Ausschüttungen und KI setzen General Partner unter Druck

Private-Markets-Manager müssen technologisch aufholen. Das ist eines der Ergebnisse des «MSCI General Partner Survey 2026». Beim Datenmanagement und beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) haben viele Vermögensverwalter noch erheblichen Nachholbedarf. Zudem verlangen Investoren deutlich schnellere Kapitalrückflüsse.

Zwei Ergebnisse stechen dabei besonders heraus: 67 Prozent der General Partner sehen Ausschüttungen an Investoren inzwischen als wichtigste strategische Priorität, während 48 Prozent Daten, Technologie und KI als grösste organisatorische Schwäche ihres Unternehmens bezeichnen. Lediglich 36 Prozent fühlen sich ausreichend auf die technologischen Herausforderungen vorbereitet.

Basis der Studie ist eine Umfrage unter 130 Private-Markets-Managern aus zwölf Ländern.

Investoren verlangen Cash statt hoher Bewertungen

Nach mehreren Jahren mit schwierigen Exit-Märkten rücken tatsächliche Kapitalrückflüsse wieder in den Fokus. 67 Prozent der befragten General Partner geben an, dass Ausschüttungen heute ihre höchste strategische Priorität darstellen.

Auch bei der Erfolgsmessung verschieben sich die Prioritäten. Neben der Internal Rate of Return (IRR) betrachten 38 Prozent der Befragten Ausschüttungen inzwischen als den wichtigsten Leistungsindikator aus Sicht der Investoren. Damit liegen sie deutlich vor dem Multiple on Invested Capital (19 Prozent) und dem Total Value to Paid-In Capital (14 Prozent).

Der wirtschaftliche Druck bleibt den Ergebnissen zufolge hoch. 51 Prozent der Teilnehmer nennen Fundraising als grösste Herausforderung, 44 Prozent sehen Exits und Liquiditätslösungen als zentrale Hürde.

Für institutionelle Investoren, Pensionskassen, Privatbanken und Vermögensverwalter in der Schweiz würden diese Ergebnisse einen grundlegenden Wandel verdeutlichen, schreiben die Autoren weiter. Entscheidend seien nicht mehr allein steigende Bewertungen, sondern die Fähigkeit der Fondsmanager, Kapital zeitnah an ihre Investoren zurückzuführen.

KI entwickelt sich schneller als die Infrastruktur

Während KI zunehmend Einzug in die Private Markets hält, bleibe die technologische Basis vieler Unternehmen unzureichend. Beim Einsatz von KI hätten 84 Prozent der befragten Unternehmen nach eigenem Bekunden die Experimentierphase bereits verlassen. 35 Prozent führen derzeit Pilotprojekte durch, und 18 Prozent betrachten KI bereits als strategischen Werttreiber.

Dem stehen jedoch deutliche Defizite gegenüber. 42 Prozent arbeiten mit lediglich teilweise integrierten Systemen, ebenso viele sind weiterhin stark auf manuelle Prozesse angewiesen. Nur 12 Prozent verfügen über eine zentrale Datenarchitektur, und weniger als jedes fünfte Unternehmen erreicht einen hohen Automatisierungsgrad.

Für den Schweizer Finanzplatz, dessen Wettbewerbsfähigkeit wesentlich auf Datenqualität, Effizienz und regulatorischer Verlässlichkeit beruht, würden moderne Datenplattformen und integrierte Systeme damit weiter an Bedeutung gewinnen.

Schwerpunkt der Investitionen beim Datenmanagement

Die Branche reagiert mit steigenden Investitionen. Künftig sollen 49 Prozent der zusätzlichen Technologieausgaben in Datenmanagement, operative Infrastruktur und digitale Plattformen fliessen – mehr als in jeden anderen Unternehmensbereich.

Dennoch betrachten 48 Prozent der Befragten Daten, Technologie und KI weiterhin als ihre grösste organisatorische Schwäche.

Risiken wachsen schneller als die Vorbereitung

Für die kommenden zwei Jahre erwarten die General Partner vor allem makroökonomische Risiken (55 Prozent), geopolitische Spannungen (54 Prozent) sowie Risiken rund um KI und neue Technologien (52 Prozent).

Gleichzeitig fühlen sich lediglich 36 Prozent ausreichend auf technologische Risiken vorbereitet, während 39 Prozent ihre Organisation für geopolitische Risiken gut gerüstet sehen.

Besonders kritisch fällt die Einschätzung in Europa aus: Nur 18 Prozent der europäischen Teilnehmer halten sich für ausreichend auf KI-Risiken vorbereitet.

Für international tätige Schweizer Vermögensverwalter würden diese Zahlen die wachsende Bedeutung einer robusten Daten-Governance unterstreichen sowie eines professionellen Technologie- und Risikomanagements.

Kritische Prozesse bleiben fehleranfällig

Ausgerechnet die wichtigsten Geschäftsprozesse gelten zugleich als besonders fehleranfällig. 62 Prozent der Befragten bezeichnen die Transaktionsabwicklung als geschäftskritisch, gleichzeitig sehen 33 Prozent dort das höchste Fehlerrisiko.

Auch die Bewertung von Portfolios wird von 33 Prozent als besonders risikobehaftet eingestuft. Hinzu kommt, dass zahlreiche Due-Diligence-Prozesse weiterhin fragmentiert und wenig automatisiert sind.

Neue Entwicklungsphase für Private Markets

Nach Einschätzung von Luke Flemmer, Global Head of Private Assets bei MSCI, tritt die Private-Markets-Branche in eine neue Entwicklungsphase ein.

Künftige Wettbewerbsfähigkeit werde zunehmend von der Qualität der Daten, leistungsfähigen digitalen Infrastrukturen und dem produktiven Einsatz von KI bestimmt.