Unabhängige Vermögensverwalter: Die Branche wächst wieder

Per 30. April 2026 verfügen in der Schweiz 1'431 Vermögensverwalter über eine Finma-Bewilligung. 1'341 davon stehen unter der Aufsicht einer der vier Aufsichtsorganisationen (AO), 90 werden direkt von der Finma als Gruppengesellschaften überwacht.

Das zeigen die Branchenkennzahlen im heute publizierten Yearbook 2025 des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV).

Der VSV erklärt, weshalb zwischen 2022 und heute keine Zahlen publiziert wurden: Man habe stets auf überprüfte, repräsentative Daten Wert gelegt und daher nach den regulatorischen Änderungen und Übergangsfristen gewartet, bis eine vollständige Datenbasis vorliegt.

Trendwende bei den Neugründungen

Die jetzt verfügbaren Daten zeigen: Die vielzitierte Konsolidierungswelle ist weitgehend Theorie geblieben. Seit 2022 gab es lediglich etwa zwanzig tatsächliche Zusammenschlüsse. Das ist weit weniger, als allgemein antizipiert worden war. 

Der Rückgang der Gesamtzahl in den vergangenen Jahren erklärt sich laut VSV primär durch Pensionierungen, die in der regulatorischen Übergangsperiode nicht durch Neueintretende kompensiert wurden.

Doch nun hat sich die Tendenz umgekehrt: Die Zahl der Gründungen steigt wieder und gleicht die pensionierungsbedingten Abgänge weitgehend aus. Im Jahr 2025 wurden 61 neue Gesuche bei der Finma eingereicht.

Kleinteilig und stabil

Die Struktur der Branche ist weitgehend unverändert. Im Median beschäftigt ein unabhängiger Vermögensverwalter 3,3 Mitarbeitende (Durchschnitt: 5 Vollzeitkräfte) und betreut 68 Kunden. Das verwaltete Vermögen (AuM) beträgt im Median 140 Millionen Franken. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 103 Millionen vor fünf Jahren, was der VSV primär auf die Wertentwicklung der Portfolios zurückführt.

Erstmals ausgewiesen werden auch Beratungsmandate ohne Verwaltungsvollmacht: Sie belaufen sich auf insgesamt 80 Milliarden Franken, bei einem Median von 42 Millionen Franken pro Firma.

Das Gesamtmarktvolumen liegt laut VSV bei rund 500 Milliarden Franken. Die Finma bezifferte das verwaltete Vermögen per Ende 2024 in ihrem Jahresbericht auf 353 Milliarden Franken; diese Zahl stützt sich auf die AuM der von ihr direkt beaufsichtigten Gesellschaften.

«Ein ganzheitlicher Partner»

Das Yearbook enthält auch ein ausführliches Interview mit Jean-Pierre Zuber, der den VSV zwischen 1997 und 2017 präsidiert hatte. Er zeichnet darin ein prägnantes Bild des gewandelten Selbstverständnisses der Branche: «Der Vermögensverwalter von heute ist ein ganzheitlicher Partner und nicht mehr nur ein reiner Portfoliomanager.»

Als grösste verbleibende Herausforderung nennt Zuber die Unternehmensnachfolge: Die Branche altere, regulatorische Anforderungen hätten Firmenübernahmen stark verkompliziert, und die nächste Generation könne sich nicht immer für das klassische Modell begeistern.

Neue CEO, neues Format, Jubiläum

Das Jahrbuch erscheint erstmals in einem neuen digitalen Format. Ebenfalls neu: Vivien Jain hat im ersten Quartal 2026 die Nachfolge von Patrick Dorner als CEO angetreten.

Der VSV wurde 1986 gegründet und vertritt heute nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte aller von der Finma beaufsichtigten Vermögensverwaltungsgesellschaften in der Schweiz.

Das Jubiläum wird im Rahmen des Jahreskongresses am 30. Oktober in Zürich und am 6. November in Genf gefeiert.