Zinslast schränkt Fähigkeit der USA zu kriegerischen Konflikten ein
«Beide Seiten finanzierten den Bürgerkrieg über Steuern, Kriegsanleihen und Papiergeld.»
Bis zum amerikanischen Bürgerkrieg beliefen sich die gesamtstaatlichen Ausgaben auf rund 2 Prozent der Wirtschaftsleistung und die Militärausgaben auf weniger als 1 Prozent. Während des Bürgerkriegs (1861–1865) stiegen die Militärausgaben jedoch rasant auf ungefähr 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die hohen Militärausgaben finanzierte die Union mit einer Mischung aus höheren Steuern, Kriegsanleihen sowie der Ausgabe von nicht-goldgedecktem Papiergeld (Greenbacks).
Der Zins auf die Kriegsanleihen lag je nach Fristigkeit bei 5 bis 6 Prozent.Der National Banking Act (1863) stabilisierte im Norden nicht nur das Bankensystem, weil die Banken fortan einheitlich – und nicht von den einzelnen Staaten unterschiedlich – reguliert wurden. Der Banking Act erleichterte auch die Kriegsfinanzierung, weil die Mitgliedbanken nicht nur eine einheitliche Währung (National Bank Notes) ausgeben durften, sondern diese auch mit Bundesanleihen hinterlegen mussten.

Grafik: Flossbach von Storch Research Institute
Die Konföderation finanzierte den Krieg ebenso über (Grund-)Steuern, Kriegsanleihen und Papiergeld (Greybacks). Da die wirtschaftliche Basis jedoch schwächer war als im sich industrialisierenden Norden und keine einheitliche Bankenregulierung bestand, lag der Zins auf die Kriegsanleihen bei 7 bis 8 Prozent. Die Greybacks spielten deshalb eine deutlich grössere Rolle bei der Kriegsfinanzierung, was die Inflation stark nach oben trieb – und die Bevölkerung demoralisierte.
Am Ende des Bürgerkriegs war die Staatsverschuldung von 1,5 auf gut 30 Prozent des BIP angewachsen. Als Kriegsgewinner bediente die Union mit ihrer ganzen Wirtschaftskraft die Schulden der Nordstaaten und baute diese zum grossen Teil ab, was durch ein starkes Wirtschaftswachstum begünstigt wurde. Sie stabilisierte die Greenbacks, indem sie wieder eine Goldbindung einführte, um die Inflation zu bekämpfen. Die gesamtstaatlichen Zinsausgaben überstiegen damit nur vorübergehend die Militärausgaben. Die Schulden der Konföderation wurden hingegen für null und nichtig erklärt. Die Greybacks verloren durch hohe Inflation vollkommen an Wert.
Nach dem Bürgerkrieg blieben die Staatsausgaben über 40 Jahre fast konstant unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung. In den Ersten Weltkrieg traten die USA erst 1917 ein. Die hohen Kosten des Kriegs wurden zu einem Drittel mit Steuern finanziert. Der Spitzensteuersatz bei der Einkommenssteuer stieg auf über 70 Prozent. Zwei Drittel wurden mit Anleihen (Liberty Bonds) gedeckt. Indem die 1913 gegründete Federal Reserve System das Zinsniveau niedrig hielt, schuf sie einen Anreiz für Banken, Kredite für den Kauf von Liberty Bonds zu vergeben, deren Zins bei 3,5 bis 4,5 Prozent lag. Es investierten Banken, Unternehmen und Haushalte, die bei Kriegsende Anleihen im Gegenwert von rund 30 Prozent des BIP hielten.
Das Preisniveau zog deutlich an, blieb aber unter Kontrolle. Nach Ende des Ersten Weltkriegs hielt die Fed zunächst die Zinsen hoch, um die Inflation zu bekämpfen. Ab 1922/23 senkte die Fed die Zinsen, so dass ein kreditfinanzierter Boom den Anteil der Staatsverschuldung am BIP auf gut 16 Prozent sinken liess. Doch die Kreditschwemme zog eine Spekulationsblase nach sich, deren Platzen in die Weltwirtschaftskrise und die Grosse Depression führte.
«Im Zweiten Weltkrieg verlor die US-Notenbank ihre Unabhängigkeit und musste den Krieg mitfinanzieren.»
Hohe Haushaltsdefizite infolge der expansiven Ausgabenprogramme des New Deal liessen die Staatsausgaben von 3 auf knapp 20 Prozent des BIP steigen und die Schuldenquote bis zum Kriegseintritt 1941 auf rund 40 Prozent anschwellen.












