EFG: US-Exzeptionalismus hat Höhepunkt überschritten

«Die Dominanz der USA als Investitionsziel wird zunehmend in Frage gestellt», sagte EFG Senior Economist and Strategist Gian Luigi Mandruzzato bei der Vorstellung des Whitepaper in Zürich. «Hinzu kommt, dass der schwache Dollar und die hohe Verschuldung eine De-Dollarisierung der Weltwirtschaft eingeleitet hat.»

«Man kann beobachten, dass der Dollarinnerhalb der Weltwirtschaft weniger oft benutzt wird. Wir sehen einen Trend zu einer poli-zentrischen Wirtschaftsordnung, und darum macht das auch Sinn», sagte Mandruzzato weiter. «Der Dollar bleibt zwar die dominante Weltwährung, sein Gewicht nimmt aber ab.»

Es gebe Anzeichen dafür, dass der «US exceptionalism» seinen Höhepunkt überschritten hat. Es sei ein allmählicher Übergang zu einer aktiven Umverteilung zu beobachten, heisst es in dem Papier der Schweizer Privatbank.

Die Welt stehe derzeit vor zahlreichen Herausforderungen – von erhöhten geopolitischen Spannungen und anfälligen Lieferketten bis hin zu steigenden Schulden und einer zunehmend unberechenbaren Führung. Es überrasche daher kaum, dass dieses unsichere Umfeld viele Anleger dazu veranlasst, ihre globale Kapitalallokation zu überdenken und nach «sicheren Häfen» zu suchen.

Märkte ausserhalb der USA bevorzugt

In den vergangenen Monaten hätten die Investoren Märkte ausserhalb der USA bevorzugt. Die Unsicherheit in Bezug auf Wirtschafts- und Handelspolitik in den USA sieht er auf einem historischen Höchststand.

Die Schweiz nehme derzeit als Investitionsziel eine herausragende Position ein. Laut dem «World Bank Governance Indikator» wird sie als stabiler eingeschätzt als die USA, Deutschland, Grossbritannien oder China, betont der Ökonom. Insbesondere die Stärke der Institutionen und die Rechtssicherheit werde als sehr hoch bewertet. Auch bei der finanziellen Stabilität, gemessen an der Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP, sei die Schweiz eine Ausnahme.

«Wir rechnen damit, dass die Schweiz in den kommenden Jahren ihre starke Position verteidigen wird», sagte der Chefökonom. Als Faktoren verwies er etwa auf die steigende Verschuldung beispielsweise in Deutschland durch das Investitionsprogramm oder die steigenden Verteidigungsausgaben in vielen Nato-Ländern. Auch die Verschuldung in den USA werde weiter zunehmen.

EFG Gian Luigi Mandruzzato Damian Burkhardt

Gian Luigi Mandruzzato und Damian Burkhardt (Bilder: EFG)

Wettbewerbsvorteile der Schweiz

Ein Vorteil in der aktuellen Krise am Golf sei zudem die vergleichsweise geringe Abhängigkeit von fossiler Energie. Insgesamt betrage deren Anteil hierzulande am Gesamtenergiebedarf 40 Prozent, verglichen mit 70 Prozent in der EU oder 80 Prozent in den USA.

Dies sowie die tiefe Inflation stütze die starke Wettbewerbsposition der Schweiz. Das gleiche zudem die Franken-Stärke weitgehend aus.

Starker Franken zwingt zu Innovation

«Der Schweizer Franken war in den vergangenen Jahren eine der weltweit stärksten Währungen», sagte Damian Burkhardt, Head of Swiss Equities bei EFG. «Das ist im Grunde genommen ein Wettbewerbsnachteil, da es die Schweizer Waren auf dem Weltmarkt verteuert.» Das habe die Unternehmen aber auch zu Innovationen gezwungen. «Die Schweiz führt bei der Innovationsstärke seit Jahren die Ranglisten an. Ein weiterer positiver Faktor ist die hohe Verfügbarkeit von Talent», betont der Aktienspezialist.

Geistiges Eigentum als Treiber

«Insgesamt kann man global beobachten, dass sich die Stärke von Volkswirtschaften in Richtung «Intangibles» bewegen, das bedeutet Knowhow, Patente und geistiges Eigentum. Diese zugrundeliegenden Prozesse sind die treibenden Faktoren für die Schaffung von Wert.»

Schweizer Aktien würden Anlegern Zugang zu hochwertigen und äusserst innovativen Unternehmen bieten. Der Innovationscharakter vieler Schweizer Unternehmen sei ein versteckter Performance-Treiber, der zu nachhaltiger Preissetzungsmacht und Wertschöpfung beiträgt.