Schweiz-Chefin von BNP Paribas: «AXA IM ist ein Gamechanger für uns»


Frau Pariset, die geopolitischen Spannungen haben deutlich zugenommen. Welche Auswirkungen hat das auf das Geschäft von BNP Paribas in der Schweiz?

Geopolitische Entwicklungen erhöhen die Unsicherheit, aber wir sehen derzeit keine direkten negativen Auswirkungen auf unser Geschäft in der Schweiz. Entscheidend ist, verschiedene Szenarien zu berücksichtigen, ohne überzureagieren. Die Bandbreite möglicher Entwicklungen ist gross – von einer Stabilisierung bis hin zu anhaltenden Konflikten mit steigenden Energiepreisen und Rezessionsrisiken. Entsprechend agieren wir mit vorsichtigem Optimismus.

Wie reagieren Ihre Kunden auf dieses Umfeld?

Wir beobachten klar eine abwartende Haltung. Viele Kunden tun sich derzeit schwer, Risiken präzise zu quantifizieren. Wo möglich, unterstützen wir unsere Unternehmens- und institutionellen Kunden dabei, Risiken abzusichern – sei es im Zins- oder Rohstoffbereich.

«Wir sehen Zuflüsse im Wealth Management aus dem Nahen Osten – allerdings in moderatem Umfang.»

Gleichzeitig bleiben im Wealth Management bestimmte Anlageklassen gefragt. Schweizer Aktien profitieren insbesondere von ihrem Ruf als stabile und defensive Investments. Zudem beobachten wir selektive Zuflüsse, etwa aus dem Nahen Osten – allerdings in moderatem Umfang.

Wie beurteilen Sie aktuell den Finanzplatz Schweiz?

Die Phase der Disruption ist vorbei, der Schweizer Markt hat sich stabilisiert und ein «neues Normal» gefunden. Wettbewerb und Kundenbewegungen gehören zur normalen Marktdynamik. Internationale Institute tragen zur Qualität und Innovationskraft des Finanzplatzes bei. Mehr Wettbewerb führt letztlich zu besseren Lösungen und Dienstleistungen für die Kunden. Der Umstand, dass die Schweizerische Bankiervereinigung rund 263 Mitglieder zählt, unterstreicht die Robustheit des Finanzplatzes.

Ein zentrales Thema für BNP Paribas ist die Integration von AXA Investment Managers. Wo stehen Sie aktuell?

Auf Gruppenebene wurde AXA Investment Managers per 31. Dezember 2025 mit BNP Paribas Asset Management fusioniert. Lokal hat AXA Investment Managers Schweiz am 1. Mai 2026 den Namen BNP Paribas Asset Management übernommen. Global verwalten wir damit über 1,6 Billionen Euro an Vermögen (Stand Anfang 2026; Anm. d. Red.).

Für die Schweiz ist dies besonders relevant, da das Asset Management durch diese Akquisition zur vierten Geschäftssäule wird.

Welche konkreten Vorteile bringt das für das Schweiz-Geschäft?

Es eröffnen sich zahlreiche Chancen. AXA Investment Managers ist ein Gamechanger für uns. Für mich ist das ein grosser Schritt. Man arbeitet hart – und manchmal hat man auch Glück. Das ist unser Glücksfall, ein Geschenk unserer Muttergesellschaft.

Die Kombination bringt zusätzliche Expertise, insbesondere im Bereich Real Assets. In der Schweiz verwalten wir über 20 Milliarden Franken im Immobilienbereich. Gleichzeitig ist unsere lokale Struktur entscheidend: Mit einer Schweizer Managementgesellschaft können wir ein nahezu unbegrenztes und gleichzeitig massgeschneidertes Angebot bereitstellen – für institutionelle Investoren, Corporate Treasurers und Wealth-Management-Kunden. Insbesondere wollen wir unser Angebot für Schweizer Pensionskassen ausbauen.

Heute verwalten wir rund 75 Milliarden Franken für Schweizer Kunden, davon über 50 Milliarden lokal. Dieses Geschäft wollen wir weiter ausbauen.

BNP Paribas baut auch neue Aktivitäten im Corporate und Investment Banking auf, etwa im Bereich Aktienrückkäufe. Was steckt dahinter?

