vermögenswerte als grösste Chance im digitalen Marktumfeld. Kryptowährungen (28 Prozent) und Stablecoins (25 Prozent) folgen mit klarem Abstand. Das deutet darauf hin, dass Institutionelle weniger auf spekulative Krypto-Trends setzen, sondern stärker auf die technologische Infrastruktur hinter der Tokenisierung traditioneller Finanzinstrumente.
2026 dürfte mit anhaltender Volatilität und regulatorischer Unsicherheit politisch fragil bleiben. Gleichzeitig beschleunigen Elektronifizierung, Datenanalyse und KI den strukturellen Wandel im Handel.













