Weshalb Frankreich Oddo BHF Sorgen bereitet

Dass Banken um den Jahreswechsel ihren Anlageausblick – eine Auslegeordnung für den Investoren, meist bestehend aus einer Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftsaussicht und darauf basierenden Anlageempfehlungen – präsentieren, ist ein fester Bestandteil des Kalenders der Finanzgemeinde. Für Oddo BHF, die ihren Outlook in der ersten Februarhälfte in Zürich vorstellte, bildete es allerdings für die Schweiz eine Premiere, verzichtete die europäische Bankengruppe doch bislang darauf.

Eine der Herausforderungen in Europa ist gemäss Oddo BHF die «Identitätskrise». Hintergrund sind die fehlenden Ressourcen zur Erhöhung der öffentlichen Aufgaben, was auf eine weitere Schuldenfinanzierung hinauslaufen könnte. Dann würden gewisse Länder höhere Risikozuschläge berappen müssen, wenn sie sich am Kapitalmarkt über die Emission von Staatsanleihen finanzieren.

Daniela Gruebel Oddo BHF

Daniela Grübel. Bild: zVg

Daniela Grübel, Head of Client Solutions (Bild oben), und Arthur Jurus, Head Investment bei Oddo BHF Schweiz (Bild unten), bestätigen, dass Frankreich zu diesen Kandidaten gehört.

Grübel unterstreicht: «Wir sind gegenüber französischen Staatspapieren daher sehr zurückhaltend.» Hintergrund sind die expansive Fiskalpolitik, die fehlende Ausgabendisziplin, die wachsende Verschuldung und die im internationalen Vergleich bereits sehr hohe Steuerbelastung des Nachbars im Westen. Das nährt gemäss Oddo BHF Debatten «über finanzielle Repression, wie Zwangskredite und Interventionen der Europäischen Zentralbank».

Dickes Lob für die Geldpolitik der SNB

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB), die seit schon geraumer Zeit den Leitsatz bei 0 Prozent hält und mehrfach kommuniziert hat, dass die Hürde für einen Schritt in den negativen Zinsbereich hoch sei, findet sich im Oddo-BHF-Ausblick dickes Lob: «Angesichts des hochgradig unsicheren globalen Umfelds legt die SNB Wert auf Konsistenz. Die aktuelle Strategie ist nicht Untätigkeit, sondern Ausdruck von Disziplin: Aufrechterhaltung einer umsichtigen geldpolitischen Expansion, Sicherung der externen Wettbewerbsfähigkeit und Gewährleistung der Preisstabilität» –  Formulierungen, die fast schon vom Schweizer Währungshüter selber stammen könnten (wobei dieser natürlich die Preisstabilität an erster Stelle genannt hätte).

Als Outperformer sieht Jurus hierzulande weiterhin den Immobilienmarkt. «Das Angebot bleibt knapp, wir rechnen über die nächsten fünf Jahre bei Immobilienmieten mit einem Plus von 15 Prozent.» Auf der Nachfrageseite ersetzen Pensionskassen einen Teil ihrer Anleihenbestände durch Immobilienanlagen, was zusammen mit dem fundamentalen Faktor Zuwanderung stützend wirkt.

Arthur Jurus Oddo BHF

Arthur Jurus. Bild: zVg

Aber auch Schweizer Aktien kann Oddo BHF einiges abgewinnen und empfiehlt hochwertige Dividendenaktien sowie Small Caps. Kleine Schweizer Unternehmen seien oft in Nischenmärkten global führend, was ein höheres Gewinnwachstum ermögliche. Doch Large Caps haben ebenfalls ihre Reize. «Unternehmen wie Holcim profitieren auch vom Infrastrukturausgabenprogramm in Deutschland», hält Jurus exemplarisch fest. Oddo BHF Schweiz hat 2025 ein achtköpfiges Research-Team aufgebaut, das über 80 Schweizer Aktien abdeckt.

Gold sei bei seinem Institut schon immer Bestandteil der strategischen Asset Allocation gewesen. Doch jetzt tauche es auch auf dem Radar vieler amerikanischer Investoren auf, beobachtet der Anlagechef. Bei 10-Jahres-Realzinsen nahe 1,75 Prozent und fast 3 Prozent Inflation in den USA sei das gelbe Metall attraktiv. Oddo BHF rechnet 2026 mit weiter steigenden Preisen und bezeichnet Gold als «leistungsstarkes Diversifizierungsinstrument».

Stablecoins als Renditeinstrument

Silber schneide historisch in Dollar-Abwertungsphasen sogar noch besser ab. Allerdings betrachtet Jurus dieses Edelmetall nicht als strategische, sondern mehr als taktische Position.

Ebenfalls nicht in das strategische Musterportfolio gehören Kryptowerte. Ein besonderes Augenmerk gilt hier den Stablecoins, also digitalen Assets, die mit staatlichen Währungen hinterlegt sind. Für den Anleger ist dabei weniger die Frage relevant, ob Stablecoins wirklich ein Pfeiler des Zahlungssystems von morgen sein werden. Laut Jurus sind Stablecoins ein Renditeinstrument und ein Werkzeug für das Cash-Management innerhalb des Krypto-Ökosystems.