Zinslast schränkt Fähigkeit der USA zu kriegerischen Konflikten ein
Kriege gingen auch in den USA stets mit einem Anstieg der Staatsverschuldung einher, die jedoch lange Zeit in Friedensphasen wieder reduziert wurde. In den frühen Jahren folgte auf kriegsbedingt steigende Preise immer wieder auch ein fallendes Preisniveau, so dass die Kaufkraft in den USA von 1800 bis 1913 um rund 70 Prozent gestiegen ist. Auch nach dem Ersten Weltkrieg folgte aufgrund der Beibehaltung des Goldstandards eine Phase der Deflation.
«Das exorbitante Privileg der USA mit der Weltleitwährung ist bestehen geblieben.»
Erst mit dem Zweiten Weltkrieg sind hohe Kriegs- und andere Staatsausgaben mit einem dauerhaften Anstieg des Preisniveaus einhergegangen. Selbst der Kaufkraftverlust des Dollars von 94 Prozent seit 1945 hat aber nicht ausgereicht, um den realen Schuldenstand auf einem nachhaltig tragbaren Niveau zu halten.
Die USA haben schon früh die wichtige Rolle der Finanzmärkte bei der Finanzierung von Kriegslasten erkannt. Bereits im Bürgerkrieg hat sich die Union gegenüber der Konföderation bei der Kriegsfinanzierung durch die Einbindung der Banken einen entscheidenden Vorteil verschafft. Seit 1913 wurde auch die Zentralbank Fed in die Kriegsfinanzierung integriert. Zunächst schuf sie durch niedrige Leitzinsen einen Anreiz für Banken, Staatsanleihen zu kaufen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit der Schaffung des Bretton-Woods-Systems der Rest der westlichen Welt via Fed in die Finanzierung der Staatsausgaben einbezogen, was weiterhin sehr hohe Militärausgaben im Kalten Krieg ermöglichte. Auch nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods ist dieses exorbitante Privileg ausserhalb von Europa bestehen geblieben und wurde durch die führende Rolle der US-Finanzmärkte gestärkt. Im Gegensatz zu Deutschland hat es in der Geschichte der USA ausser den Schulden der Konföderation der Südstaaten keinen direkten Zahlungsausfall oder Zahlungsausfall durch Hyperinflation gegeben hat.
Seit der Jahrtausendwende wurde mit Hilfe einer zunehmend expansiven Geldpolitik der Fed jedoch der Bogen überspannt. Dauerhaft niedrige Zinsen und eine schnell wachsende Zentralbankbilanz haben negative Wachstums- und Verteilungseffekte nach sich gezogen. Die erneute Entwertung von US-Staatsanleihen durch finanzielle Repression und Dollarabwertung hat die Bereitschaft vieler Länder wie China und Russland gesenkt, Treasuries zu halten.
«Die USA befinden sich heute an einem kritischen Punkt, an dem die Zinslast vergangener Schulden die Fähigkeit zur Finanzierung künftiger militärischer Einsätze einschränkt.»
Zudem ist mit dem Bitcoin eine Alternative zum Dollar als internationaler Währung entstanden. Die Zinsen amerikanischer Staatsanleihen sind seit 2022 stark angestiegen, nachdem ein hoher Inflationsdruck die Fed zu Zinserhöhungen gezwungen hat. Das hat die Zinslasten der USA dramatisch erhöht.
Die USA befinden sich heute erneut an einem kritischen Punkt, an dem die Zinslast vergangener Schulden die Fähigkeit zur Finanzierung künftiger militärischer Einsätze einschränkt. Anders als bisher wurde dieser Punkt heute jedoch nicht nach einem grossen Krieg erreicht, wie nach dem Bürgerkrieg oder nach dem Ersten Weltkrieg.
Der Konflikt mit dem Iran kommt zu einer Zeit, in der die USA nicht nur aufgrund des Irak- und des Afghanistan-Krieges, sondern auch aufgrund hoher Sozialausgaben eine kritische Schwelle überschritten haben. Ein langanhaltender, ausgewachsener Krieg mit dem Iran dürfte die hohen Zinslasten nochmals stark potenzieren. Das dürfte auch ein wichtiger Grund für Trumps Bemühungen sein, den Konflikt zu beenden oder zumindest einzudämmen.
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