Wie weiter im Hause Vontobel?

Die Bank Vontobel wollte in Deutschland mit der angedachten Übernahme eines Asset Managers einen Quantensprung machen. Nun kam ihr ein französischer Konkurrent zuvor. Was jetzt?

Gerade mal zwei Wochen ist es her, seit finews.ch exklusiv über die geheimen Verhandlungen zwischen der Zürcher Bank Vontobel und dem Düsseldorfer Vermögensverwalter Meriten Investment Management (Meriten) berichtet hatte.

Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen des amerikanischen Asset Managers BNY Mellon. Die knapp 30 Milliarden Euro an Kundendepots von Meriten hätten tatsächlich gut zur Asset-Management-Sparte von Vontobel gepasst. Denn damit hätte das Schweizer Institut nicht nur einen Quantensprung vollziehen können, sondern gleich auch noch die Abhängigkeit von seinem Star-Fondsmanager Rajiv Jain in New York etwas reduzieren können.

Vor der Nase weggeschnappt

Doch daraus wird vorläufig nichts. Wie am Dienstag überraschend bekannt wurde, schnappte die französische Finanzgesellschaft Oddo Asset Management den Schweizern das begehrte Unternehmen am Rhein buchstäblich vor der Nase weg. Wie Vontobel-intern zu vernehmen war, wurden selbst die obersten Chargen der Bank nur ganz kurzfristig über den zustande gekommenen Deal informiert.

Vontobel blieb gestern Dienstag nichts anderes übrig, als seine Übernahme-Ambitionen in Sachen Meriten unverzüglich zu vergessen, was die Bank in einem dürren Statement denn auch zum Ausdruck brachte. Doch wie geht es nun weiter mit der Zürcher Traditionsbank, die seit rund drei Jahren potenzielle Übernahmen in Aussicht stellt?

1. Private Banker dürfen aufatmen

Nicht ganz unglücklich über den geplatzten Deal, der Vontobel-intern unter dem Arbeitstitel «Songbird» (dt. Singvogel) lief, dürften die Private Banker im Hause sein. Denn mit Meriten wäre innerhalb der Bank Vontobel so etwas wie ein Asset-Management-Monolith mit weit über 100 Milliarden Franken an Kundengeldern entstanden.

Der Private-Banking-Abteilung von Georg Schubiger hätte damit vollends die Marginalisierung gedroht – zumal Vontobel dann vermutlich das Geld für weitere Zukäufe in der Vermögensverwaltung für vermögende Privatpersonen gefehlt hätte.

2. Ein «Singvogel» für Georg Schubiger?

Mit dem Aus in der Mission Meriten haben sich die Perspektiven für Georg Schubigers Mannen wieder aufgehellt. Denn wie hiess es doch in der knappen Medienmitteilung vom Dienstag: «Die für das Private Banking und das Asset Management definierten Akquisitionskriterien bleiben unverändert.»

Wie man aus dem Innern Vontobels weiter hören kann, ist man in Sachen Private Banking vor allem an einer Übernahme in der Schweiz interessiert; zusätzliche Buchungsplattformen (neben derjenigen in Deutschland) zu eröffnen, sei nicht Absicht des Hauses. Es stellt sich allerdings die Frage, welche Privatbank denn zu Vontobel passen würde; in der jüngeren Vergangenheit überliess die Bank ein Übernahmeziel nach dem anderen der Konkurrenz (siehe weiter unten). Dennoch dürfte Georg Schubiger nun die Gunst der Stunde nutzen wollen, einen neuen «Singvogel» für sich in den Käfig zu kriegen.

3. Ein Rückschlag für die «deutsche Achse»

Der Übernahmeplan für Meriten war tatsächlich eine Angelegenheit der deutschen Achse im Hause Vontobel, also von Präsident Herbert J. Scheidt und Asset-Management-Leiter Axel Schwarzer; beide kennen sich bereits seit vielen Jahren, nicht zuletzt aufgrund ihrer gemeinsamen Tätigkeit für die Deutsche Bank.

Mit dem Düsseldorfer Institut hätte Schwarzer seine Sparte definitiv zur wichtigsten Abteilung im Hause erheben können; offenbar war er auch gewillt, die sicherlich nicht einfache Integration von Meriten in die Bank Vontobel durchzupauken, was allein schon angesichts der nicht sonderlich flexiblen Arbeitnehmerrechte in Deutschland nie und nimmer ein Sonntagsspaziergang gewesen wäre.

So wie nun die französische Firma Oddo völlig überraschend zum Handkuss kam, legt den Schluss nahe, bei Vontobel habe man sich möglicherweise etwa allzu sicher gefühlt. Mit der Konsequenz, dass die «deutsche Achse» mit ihren Deutschland-Plänen vorerst etwas ausgebremst worden ist.

