Die älteste Sozialversicherung wird 125

Seit 2005 führt die Suva die Militärversicherung im Auftrag des Bundes. Die jüngsten Statistiken zeigen laut einer Mitteilung, dass die Fälle gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent zugenommen haben. Dabei überwiegen Krankheiten nach wie vor sehr deutlich und machen 81 Prozent aller Fälle aus, 19 Prozent sind Unfälle. 

Insgesamt zahlte die Militärversicherung vergangenes Jahr 177 Millionen Franken an Versicherungsleistungen. Rund die Hälfte davon waren Heilkosten (86,7 Millionen Franken),  37 Prozent oder 66,4 Millionen Franken entfielen auf Rentenzahlungen und 14 Prozent auf Taggelder. Auffallend sind vorab die Heilkosten, die innert fünf Jahren um über 20 Prozent anwuchsen.

Bei der Militärversicherung sind alle Personen versichert, die Militär-, Zivilschutz- und Zivildienst sowie Einsätze für humanitäre Hilfe und friedenserhaltende Aktionen des Bundes leisten. Ebenso gehören beruflich und freiwillig Versicherte zum Versichertenbestand (aktive und pensionierte Berufsmilitärs, Zeitmilitär und Zivilschutzinstruktoren des Bundes). 

51 Jahre Vorlauf

Die Geschichte der Militärversicherung ist eng mit der Entwicklung des Sozialstaates und der Armee verknüpft. Allerdings dauerte es schon damals lange, bis die Idee konkret umgesetzt wurde. 

Die Fürsorge für geschädigte Wehrmänner wurde erstmals im Gesetz über die Militärorganisation der schweizerischen Eidgenossenschaft vom 8. Mai 1850 thematisiert: «Die Militärs, welche im eidgenössischen Dienste verwundet oder verstümmelt werden und die Wittwen und Waisen oder andere bedürftige Hinterlassene von Gefallenen erhalten, je nach ihrem Vermögen, eine angemessene Entschädigung oder Unterstützung.»

Dann dauerte es genau 50 Jahre, bis zu einer Volksabstimmung. Der Versuch der Einführung einer allgemeinen Kranken-und Unfallversicherung, die sich nicht nur auf Industriearbeiter, sondern auch auf die Soldaten erstrecken sollte, scheiterte allerdings vor der Bevölkerung. 

Der Bund zahlt

Darauf trennten die Bundesbehörden die unbestrittene Militärversicherung vom kontrovers diskutierten Rest der Vorlage. Schon 1901 wurde das ‹Bundesgesetz betreffend Versicherung der Militärpersonen gegen Krankheit und Unfall› verabschiedet und 1902 in Kraft gesetzt. Dies war die Geburtsstunde der ersten Sozialversicherung in der Schweiz.»

In der Schweizer Sozialversicherungslandschaft nimmt die Militärversicherung eine Sonderstellung ein. Sie ist eine Haftpflichtversicherung des Bundes und basiert nicht auf dem üblichen Versicherungsprinzip «Leistung gegen Prämienzahlung». Stattdessen haftet der Bund für Schäden, die im Dienst entstehen, sei es durch Krankheit oder Unfall. Für die Versicherten bedeutet das: keine Franchise und kein Selbstbehalt. 

Bis 2006 zahlte der Bund sämtliche Krankheits- und Unfallkosten für seine beruflich Versicherten, seither müssen sie «eine angemessene Prämie» zur Deckung der Krankheitskosten bezahlen. Im Verlauf der Jahre wechselten die Begünstigten der Militärversicherung verschiedentlich, so waren zwischen 1972 und 1993 auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an J+S Kursen versichert. Seit genau 30 Jahren werden auch Zivildienstleistende bei Bedarf unterstützt.

Bis zu 6 Prozent aller Einnahmen

Zum Jubiläum blickt die Suva zurück und vergleicht die Versicherungsleistungen mit den gesamten Einnahmen des Bundes. Während der beiden Weltkriege zahlte die Militärversicherung jeweils zwischen vier bis sechs Prozent der Bundeseinnahmen. Vor allem auf Grund der immer grösser werdenden bundesstaatlichen Aufgaben nahm das relative Gewicht der Versicherungsleistungen kontinuierlich ab. Aktuell liegen sie bei rund 0,25 Prozent der Einnahmen beim Bund.

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Grafik: Militärversicherung

Vom Feldarzt zur Suva

Interessant ist auch die «Zuteilung» der ältesten Sozialversicherung in der Schweiz. Bis 1933 war die Militärversicherung dem Oberfeldarzt unterstellt, danach direkt dem Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD). Dort blieb sie bis zur Eingliederung in die Eidgenössische Militärverwaltung im Februar 1968. Zehn Jahre später wurde die Militärversicherung ins Eidgenössische Departement des Innern (EDI) verschoben und zu einem eigenen Bundesamt aufgewertet.

Eine weitere Wende erfolgte im Juli 2005. Seither führt die Suva die Militärversicherung im Auftrag des Bundes und beschäftigt dafür gut 100 Leute.