25 Jahre Impact Investing: Schweizer Player setzte global Standards

Ein Jubiläum ist immer auch ein Moment der Reflexion. Für BlueOrchard sind es 25 Jahre, die eine ganze Anlageklasse mitgeprägt haben. Für Verwaltungsratspräsident Peter Fanconi überwiegt dabei vor allem ein Gefühl: «Demut, dass es gelungen ist, aus einer Idee eine globale Industrie zu entwickeln.»

Was heute als etablierter Bestandteil institutioneller Portfolios gilt, war einst Pionierarbeit. «Am Anfang mussten wir überhaupt erst beweisen, dass sich Mikrofinanz kommerzialisieren lässt», so Fanconi. Inspiriert von Ansätzen wie jenen von Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus sei es darum gegangen, Impact und Rendite zusammenzuführen –, eine damals keineswegs selbstverständliche Kombination.

Vom Nischenansatz zur Anlageklasse

Auch CEO Michael Wehrle betont die doppelte Perspektive aus Stolz und Aufbruch: «Wir haben in den letzten 25 Jahren viel erreicht. Aber das ist noch lange nicht das Ende der Reise.» Impact Investing stehe trotz seines Wachstums global betrachtet weiterhin erst am Anfang.

Ein entscheidender Durchbruch gelang durch die Institutionalisierung der Anlageklasse. 

Internationale Initiativen wie die Millenium Global Goals, die vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan angestossen worden ist, hätten einen klaren Rahmen geschaffen. Gleichzeitig entwickelte BlueOrchard eigene Strukturen: von Fondsvehikeln über Risikomanagement bis hin zu skalierbaren Investmentprozessen.

Das Resultat: ein robuster Track Record. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg erzielte das Unternehmen in seiner Flagschiffstrategie nahezu durchgehend positive Renditen: Im Schnitt zwischen 4 und 5 Prozent in Dollar. «Damit konnten wir zeigen, dass Impact Investing investierbar ist», sagt Wehrle. «Die anfängliche Skepsis vieler Investoren konnten wir abbauen.»

Messbarkeit wird zum Schlüsselfaktor

Mit der Reifung des Marktes rückt ein Thema zunehmend in den Fokus: Standardisierung. «Investoren verlangen Transparenz – nicht nur bei der Rendite, sondern auch beim Impact», erklärt Wehrle.

Frameworks wie die Operating Principles der IFC oder Methoden des Global Impact Investing Network helfen dabei, Wirkung messbar und vergleichbar zu machen. Dennoch bleibt die Umsetzung fragmentiert. «Hier besteht weiterhin Entwicklungsbedarf», so Wehrle. «Weniger, aber klar definierte KPIs sind oft wirkungsvoller als eine Vielzahl an Kennzahlen.»

Wachstum durch Partnerschaft

Ein wichtiger strategischer Schritt war die Integration in den britischen Asset Manager Schroders im Jahre 2019; finews berichtete darüber. Für Fanconi ein Glücksfall: «Wir profitieren von der globalen Infrastruktur und dem Netzwerk, ohne unsere unternehmerische DNA zu verlieren.»

BlueOrchard agiert weiterhin eigenständig, bringt jedoch seine Impact-Expertise in die Gruppe ein. Gleichzeitig eröffnet die Partnerschaft Zugang zu institutionellen Investoren weltweit – ein entscheidender Hebel für weiteres Wachstum.

Neue Märkte, neue Themen

Mit Blick nach vorne identifiziert Wehrle mehrere zentrale Wachstumsfelder. Besonders im Fokus: die sogenannten «Missing Middle»-Unternehmen in Schwellenländern. Diese Firmen sind zu gross für Mikrofinanz, haben aber oft keinen Zugang zu klassischen Bankfinanzierungen.

«Hier entsteht ein enormes Potenzial», sagt Wehrle. «Diese Unternehmen sind häufig die wichtigsten Arbeitgeber in ihren Regionen und treiben das Wirtschaftswachstum.»

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Klimafinanzierung, insbesondere bei Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel. «Während lange die CO₂-Reduktion im Zentrum stand, gewinnt nun das Thema Resilienz stark an Bedeutung», erklärt Wehrle. Dazu zählen etwa innovative Versicherungsmodelle oder kombinierte Finanzierungs- und Absicherungslösungen.

Impact und Rendite als Treiber

Was BlueOrchard seit Beginn auszeichnet, bleibt auch künftig zentral: die Verbindung von finanzieller Performance und messbarer Wirkung. «Unsere Mitarbeitenden treibt genau diese Kombination an», sagt Wehrle. «Es geht darum, echten Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt zu schaffen und gleichzeitig attraktive Anlageprodukte zu entwickeln.»

Für Fanconi ist klar: Die nächsten 25 Jahre könnten noch dynamischer werden als die ersten. «Wenn wir die Standardisierung weiter vorantreiben und gleichzeitig innovativ bleiben, wird Impact Investing weiter an Bedeutung gewinnen.»

Oder, wie es Wehrle formuliert: «Wir stehen erst am Anfang dessen, was möglich ist.»