Wir reagieren direkt auf Kundenbedürfnisse. Der Markt für Aktienrückkäufe in der Schweiz weist mit der sogenannten zweiten Handelslinie eine Besonderheit auf und wurde lange von wenigen Banken dominiert.

«Wir begrüssen Wettbewerb ausdrücklich. Mehr Anbieter verbessern die Marktqualität.»

Dank unserer Infrastruktur und operativen Expertise konnten wir erfolgreich in diesen Markt eintreten und stehen kurz davor, zwei Mandate mit einem Volumen von jeweils über 1 Milliarde Franken umzusetzen. Wir sind stolz darauf, Schweizer Unternehmen diesen Service anbieten zu können.

Wie beurteilen Sie den zunehmenden Wettbewerb in der Schweiz durch internationale Banken, insbesondere aus den USA?

Wir begrüssen Wettbewerb ausdrücklich. Mehr Anbieter erhöhen die Marktqualität und Effizienz – etwa bei der Preisbildung – und treiben Innovation voran. Für uns ist entscheidend, relevant zu bleiben: durch Kundennähe, schnelle Umsetzung und massgeschneiderte Lösungen.

Welche Rolle spielen Technologie und KI in Ihrer Strategie?

Banking ist heute untrennbar mit Technologie verbunden und ein permanenter Fokus auf Managementebene. Entwicklungen in den Bereichen KI und Cybersecurity erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit. Die Gruppe war ein früher Investor in Mistral und setzt deren Large Language Models in verschiedenen Geschäftsbereichen ein.

«Internationale Wealth-Management-Kunden zeigen wieder verstärkt Interesse an der Schweiz – auch als Alternative zu Dubai.»

Das ist das «neue Normal»: Wir müssen uns kontinuierlich anpassen, innovativ bleiben und Risiken kontrollieren.

Wie positionieren Sie sich in einem zunehmend volatilen Marktumfeld?

Unsere Stärke liegt in einem diversifizierten Geschäftsmodell. Unterschiedliche Geschäftsbereiche reagieren unterschiedlich auf Marktbewegungen – einige profitieren sogar von höherer Volatilität. Zudem bleibt die Schweiz ein zentraler Stabilitätsanker. So sehen wir, dass internationale Wealth-Management-Kunden wieder verstärkt Interesse an der Schweiz zeigen – teilweise als Alternative zu anderen Finanzplätzen wie Dubai.

Der Franken bleibt für viele internationale Unternehmen und Finanzinstitute eine bevorzugte Emissionswährung. Wir führen mittlerweile regelmässig mehrere Frankenanleihen pro Tag.

Was sind Ihre nächsten strategischen Prioritäten in der Schweiz?

Kurz gesagt: weiteres Wachstum und Ausbau – über alle vier Geschäftssäulen hinweg: Corporate and Institutional Banking (CIB), Wealth Management, Asset Management und Arval. Insgesamt beschäftigen wir rund 1’200 Mitarbeitende an sechs Standorten.

Anfang Juli werden wir unseren Wachstumsplan 2026–2030 für die Schweiz vorstellen. Wir wollen insbesondere das Asset Management mit lokal verankerten Lösungen weiter ausbauen und Schweizer Pensionskassen bedienen. Gleichzeitig treiben wir Innovation im Corporate und Investment Banking voran und wollen unser inländisches Wealth-Management-Geschäft – auch mit Single Family Offices – weiter stärken. Parallel investieren wir in Technologie, um unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Im Zentrum steht dabei stets der Kunde – und unsere Fähigkeit, schnell auf neue und sich verändernde Bedürfnisse zu reagieren. Wir sind die Bank für eine sich wandelnde Welt.


Enna Pariset ist CEO und Head of Territory der BNP Paribas Gruppe in der Schweiz. Sie verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Finanzindustrie in den USA, Grossbritannien, Frankreich und der Schweiz. Seit 22 Jahren ist sie für BNP Paribas tätig, in führenden Funktionen in den Bereichen M&A, Rohstoffe sowie Investment Banking. Zuvor war sie unter anderem bei der Weltbank und J. P. Morgan tätig.