Privatbank EFG International will bei den Buchungszentren sparen

Kundennähe ist das neue Mantra im Swiss Private Banking. Doch wie soll das gehen, wenn gleichzeitig die Kosten runter müssen? Der frischgebackene EFG-International-Chef Joachim Strähle muss es hinkriegen. Wie schafft er das?

Die Boston Consulting Group hat es anlässlich der Publikation ihres «World Wealth Reports 2015» den Schweizer Privatbanken nochmals eingebläut: Die Zeiten der passiven Kundenakquise und Pflege seien vorbei. Was zähle, sei die Nähe zum Kunden und damit verbunden ein höchst intensiver Kontakt zu ihm.

Das Problem, das sich dadurch vor allem international tätigen Banken stellt ist: Mehr Kundennähe bedingt mehr Präsenz und Niederlassungen, was sich zwangsläufig auf der Kostenseite zu Buche schlägt. Doch ein Ausgabenanstieg ist genau das, was Banken am wenigsten verkraften.

Immer noch zu viele

Sprich: Die Banken müssen eine Balance zwischen Kundennähe und Kostensenkungen finden. Genau diese Balance glaubt John Williamson (Bild unten), bis im vergangenen April CEO und inzwischen Verwaltungsrat der Schweizer Privatbank EFG International, gefunden zu haben.

Der asiatischen Wealth-Management-Plattform «Hubbis» erklärte Williamson unlängst, dass es die Anzahl Buchungszentren sei, die auf der Kostenseite einen Unterschied mache. «Wir hatten mehr als 20 Buchungszentren und haben inzwischen die Anzahl auf 13 reduziert», so der Brite mit Wohnsitz in der Schweiz. Aber das sind wahrscheinlich immer noch zu viele.»

John Williamson 500

Cost/Income-Ratio zu hoch

Man kann Williamsons Aussage auch als Aufforderung an Joachim Strähle (Bild unten) interpretieren. Dieser hat Williamsons Job Ende April übernommen, wie finews.ch berichtete. Ursprünglich war Strähle als Verwaltungsratspräsident von EFG International und Nachfolger von Jean Pierre Cuoni vorgesehen gewesen.

Doch Williamson selber soll dann die Job-Rochade vorgeschlagen haben. Nach vier Jahren als CEO sei es sinnvoll, dass ein neuer Chef die Bank durch die nächste Entwicklungsphase führe, argumentierte der vor einigen Monaten.

Williamson war es als CEO gelungen, das Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost/Income-Ratio) der Privatbank unter 80 Prozent zu senken. Doch die aktuellen 79,8 Prozent sind kein Wert, auf dem sich Strähle ausruhen darf, wie finews.ch schon früher berichtete.

Joachim Strahle 500

Unantastbar: Singapur, Hongkong und Miami

Williamson hat die Marschrichtung also vorgegeben: Die Anzahl Buchungszentren soll reduziert werden. Die Bank verliere dadurch ja nicht den direkten Kundenkontakt. «Dazu dient ja auch eine Niederlassung oder ein Representationsbüro.»

Wo dies geschehen wird, lässt Williamson allerdings offen; das dürfte Strähles Arbeit dann sein. Fest steht indessen: Nicht angetastet werden die Buchungszentren in Hongkong und in Singapur. Kundenausrichtung, Kultur, politische und regulatorische Bedingungen seien an den beiden Standorten zu unterschiedlich.

Bleiben dürfte auch Miami, wo EFG International eine Banklizenz beantragt hat. Es sei naheliegend, dass Miami das Buchungszentrum für lateinamerikanische Kunden bleibe.

Was geschieht in Europa?

Bleiben also Cayman Island und Nassau auf den Bahamas, wo Strähle eventuell ansetzen könnte. Vor allem dürfte aber in Europa eine Reorganisation erfolgen: EFG International unterhält Buchungszentren in Zürich, Genf, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, Madrid, Jersey, Guernsey sowie in London.

Ausschlaggebend für die Existenz einer Buchungsplattform sind die darauf verwalteten Vermögen sowie die Wachstumsaussichten und die dafür anfallenden IT- und Administrationskosten. Ob EFG International in allen 13 Buchungszentren die kritische Masse besitzt, sei dahingestellt. 

Blaupause «Europabank»

Klar ist, dass bei allen international tätigen Banken Überlegungen im Gang sind, wie man die Kosten, die eine eine Buchungsplattform verursacht, senken kann.

Die UBS beispielsweise entwickelt ein Projekt namens «Europabank», das eine paneuropäische Kundenplattform umfasst, die vorerst neun Standorte und sechs IT-Systeme ersetzen soll. Die UBS soll damit rund 100 Millionen Franken im Jahr sparen können.

In einem weiteren Schritt ist vorgesehen, die Plattform in Asien sowie in den USA «auszurollen», wie finews.ch schon früher berichtete. Konzept und Sparpotenzial dieses Projekts könnten somit auch für Joachim Strähle als Anhaltspunkte dienen, um EFG International auf den Weg zu tieferen Kosten zu bringen.

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