Auslandsbanken-Chef kritisiert härteren Kurs der Finma
Für den Generalsekretär des Auslandsbankenverbandes (Association of Foreign Banks in Switzerland, AFBS), Raoul Würgler, machen die im internationalen Vergleich freiheitliche Gesellschaftsstruktur und der verlässliche Rechtsrahmen die Schweiz zu einer attraktiven Destination für ausländische Kunden. Das sagt er in einem Interview mit der «NZZ». Insbesondere seit der Corona-Pandemie hätten das viele realisiert. Dabei gehe es aber vor allem um Diversifikation und nicht darum, das gesamte Vermögen hierhin zu verlagern.
Der AFBS-Chef betont, dass es jedoch Grund zur Sorge gebe. «Seit rund zwei Jahren werden sie von der Finanzmarktaufsicht zunehmend mit Vorschriften gegängelt.»
Hinter den Vermögen dieser Kunden würden oft komplexe Strukturen und Geschäftsbeziehungen stehen, die über Jahrzehnte gewachsen seien. «Die Finma verlangt nun auch bei langjährigen Beziehungen die erneute Überprüfung grundlegender Unterlagen. Das sorgt für erhebliche Irritation», sagt Würgler. «Einzelne Kunden haben deswegen ihr Geld abgezogen. Nicht, weil sie etwas zu verbergen hätten, sondern weil sie den administrativen Aufwand hier in der Schweiz nicht nachvollziehen können.»
Abstand der Überprüfungen verkürzt
Der Verbandschef beklagt etwa, dass die Finma nun Dokumente einfordern würde, die für die Eröffnung einer neuen Kundenbeziehung Standard sind. Zudem habe die Finma den zeitlichen Abstand der regelmässigen Überprüfungen «von einem Tag auf den anderen» verkürzt. «Zuvor mussten Risikokunden alle zwei Jahre geprüft werden, weniger risikoreiche Kunden alle fünf. Nun müssen Risikokunden jährlich überprüft werden, die restlichen alle zwei Jahre.»
Das würde Kunden und Mitarbeiter sehr fordern. «Die Bankmitarbeiter sind anstatt mit der Beratung fast nur noch mit Administration beschäftigt, und die Kunden beginnen, das ganze System zu hinterfragen.»
Was will die Schweiz mit ihrem Finanzplatz machen?
Aus Sicht der Auslandsbanken würde die Finma hier übertreiben. «Diese Banken sind in ihrem Heimmarkt lokal verankert und kennen das Umfeld ihrer exponierten Kunden gut. Für sie stellen solche ausländischen Kunden nicht zwingend dasselbe Risiko dar wie vielleicht für eine Schweizer Bank.»
Für Würgler ist es eine naheliegende Interpretation, dass die Aufsichtsbehörde nach der Credit-Suisse-Krise die Zügel angezogen hat. Die Auslandsbanken würden das Bedürfnis nach Sicherheit verstehen. «Dann bleibt aber die Frage, was die Schweiz eigentlich mit ihrem Finanzplatz machen will.» Für die Auslandsbanken sei zentral, dass sie weiterhin internationale Kunden in der Schweiz betreuen und damit ihr Kerngeschäft ausüben könnten.
Gefährdetes Geschäftsmodell
Zudem würden die steigenden regulatorischen Kosten die wirtschaftliche Logik für ein Engagement in der Schweiz schwächen.
«Diese fallen in Franken an, während die Muttergesellschaften von Auslandsbanken in Euro oder Dollar bilanzieren», hält Würgler fest.














