Maximilian Spiess: «Die Schweiz stärkt unsere Reputation»
Herr Spiess, Flossbach von Storch ist in Deutschland ein grosser Player im Vermögensverwaltungsgeschäft. Wie wichtig ist der Schweizer Markt?
Die Schweiz ist einer der bedeutendsten Vermögensverwaltungsstandorte weltweit – und kein Nebenmarkt. Wer hier erfolgreich sein will, braucht echtes Commitment, lokale Expertise und eine klare Strategie. Wir sind seit 2006 in der Schweiz. Zürich war der erste Standort jenseits des Heimatmarktes.
«Wer hier erfolgreich sein will, braucht echtes Commitment.»
Für uns ist das Schweiz-Geschäft von zentraler Bedeutung: Es stärkt unsere Reputation, erschliesst qualitativ hochwertige Investoren und diversifiziert die Investorenbasis – und festigt damit unsere Marktposition.
Mit Blick auf Fidleg/Finig: Hat die Regulierung den Marktzugang für ausländische Asset Manager faktisch erschwert, oder profitieren etablierte Häuser wie Ihres eher von höheren Eintrittsbarrieren?
Der Marktzugang ist anspruchsvoller geworden, aber auch qualitativ hochwertiger. Wir haben diesen Rahmen genutzt, um uns geschäftlich nochmals stärker zu fokussieren und auszurichten. Wer langfristig orientiert und professionell aufgestellt ist, kann sich in diesem Umfeld so gut behaupten.
Welche Besonderheiten beobachten Sie bei Schweizer Investoren?
Schweizer Investoren agieren kapitalmarktnäher, diversifizierter und selbstverständlicher im Umgang mit Wertschriften, während deutsche Anleger traditionell vorsichtiger und stärker auf klassische Sparformen ausgerichtet sind. In einem tendenziell inflationären Umfeld ist das langfristig ein Problem.
Wo sehen Sie aktuell das grössere Wachstumspotenzial in der Schweiz: bei institutionellen Investoren, externen Vermögensverwaltern (EAMs) oder vermögenden Privatkunden?
Traditionell sind Banken und EAMs unsere Partner. In den letzten Jahren konnten wir erfreulicherweise vermehrt institutionelle Investoren als Kunden gewinnen.
«Wir orientieren uns ganz bewusst an keiner Benchmark.»
Dies fusst vor allem auf unseren flexiblen und aktiv verwalteten Bond-Strategien, die in den Peer-Gruppen sowohl über kurze als auch lange Zeiträume gut abschneiden.
Klassische Multi-Asset-Strategien hatten es in den letzten Jahren nicht leicht. Wo liegt heute der Mehrwert Ihres Ansatzes gegenüber passiven oder stark regelbasierten Lösungen?
An unserem hauseigenen USP hat sich in all den Jahren nichts verändert – der ist universell, wenn man so will.
Wir sind als klassischer Vermögensverwalter in Deutschland gestartet. Wir tun also seit Unternehmensgründung nichts anderes als das, was heute landläufig und vielfach unter dem Label «Multi-Asset» vermarktet wird – Vermögen zunächst einmal in der Substanz zu erhalten und dann über die Jahre zu vermehren.
Indem wir die Gelder unserer Anleger auf verschiedene Asset-Klassen aufteilen, reduzieren wir die Finanzmarktrisiken, lassen sie ruhiger schlafen. Wir orientieren uns dabei ganz bewusst an keiner Benchmark.
Ziel ist es, langfristig attraktive Renditen zu erwirtschaften. Wer das in dieser Form tut, muss die einzelnen Disziplinen beherrschen. Das ist auch der Grund, warum wir neben den klassischen Multi-Asset-Produkten auch reine Aktien- und Anleihenfonds managen, wenngleich nicht viele. Die Palette ist ganz bewusst sehr konzentriert.
Viele Schweizer Investoren haben in jüngster Zeit ihre Allokation in Private Equity und Private Credit erhöht. Nun ist es insbesondere im Bereich Private Credit jüngst zu Unsicherheiten gekommen. Sehen wir eine erste Marktbereinigung?
Ob es sich aktuell um eine echte Marktbereinigung im Private-Credit-Markt handelt, lässt sich derzeit nicht abschliessend beurteilen. Zwar beobachten wir selektive Probleme auf Ebene einzelner Kreditengagements, von einem systemischen Stress im Gesamtmarkt kann jedoch bislang nicht gesprochen werden.
«Von einen systemischen Stress im Private-Credit-Gesamtmarkt kann bislang nicht gesprochen werden.»
Die mediale Berichterstattung konzentriert sich aktuell vor allem auf die Kombination illiquider Private-Credit-Investments mit semi-liquiden Fondsstrukturen. In Phasen erhöhter Mittelabflüsse kann dieser Strukturmix zu Liquiditätsengpässen führen, die vermehrt durch «Gating»-Mechanismen adressiert werden. Dabei handelt es sich primär um ein Liquiditäts- und Strukturthema und nicht zwingend um eine flächendeckende Verschlechterung der Kreditqualität.
Wie wichtig ist Private Markets für Flossbach von Storch?
Obwohl unser Hauptfokus auf den liquiden Anlageklassen liegt, verwalten wir seit 2008 eine sehr erfolgreiche Private-Equity-Dachfondsserie (Tectum Private Equity) mit Fokus auf kleine und mittelständische Unternehmen in Europa und USA. Die Zielfonds im kleinen Marktsegment (Zielfondsgrösse < 500 Millionen Euro) bieten eine langfristige Outperformance gegenüber dem kompetitiven Large-Cap-Segment. Das Portfolio wird zusätzlich mit Venture Capital und Spezialstrategien (zum Beispiel Turnaround) ergänzt.
Der ETF-Markt wächst in der Schweiz dynamisch, insbesondere aktive Produkte erfahren derzeit Aufwind. Wie lange hält dies an?
Ich würde davon ausgehen, dass der Trend noch eine ganze Weile anhalten wird, ja. Heisst für uns: Wir müssen auch in Zukunft liefern, um langfristig eine Daseinsberechtigung zu haben. Ich bin fest überzeugt, dass uns das gelingen wird.
Maximilian Spiess ist seit 2018 für Flossbach von Storch in Zürich tätig. Er ist als Geschäftsführer verantwortlich für die Bereiche Wholesale-Kunden und institutionelle Anleger.















