Nun hat auch das Fürstentum einen eigenen Pfandbrief

Pfandbrief aus dem Fürstentum Liechtenstein, ein neuer Begriff, an den man sich gewöhnen muss: Die beiden grössten Finanzinstitute, die Fürstenbank LGT und das «Staatsinstitut» Liechtensteinische Landesbank (LLB), haben gemeinsam das Liechtensteinische Pfandbriefinstitut (LPBI) gegründet. Damit kann der Finanzplatz Liechtenstein gemäss der Medienmitteilung vom Dienstag erstmals Pfandbriefe emittieren; Anleihen, die durch erstklassige Hypotheken auf liechtensteinische Liegenschaften besichert sind.

Mit der gemeinsamen Plattform, die allen angeschlossenen Liechtensteiner Banken für Pfandbriefemissionen offen stehen soll, werde eine Lücke im Liechtensteiner Kapitalmarkt geschlossen und die langfristige Stabilität des Finanzplatzes gestärkt.

Eigenes Pfandbriefgesetz

Rechtliche Grundlage bildet  das Pfandbriefgesetz, das der Landtag im Dezember 2024 verabschiedet hat und das im April 2025 in Kraft gesetzt worden ist. Das LPBI wird direkt von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein beaufsichtigt.

In der Schweiz ist der Pfandbrief als Instrument bereits bestens eingeführt. Gemäss dem Pfandbriefgesetz von 1931 sind die Pfandbriefzentrale Schweizer Kantonalbanken und die Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute (für alle anderen Banken, auch die LGT bzw. LLB Schweiz sind Mitglieder) zur Herausgabe des Schweizer Pfandbriefs berechtigt. Pfandbriefanleihen bilden mit Abstand das grösste Segment am Schweizer Kapitalmarkt, noch vor den Anleihen der Eidgenossenschaft.

Schweiz als Vorbild

Im Communiqué wird denn auch ausdrücklich auf die «sehr lange und erfolgreiche Tradition» des Schweizer Pfandbriefs verwiesen. Ähnlich wie hierzulande sollen damit einerseits die Banken ihre Refinanzierungsbasis erweitern können, was zur Stabilität des Immobilienmarkts beiträgt. Andererseits steht sicherheitsbewussten Investoren damit eine attraktive Anlage zur Verfügung.

Michael Bürge, CFO der LGT Group, kommentiert: «Mit dem neuen Pfandbriefinstitut schaffen wir mehr Stabilität und Refinanzierungsvielfalt für den Finanzplatz Liechtenstein. Davon profitieren auch unsere Kundinnen und Kunden – durch einen widerstandsfähigen Hypothekarmarkt und langfristige Planungssicherheit.»

LLB-CEO Christoph Reich ergänzt: «Die enge Zusammenarbeit von LGT und LLB bei diesem Projekt zeigt die Innovationskraft des Finanzplatzes Liechtenstein. Mit dem neuen Pfandbriefinstitut schaffen wir eine zukunftsweisende Infrastruktur, die den Banken zusätzliche Möglichkeiten eröffnet und die Weiterentwicklung des Kapitalmarkts nachhaltig unterstützt.»

Mit den ersten Emissionen von Liechtensteiner Pfandbriefen ist in den kommenden Monaten zu rechnen.

Bereicherung für den Frankenanleihenmarkt

Das neue Institut braucht auch Personal. Die Co-Geschäftsleitung übernehmen Georg Stöckl (LGT) als CEO und Bettina Halter (LLB) als CRO. Im Verwaltungsrat sitzen Christoph Reich (LLB, Präsident), Michael Bürge (LGT, Vize), Daniel Bose (LGT), Andreas Oehler (LLB) und Karl Laternser vom Immobilienbewerter und -berater Bewera.

Für den Schweizer Kapitalmarkt dürfte der neue Pfandbrief eine Bereicherung darstellen. Liechtensteinische Banken sind, nicht zuletzt aufgrund der gemeinsamen Landeswährung Franken, regelmässige Gäste mit normalen (vorrangigen, aber unbesicherten) Anleihen. Im Auslandsegment gibt es bereits heute eine breite Palette von internationalen Pfandbriefen bzw. Covered Bonds in Franken.