Harbourvest bereut den Sprung in die Schweiz nicht

Im Herbst 2025 schien der Himmel für die Private Markets – abgesehen von der etwas verstopften Exit-Pipeline, also dem Umstand, dass der Ausstieg bei Private Equity über einen Börsengang schwierig war – ziemlich ungetrübt zu sein. Wenn der Bereich für mediale Schlagzeilen sorgte, war es wegen der starken Wachstumsraten.

Das hat sich in der Zwischenzeit bekanntlich gründlich geändert.

Eintrübung an den Private Markets

Erstens wurden im Frühling einige Namen von Unternehmen bekannt, die ihre über Private Credit finanzierten Darlehen nicht mehr bedienen konnten, was J.P. Morgans Chef Jamie Dimon zur mittlerweile berühmt-berüchtigten «Kakerlaken-Warnung» inspirierte.

Zweitens kamen Bedenken auf, dass viele Geschäftsmodelle der in Privatmarktanlagen stark vertretenen IT-Branche durch künstliche Intelligenz (KI) obsolet werden könnten.

Und drittens wurden sich einige Privatanleger schmerzlich bewusst, dass die Liquidität von Evergreen-Fonds nicht unbeschränkt ist, machten doch Fondsmanager vom Gating Gebrauch, um die Abflüsse zu stoppen – mit Auswirkungen bis in die Schweiz, insbesondere auf den Aktienkurs von Partners Group.

Seit zwei Jahren in Zürich vor Ort aktiv

Harbourvest, einer der ältesten Anbieter von Private-Markets-Anlagen mit Hauptsitz in Boston, hat vor zwei Jahren ein Distributionsbüro in Zürich eröffnet. Im Oktober 2025 hatte sich finews zuletzt mit Daniel Signer getroffen, Head of Institutional Investor Relations Switzerland und seit Anfang 2026 auch Länderchef Schweiz und damit Chef des sechsköpfigen Teams. Bevor er 2024 zu Harbourvest stiess, war er für den Multi-Asset-Bereich von Vontobel und für den Pensionskassenberater Complementa tätig.

Nun wollte finews von ihm wissen, wie er an der Kundenfront die Marktturbulenzen erlebt hat. Beim Gespräch im Zürcher Büro ebenfalls dabei war Alexander Eschmann, Head Private Wealth Switzerland. Er hatte zuvor zwölf Jahre für Credit Suisse beziehungsweise  UBS im Bereich Private Markets gearbeitet.

«Wir sind sehr zufrieden mit den letzten Monaten, unser Angebot passt gut auf die hiesigen Bedürfnisse, und entsprechend konnten wir mehrere neue Mandate gewinnen», hält Signer fest. Harbourvest bedient zwar bereits seit den 1990er-Jahren Schweizer Kunden. Doch das Büro vor Ort mit heimischem Personal, das mit den Verhältnissen auf dem Schweizer Finanzplatz und der Regulierung bestens vertraut sei, habe die Position am Schweizer Markt klar gestärkt. «Die Kunden legen Wert auf eine lokale Präsenz.»

«Die Szene hat sich zu einem Ökosystem mit den Zentren Zürich, Genf und Lugano entwickelt, ist aber überschaubar geblieben.»

Auch die Konkurrenz scheint dies bemerkt zu haben. «In den letzten Jahren haben etliche Mitbewerber Niederlassungen in der Schweiz eröffnet; nicht zuletzt, weil sie die Stabilität und die Tiefe des Marktes schätzen», ergänzt Eschmann. «Die Szene hat sich zu einem Ökosystem mit den Zentren Zürich, Genf und Lugano entwickelt, ist aber mit gut zwei Dutzend Adressen gleichwohl überschaubar geblieben.»

Und wie haben sich die jüngsten Schlagzeilen auf das Geschäft ausgewirkt? Bei Harbourvest dominiert mit rund 90 Prozent immer noch die Sparte, die der Anbieter seit 40 Jahren bearbeitet: Private Equity. Dazu kommen etwas Infrastruktur und Private Credit, so dass man von den Problemen in diesem Segment kaum direkt betroffen war.

Doch die Kunden haben viele Fragen. Signer, der Pensionskassen, Versicherungen und andere institutionelle Investoren betreut, bemerkt trocken: «Man spricht zwar viel darüber, aber ich kenne keinen einzigen Kunden, der sich wegen der Headlines nicht mehr im Markt engagiert.»

«Ich kenne keinen einzigen Kunden, der sich wegen der Headlines nicht mehr im Markt engagiert.»

Eschmann, der Multi Family Offices, Banken und Vermögensverwalter abdeckt, ergänzt: «Wir erklären ihnen, wie wir unsere Portfolios aufgebaut und diversifiziert haben.» Harbourvest als langjähriger Private-Equity-Spezialist verfüge auch über die entsprechenden Daten und das Knowhow für tiefschürfende Analysen.

So wurden die Software-Unternehmen penibel auf ihr KI-Risiko hin untersucht, das umso grösser ist, je besser sich das Geschäftsmodell ersetzen lässt. Eschmann zum Ergebnis: «Die Software-Unternehmen in einem unserer Flagschiffprodukte haben vergangenes Jahr den Umsatz im Durchschnitt stärker gesteigert als die anderen Branchen; das ist ein Indikator, der darauf hindeutet, dass die Auswahl nicht so schlecht sein kann.»