4. An der kurzen Leine der Eigner

Während sich Eigner-Clans wie die Familie von Edgar de Picciotto von der Genfer Union Bancaire Privée höchstpersönlich mit verkaufswilligen Bankmanagern an den Tisch setzen, behält die Familie Vontobel eher im Hintergrund die Hand auf der «Kriegskasse». Und weil die Vontobel-Besitzer aus naheliegenden Gründen ihren Anteil an der Bank nicht verwässert sehen wollen, muss Vontobel seine Zukäufe stets aus dem «harten» – und deshalb auch begrenzten – Eigenkapital bestreiten.

Konkurrenten wie Julius Bär oder EFG steht hingegen günstigeres, so genanntes nachrangiges Kapital zur Verfügung. Zudem hat der Vontobel-Verwaltungsrat entschieden, den Eignern der Bank noch mehr Mittel zuzuführen: Die Dividende aus dem Jahr 2014 soll um rund 20 Prozent auf 1.55 Franken je Titel angehoben werden.

Selbst wenn die Bank beteuert, dass dies den Spielraum für Akquisitionen nicht einschränke – das an die Eigner abgeführte Geld steht dem Management für neuerliche Deals nicht mehr zur Verfügung.

5. Politik der zaudernden Hand?

Die Bank Vontobel war in den vergangenen Jahren ganz offensichtlich nicht für grosse Würfe bekannt. Kürzlich beschrieb CEO Zeno Staub in einem Interview mit finews.ch denn auch die M&A-Politik der Bank als «Politik der ruhigen Hand». So weit so gut.

Wer indessen zu lange zuwartet und zuschaut, wie die Konkurrenz reihum den Markt leer kauft, könnte am Ende das Nachsehen haben. Man müsste dann eher von einer «Politik der zaudernden Hand» sprechen.

Kommt noch etwas hinzu: Verharrt Vontobel noch länger an der Seitenlinie, könnten im Private Banking über kurz oder lang die Kosten aus dem Ruder laufen. Zum einem, weil die Bank vorwiegend in Märkten tätig ist, die nicht zu ganz grossen Wachstumsregionen der Welt gehören, und zum andern, weil das Private Banking von Vontobel nach wie vor etwas schmalbrüstig wirkt. Das von Vontobel oft und gerne favorisierte «organische Wachstum» dürfte niemals ausreichen, um die Sparte auf Augenhöhe mit dem Asset Management zu hieven.

6. So bleibt ein Klumpenrisiko

Die Übernahme von Meriten zielte auch darauf ab, die Ertragsstruktur im Asset Management von Vontobel etwas besser zu diversifizieren. Denn nach wie vor ist es so, dass der amerikanische Star-Fondsmanager Raiv Jain in New York das grosse Geld macht. Das hat über die vergangenen Jahre zu einer doch schon etwas beunruhigenden Abhängigkeit geführt.

Meriten hätte in dieser Angelegenheit Abhilfe geschaffen. Doch bis auf weiteres bleibt dieses «Klumenrisiko». Jain wurde bislang mit – gelinde gesagt – fürstlichen Vergütungen bei guter Laune gehalten. Auch das dürfte nicht ganz nachhaltig sein.

7. Warum Asset Management trotzdem sinnvoller ist

Das Nachsehen in Sachen Meriten mag für manche Leute im Hause Vontobel eine Schlappe sein. Doch ebenso klar ist: Das Geschäft mit institutionellen Kunden ist der wichtigste Pfeiler der Bank und auch deren Wachstumsmotor. Warum also sollte das eher stagnierende Private Banking oder die relativ kleine Investmentbank für teures Geld gestärkt werden?

Die Ende März (tatsächlich) erfolgte Übernahme der Boutique Twentyfour in London zeigt klar, wohin die Reise geht, zumal es auch in der Schweiz kaum an Übernahme-Zielen im Asset Management mangeln dürfte. Der im vergangenen Dezember erfolgte Verkauf des grossen Fondshauses Swisscanto an die Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigte klar, dass auch im hiesigen Asset Management selbst Riesen unter dem Kostendruck zu wanken beginnen.

Die grundsolide Bank Vontobel könnte sich gerade in diesem Umfeld profilieren. Asset Management bietet mittlerweile bessere Perspektiven hierzulande als das klassische Private Banking. Denn: Die Verwaltung von institutionellen Vermögen gilt als das Geschäft der Zukunft, wie auch die Schweizerische Bankiervereinigung laufend betont. Die Schwarzgeld-Problematik existiert in dieser Domäne nicht, und bei der schieren Grösse der Kunden spielen Skaleneffekte automatisch mit.

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