Weshalb Schweizer Vermögende verstärkt nach Asien blicken


Herr von Wedel, was unterscheidet DBS von anderen Privatbanken in Asien?

Zunächst einmal sind wir die grösste Bank Singapurs und verfügen über eine sehr starke Kapitalbasis sowie eine ausgezeichnete Kreditqualität. Zudem profitieren wir von unserem Standort Singapur – einem Finanzplatz, der für politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und einen hoch angesehenen regulatorischen Rahmen steht.

Global Finance hat uns 17 Jahre in Folge als «Asia’s Safest Bank» ausgezeichnet. 2026 erhielten wir zudem von Euromoney die Auszeichnungen als «Best Private Bank» und «Safest Private Bank».

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Der Sitz der DBS in Singapur. (Bild: zVg)

DBS begleitet seit Jahrzehnten Unternehmer, Familien und Unternehmen in den wichtigsten Märkten Asiens. Wir sind fest in Asien verankert und verfügen deshalb über umfassende lokale Marktkenntnisse und langjährige Beziehungen in der gesamten Region.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist unser «One Bank»-Ansatz.

Das heisst?

Viele Private-Banking-Kunden sind Unternehmer oder Firmeninhaber, deren geschäftliche und private Ziele und Bedürfnisse eng miteinander verbunden sind.

DBS vereint Private Banking, Commercial Banking, Investment Banking und Wealth Planning auf einer einzigen Plattform. Kunden erhalten dadurch nicht nur Zugang zu Wealth-Management-Lösungen, sondern auch zu Finanzierungen, Kapitalmarktexpertise, M&A-Beratung und Spezialisten für Nachfolgeplanung.

Dies genügt nicht als Alleinstellungsmerkmal.

Im Gegensatz zu anderen Instituten haben wir frühzeitig stark in unsere digitalen Fähigkeiten investiert und uns bewusst nicht ausschliesslich mit anderen Banken verglichen. Stattdessen haben wir uns bei Themen wie Innovation, Geschwindigkeit und Organisationsstruktur an führenden Technologieunternehmen orientiert.

Diese Denkweise ermöglicht es uns, schnell auf Kundenbedürfnisse zu reagieren und Ideen in konkrete Lösungen umzusetzen.

Welche Bedeutung hat das Wealth Management für DBS?

Es ist einer der grössten Wachstumstreiber der Bank.

Das spiegelt sowohl unsere Wettbewerbsposition als auch die langfristigen Trends wider, die die Region prägen.

«Wir beobachten auch eine stetig steigende Nachfrage von Kunden ausserhalb der Region – insbesondere aus der Schweiz.»

Anders als in vielen reifen Volkswirtschaften wird die Vermögensbildung in Asien nicht allein durch steigende Finanzmärkte getrieben. Dahinter stehen strukturelle Faktoren: junge Bevölkerungen, eine wachsende Mittelschicht, expandierende Unternehmen, erfolgreiche Unternehmer und eine zunehmende Zahl vermögender Familien.

Diese Trends dürften noch viele Jahre anhalten, und DBS ist gut positioniert, um dieses Wachstum zu begleiten.

Wo sehen Sie die grössten Wachstumschancen im Geschäft mit vermögenden Kunden?

Neben zusätzlichen Wachstumschancen innerhalb Asiens beobachten wir eine stetig steigende Nachfrage von Kunden ausserhalb der Region – insbesondere aus der Schweiz und anderen europäischen Märkten.

Warum wenden sich europäische Kunden zunehmend Asien zu?

Geografische Diversifikation ist ein wichtiger Treiber, ebenso wie die Suche nach zusätzlichen Wachstumschancen.

Ultra-High-Net-Worth-Familien wollen ihre Vermögenswerte zunehmend weder in einer einzigen Region noch bei einem einzigen Finanzinstitut konzentrieren. Viele entscheiden sich dafür, einen Teil ihres Vermögens in Europa zu belassen und gleichzeitig ein Satelliten-Family-Office in Asien aufzubauen.