Wird 2026 ein Rekordjahr für Private-Equity-Investitionen? (Grafik: Harbourvest)

Signer legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass Harbourvest keine geografischen oder sektoralen Wetten eingeht. «Wir sind zu 60 Prozent in den USA und zu 30 Prozent in Europa investiert und bilden damit den globalen Markt ab.»

Die Produkte, die den beiden Kundengruppen Institutionelle und Vermögensverwaltung verkauft werden, haben zwar denselben Inhalt, unterscheiden sich aber teilweise in der Verpackung. Bei den Institutionellen dominieren Closed-end-Fonds, bei der Vermögensverwaltung hingegen Evergreen-Gefässe.

Closed-end-Fonds versus Evergreen

«Dass wir bei unseren Evergreen-Fonds einen überdurchschnittlichen Anteil institutioneller Ankerinvestoren haben, die sich langfristig an ein Produkt binden, verleiht unseren Gefässen auch in unruhigen Zeiten Stabilität und schafft Vertrauen», konstatiert Eschmann.

Closed-end-Fonds zeichnen sich dadurch aus, dass sich Investoren mit einem fixen Betrag (der über die Zeit vom Fondsmanager abgerufen werden kann) über einen definierten Zeitraum von typischerweise zehn Jahren engagieren. Ab dem fünften Jahr können Ausschüttungen erfolgen, wobei das Timing Sache des Managers ist. Der Vorteil besteht darin, dass bei einer solchen Struktur die Hektik und die Zyklen des Marktes kaum eine Rolle spielen und der Investor einen festen Betrag (in der Regel werden 90 Prozent der zugesagten Mittel abgerufen) längerfristig investiert, ähnlich wie bei Obligationen, wobei dort das Risiko natürlich in der Regel deutlich kleiner ist.

Börsengänge machen Exit-Pipeline durchlässiger

Bei Evergreen-Fonds kann der Anleger hingegen jederzeit ein- oder aussteigen (sofern der Manager kein Gating verhängt), es gibt eine gewisse Liquidität und Bewertungen. Anders als bei Closed-end-Fonds muss sich der Investor auch nicht mit dem Management von Cashflows herumschlagen, was Private-Wealth-Kunden entgegenkommt, weil es operativ effizienter ist.

In den letzten Monaten gab es indes aus Sicht der Private-Equity-Branche auch erfreuliche Entwicklungen. Die eingangs erwähnte klassische Exit-Pipeline ist durchlässiger geworden, hat doch v.a. in den USA die Zahl der Börsengänge und das damit verbundene öffentlich platzierte Volumen markant zugenommen. «Das ist eindeutig positiv, weil Initial Public Offerings IPO ein wichtiger Kanal für Exits sind. Wenn sich die Entwicklung bis Ende Jahr fortsetzt, wird 2026 ein ausgezeichnetes IPO-Jahr werden», bestätigt Signer.

Global Exits Harbourvest

Machen die IPO die Exit-Pipeline für Private Equity wieder durchlässiger? (Grafik: Harbourvest)

Dass die Börsengänge im Gegenzug die Attraktivität von nichtkotierten Aktien schmälern könnten, hält er für wenig plausibel. Bei den meisten IPO gelange nur ein Bruchteil der Aktien ins Publikum, das Universum der nichtgelisteten Unternehmen übertreffe dasjenige der kotierten weltweit weiterhin um ein Vielfaches, wer in die Realwirtschaft investieren wolle, komme nicht an Private Equity vorbei.

«Wer in den gelisteten Aktienmarkt investiert, geht zudem erhebliche Klumpenrisiken ein», warnt Signer und bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass in der Schweiz die drei grossen Roche, Nestlé und Novartis und in den USA eine Handvoll von Technologiewerten (Mag 7) die Indizes und das Börsengeschehen dominieren. «Bei unseren Portfolios ist die Diversifikation viel breiter abgestützt», ist er überzeugt.

Warum der Sekundärmarkt so kräftig zugelegt hat

Als Multi-Asset-Manager ist Harbourvest zu gleichen Teilen im Primary-Bereich, als Co-Investor und in der Secondaries-Sparte tätig. Im Primärgeschäft wählt Harbourvest Fonds aus und investiert darin direkt, bei Co-Investments hat ein anderes (meist grosses) Private-Equity-Haus den Lead, und Harbourvest fungiert meist als Co-Investment Lead. Auf dem Sekundärmarkt schliesslich wechseln Anteile von Closed-end-Funds (die Investoren z.B. aufgrund eines Rebalancing veräussern wollen) die Hand.

Das Secondaries-Transaktionsvolumen ist insgesamt stark gewachsen. 2016 waren es 37 Milliarden, 2025 bereits 240 Milliarden Dollar. Dieses Jahr zeichnet sich erneut ein Rekordwert ab, die durchlässigere IPO-Pipeline zeigt (noch) keine Bremswirkung. Der Stau bei den Börsengängen gilt als ein Grund, weshalb der Sekundärmarkt in den vergangenen Jahren so kräftig zugelegt hat.

Signer nutzt die Gelegenheit, nochmals auf die breite Diversifikation hinzuweisen, die Privatmarktanlagen ermöglichen. «Unser Secondaries-Portfolio setzt sich aus 3'000 bis 4'000 Unternehmen zusammen.»