LeoVest wächst in zweieinhalb Jahren auf 2 Milliarden Franken
Seit April residiert LeoVest in Zürich-Enge im ehemaligen Gebäude der 1880 gegründeten Bank Gutenberg. Der traditionsreiche Standort steht in einem gewissen Kontrast zur noch jungen Geschichte des unabhängigen Vermögensverwalters.
LeoVest beschäftigt heute 28 Personen, darunter 20 Relationship Manager. Die verwalteten Vermögen sind seit der Gründung Ende 2023 von rund 50 Millionen auf 2 Milliarden Franken gestiegen.
Hinter LeoVest stehen mittlerweile elf Partner, die das Unternehmen vollständig besitzen. Zu den Gründern gehören Geschäftsführer Stephan Matti, Chief Compliance Officer Pascal Schmohl und Chief Operating Officer Pascal Bucher.
Der Wunsch nach etwas Eigenem
Die Entstehungsgeschichte von LeoVest ist eng mit der früheren Tätigkeit von Mattis bei der UBS verbunden. «Ich war bei der UBS für das Geschäft mit Finanzintermediären in der Schweiz verantwortlich und verspürte den Wunsch nach einem Wechsel, etwas Eigenes aufzubauen», sagt er im Gespräch mit finews.
Aus der ursprünglichen Idee entwickelte sich rasch ein konkretes Geschäftsmodell. Eine Gruppe mehrerer Vermögensverwalter trafen auf Matti und fanden in ihm einen Gleichgesinnten, mit denen sie zusammen das Unternehmen aufbauten. Mittlerweile sind elf Partner an LeoVest beteiligt.
«Der Anfang war kapitalintensiv. Die Partnerschaft hatte hierfür sämtliche nötigen Mittel selbst gestemmt».
Das Wachstum verlief dabei schneller als ursprünglich erwartet. Bereits im dritten Quartal des ersten Geschäftsjahres erreichte LeoVest den Breakeven.
«Der Anfang war kapitalintensiv. Die Partnerschaft hatte hierfür sämtliche nötigen Mittel selbst gestemmt», sagt Matti.
«In neuen Gewässern angekommen»
Heute sieht sich das Unternehmen in einer neuen Entwicklungsphase. «Zweieinhalb Jahre nach der Gründung kann ich sagen: Wir sind in neuen Gewässern angekommen», hält Bucher fest.
Das Marktumfeld sei vielversprechend, zudem profitiere LeoVest von einem starken Netzwerk. Die Kunden stammen vor allem aus der Schweiz, Grossbritannien und weiteren europäischen Märkten. «Der Fokus liegt auf diesen Kernmärkten», sagt Schmohl.
Fokus auf begüterten Privatkunden
Im Zentrum stehen vermögende und sehr vermögende Privatkunden, daneben spielen institutionelle Kunden eine weniger bedeutende, aber doch wichtige Rolle.
Das Wachstum der vergangenen Jahre sei dabei nicht durch eine aggressive Risikostrategie erkauft worden, betonen die Gründer. «Wir haben kein grosses Wachstum wegen hoher Risiken erzielt», unterstreicht Matti.
Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell
Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung ist nach Einschätzung der Gründer das Partnerschaftsmodell. Die Vermögensverwalter erhalten keinen klassischen Lohn, sondern sind vollumfänglich variabel vergütet. Gleichzeitig positioniert sich LeoVest nicht als klassische Plattform, sondern als Unternehmen mit geteilten Werten, mit State-of-the-art-Infrastruktur, fortschrittlicher Technologie und engagierten Mitarbeitenden, die zusammen für ihre Kunden Mehrwert schaffen wollen.
«Unser Erfolgsrezept ist wohl das partnerschaftliche System: Wir fällen Entscheide gemeinsam, es gibt kein ‹böses Management›.»
Damit versucht das Unternehmen, unternehmerische Freiheit, gemeinsame Kultur mit den Skalenvorteilen einer modernen Infrastruktur zu verbinden.
«Unser Erfolgsrezept ist wohl das partnerschaftliche System: Wir fällen Entscheide gemeinsam, es gibt kein «böses Management», sagt Matti lachend.
Das Modell spiegelt sich auch in der Altersstruktur wider. Die Partner sind zwischen 37 und 65 Jahre alt. LeoVest setzt damit bewusst auf erfahrene Kundenberater, die ihre bestehenden Netzwerke und ihre unternehmerische Erfahrung in die Gesellschaft einbringen können.
Profiteur des Strukturwandels
Die Gründer sehen ihr Modell auch als Antwort auf den tiefgreifenden Wandel im Markt der unabhängigen Vermögensverwalter.
Regulatorische Anforderungen, steigende Technologieinvestitionen und ungelöste Nachfolgefragen erhöhen den Druck auf alle Anbieter. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen einer neuen Generation von Vermögensverwaltern.
Junge wollen Mitbestimmung
«Heute hat kein junger Mitarbeiter mehr Lust auf einen patriarchalischen Führungsstil. Sie wollen Mitbestimmung», sagt Bucher.
Genau hier will LeoVest ansetzen. Das Unternehmen bietet Relationship Managern die Möglichkeit, unternehmerisch tätig zu sein, ohne eine eigene regulatorische und technologische Infrastruktur aufbauen zu müssen.
Technologie als Voraussetzung für Wachstum
Entsprechend stark hat LeoVest seit der Gründung in Technologie investiert. Die Infrastruktur ist vollständig cloudbasiert. Dies soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Voraussetzungen schaffen, um weiteres Wachstum ohne einen proportionalen Ausbau der Kostenbasis bewältigen zu können.
Für unabhängige Vermögensverwalter wird dieser Skaleneffekt zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Denn mit steigenden regulatorischen Anforderungen und höheren Investitionen in Technologie, Compliance und Cybersecurity wird es für kleinere Anbieter schwieriger, profitabel zu wachsen.
LeoVest will von dieser Entwicklung profitieren – sowohl durch die Gewinnung weiterer Relationship Manager als auch durch mögliche Konsolidierungsschritte im Markt.
Weitere Expansion geplant
Geografisch hat das Unternehmen ebenfalls Expansionspläne. Neben dem Hauptsitz in Zürich verfügt LeoVest über eine Niederlassung in Genf. Eine weitere Präsenz in der Zentralschweiz wird geprüft.
Dass der eingeschlagene Weg auch ausserhalb des Unternehmens wahrgenommen wird, zeigen jüngste Auszeichnungen. WealthBriefing zeichnete LeoVest sowohl als «Best Overall External Asset Manager Switzerland» als auch für die Betreuung von Kunden aus Grossbritannien aus.
Freude und Spass bei der Arbeit
Für die Gründer steht nach der rasanten Aufbauphase nun die nächste Entwicklungsstufe an. LeoVest will weiterwachsen, dabei aber am bisherigen Modell festhalten: unternehmerische Freiheit für die Kundenberater, gemeinsame Infrastruktur und partnerschaftliche Entscheidungen und Freude und Spass bei der Arbeit.
Nach zweieinhalb Jahren und einem Anstieg der verwalteten Vermögen auf 2 Milliarden Franken dürfte die entscheidende Frage deshalb weniger sein, ob das Modell funktioniert – sondern wie weit es sich skalieren lässt.