«Kunden wenden sich vom Single-Bank-Modell ab und verfolgen zunehmend einen Multi-Bank-Ansatz.»

Damit geht häufig auch eine Diversifikation der Bankbeziehungen einher: Kunden wenden sich vom Single-Bank-Modell ab und verfolgen zunehmend einen Multi-Bank-Ansatz.

Oft wählen sie jene Bank, die sie in ihrem Heimatmarkt für die stärkste halten, und suchen gleichzeitig nach einem führenden Bankpartner und einem attraktiven Finanzplatz in Asien.

Singapur ist aufgrund seiner Stabilität, seines Rechtssystems und seiner internationalen Reputation eine naheliegende Wahl.

Wie kann DBS Kunden dabei unterstützen, ihre Anlagen nach Asien zu diversifizieren?

Wenn sich Kunden dafür entscheiden, in Singapur eine Basis aufzubauen, ist DBS dank ihrer führenden Marktposition, ihrer finanziellen Stärke und ihrer integrierten Plattform gut positioniert.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Viele internationale Investoren sind strukturell noch immer in Asien untergewichtet.

Wer beispielsweise ein Engagement in wachstumsstarken Märkten in Südostasien anstrebt, benötigt fundierte lokale Expertise. Diese Märkte sind von Europa aus häufig nur schwer einzuschätzen und zugänglich.

Dank unserer starken Position in der Region verfügen wir in den meisten Märkten über eigene Aktivitäten in verschiedenen Geschäftsbereichen. Dadurch haben wir direkten Zugang zu zahlreichen grossen asiatischen Unternehmen sowie zu besonderen Investmentmöglichkeiten und erhalten tiefe Einblicke in regionale und lokale Marktentwicklungen.

Welche Rolle wird künstliche Intelligenz im Wealth Management spielen?

Eine sehr bedeutende – aber nicht deshalb, weil sie Menschen ersetzen wird.

Vielmehr stellen wir uns die Frage, wie KI unsere Relationship Manager und Anlageberater noch effektiver machen kann.

«KI kann Empathie nicht ersetzen.»

KI kann schnell erkennen, welche Anlageideen für einen bestimmten Kunden besonders relevant sind. Dadurch können Berater noch gezieltere Empfehlungen abgeben.

Sie kann zudem interne Prozesse effizienter gestalten und uns ermöglichen, Lösungen schneller zu den Kunden zu bringen.

Werden Kunden auch künftig menschliche Berater benötigen?

Ohne jeden Zweifel.

KI kann Daten analysieren, Prozesse beschleunigen und sogar die Entwicklung anspruchsvoller Anlagestrukturen unterstützen.

Was sie nicht ersetzen kann, ist Empathie.

Wenn Kunden Entscheidungen über Nachfolgeplanung, Trusts, Familienvermögen oder die langfristige Verwaltung bedeutender Vermögenswerte treffen, geht die Diskussion weit über Finanzdaten hinaus.

Es geht um Emotionen, Familiendynamiken, persönliche Ziele und Vertrauen.

Dafür braucht es einen menschlichen Berater, der zuhören, verstehen und die Dinge in einen grösseren Zusammenhang einordnen kann.

Könnte der menschliche Faktor dadurch sogar noch wichtiger werden?

Davon bin ich überzeugt.

Je stärker Routineprozesse automatisiert werden, desto wertvoller wird die persönliche Beratung in komplexen und emotional bedeutsamen Situationen.

Technologie sollte den Berater niemals ersetzen. Sie sollte ihm vielmehr den Freiraum verschaffen, mehr Zeit für jene Gespräche aufzuwenden, bei denen Erfahrung, Urteilsvermögen und Vertrauen den grössten Unterschied machen.


Rüdiger von Wedel ist Managing Director bei DBS Bank in Singapur.