Schroders oder die Zuversicht nach dem Paukenschlag

Die Meldung von Mitte Februar dieses Jahres schlug in der Branche ein wie ein Paukenschlag: Nuveen übernimmt Schroders, wobei die Marke Schroders bestehen soll. Anders formuliert: Ein US-amerikanischer Vermögensverwalter kauft einen britischen Asset Manager.

Entstehen wird ein neues Schwergewicht im globalen Asset Management: Die Transaktion im Wert von 9,9 Milliarden britischen Pfund schafft einen globalen aktiven Vermögensverwalter mit 2,1 Billionen Euro Assets under Management.

Die Überraschung war gross – auch intern. «Bei uns wusste niemand etwas, auch nicht ich», sagt Dominik Brunner, seit Anfang Jahr Schweiz-Chef von Schroders. Die Nachricht erreichte ihn während eines Auslandtermins.

Stark verwurzelt in der Schweiz

Gegründet im Jahr 1804 zählt Schroders zu den ältesten Finanzhäusern der City of London. In der Schweiz ist das Unternehmen seit 1967 präsent und hat seine Stellung als international ausgerichteter Asset Manager mit selektivem Wealth-Management-Geschäft kontinuierlich ausgebaut.

Zum Thema: Paukenschlag im Asset Management

«Die Schweiz eignet sich als Investmenthub. Man findet hier qualifizierte Fachkräfte mit hoher Banking-Affinität und Leistungsbereitschaft», sagt Brunner.

Mit rund 350 Mitarbeitenden in Zürich und Genf sowie lokal verwalteten Vermögen von etwa 45 Milliarden Franken gehört Schroders zu den bedeutenden ausländischen Akteuren im Markt. Nuveen dagegen ist erst seit 2022 mit einem Zürcher Büro präsent und beschäftigt hier eine handvoll Mitarbeitende.

Im Vergleich zu Schwergewichten wie UBS Asset Management, Pictet oder Lombard Odier bleibt Schroders in der Schweiz klar kleiner. Dennoch spielt das Haus eine wichtige Rolle, insbesondere im institutionellen Geschäft und als Anbieter globaler Anlagelösungen. 

Bemerkenswert ist zudem, dass in der Schweiz nicht nur Vertrieb, sondern auch Teile der Investmentproduktion angesiedelt sind. So betreibt Schroders seit rund 25 Jahren ein Aktien-Desk für Schweizer Titel, heute unter der Leitung von Stefan Frischknecht, das wesentlich zur lokalen Verankerung beigetragen hat.

Plattform mit mehreren Standbeinen

Charakteristisch für Schroders’ Präsenz in der Schweiz ist die breite organisatorische Aufstellung. Das Unternehmen agiert über mehrere spezialisierte Einheiten, die unterschiedliche Kundensegmente und Anlageklassen abdecken.

Das institutionelle Geschäft wird primär über die Schroder Investment Management (Switzerland) AG betrieben, die sich auf Fonds und Mandate für Pensionskassen, Versicherungen und andere professionelle Investoren (inklusive Banken, externe Vermögensverwalter und Family Offices) konzentriert. Ergänzt wird dies durch die Schroder & Co Bank AG, die im Wealth Management tätig ist und sich insbesondere auf vermögende Privatkundenfokussiert.

Ein zentraler Wachstumstreiber ist zudem das Geschäft mit privaten Märkten. Dieses wird über Schroders Capital gesteuert, eine global ausgerichtete Plattform für Private Equity, Infrastruktur, Private Credit und Immobilien. Hinzu kommt mit BlueOrchard eine in der Schweiz verankerte Impact-Investing-Spezialistin, die insbesondere Anlagen in Schwellenländern adressiert.

Fokus auf institutionelle Kunden und Alternatives

In der Schweiz liegt die Kernstärke von Schroders klar im institutionellen Segment. Pensionskassen und Versicherungen nutzen die Plattform des Asset Managers, um Zugang zu globalen Strategien und insbesondere zu privaten Märkten zu erhalten.

Gerade im Bereich Alternatives hat sich Schroders in den vergangenen Jahren gezielt positioniert. Mit dem Ausbau von Schroders Capital und der Integration von spezialisierten Einheiten wie BlueOrchard reagiert das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach illiquiden Anlagen, die im aktuellen Marktumfeld weiter an Bedeutung gewinnen.

Im Wealth Management verfolgt Schroders dagegen einen selektiven Ansatz. Anders als klassische Schweizer Privatbanken setzt das Haus nicht auf Breite, sondern auf eine klar abgegrenzte Zielgruppe von sehr vermögenden Kunden sowie auf Kooperationen mit externen Vermögensverwaltern.

Schweiz als strategischer Hub

Für Schroders hat die Schweiz eine über ihre lokale Marktstellung hinausgehende Bedeutung. Der Standort fungiert als wichtiger Hub für das europäische Wealth Management sowie für den Ausbau des Private-Markets-Geschäfts. 

Insbesondere im Bereich Private Markets dürfte denn auch ein hohes Potenzial der beiden fusionierten Unternehmen liegen: Schroders Capital (112 Milliarden Dollar) und Nuveens Alternatives-Plattform (über 300 Milliarden Dollar) decken ein breites Spektrum ab, von Private Equity über Infrastruktur bis hin zu semi-liquiden Strukturen. Durch den Zusammenschluss wird diese Einheit gestärkt, was sich nicht zuletzt auch in den Zahlen niederschlagen wird, das dieser Geschäftsbereich als besonders markenstark gilt.

Zugleich bietet der Schweizer Markt Zugang zu institutionellem Kapital und international mobilen Vermögen – zwei Kundensegmente, die für die strategische Ausrichtung von Schroders zentral sind. Die Bündelung der Aktivitäten und der Ausbau der Präsenz in Zürich unterstreichen dieses langfristige Commitment. 

Und mit Patrick Schwyzer wird die paneuropäische Kundengruppenstrategie des Unternehmens künftig von Zürich aus geleitet, wie jüngst bekannt wurde. Schwyzer wird die Aktivitäten in den Bereichen Wealth, Wholesale und institutionelle Kunden weiter stärken und das Angebot noch gezielter auf die unterschiedlichen Marktbedürfnisse in Europa ausrichten. Damit unterstreicht die Zentrale in London die Bedeutung der Schweiz als regionales Kompetenzzentrum. 

Aufwind für aktive Manager

Trotz der Unsicherheit rund um die Transaktion zeigt sich Brunner zuversichtlich: «Ich weiss nicht mehr als Sie – und wenn, dürfte ich es nicht sagen», sagt er mit einem Augenzwinkern. «Es gibt keinen Grund, uns hier in der Schweiz Sorgen zu machen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind gut positioniert.»

Dabei spielt auch das Marktumfeld Schroders in die Karten. Aktive Asset Manager erfahren derzeit wieder stärkere Nachfrage – nicht zuletzt aufgrund zunehmender Marktineffizienzen und geopolitischer Unsicherheiten.