Epstein-Skandal: Diese Affäre sorgt in Grossbritannien für rote Köpfe
Peter Mandelson zählt seit Jahrzehnten zum innersten Zirkel des Labour-Establishments Grossbritanniens. Als Weggefährte von Tony Blair war er schon «New Labour» bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Zu seinen Stationen zählten mehrere Ministerposten unter Blair und Gordon Brown, Handelskommissar in der EU, der Sitz als Peer im House of Lords und zuletzt Botschafter Grossbritanniens in den USA.
Während seiner politischen Laufbahn hat er so manche Affaire überstanden, die für andere Politiker das sichere Aus bedeutet hätten. Doch das, was nun durch die veröffentlichten E-Mails zwischen ihm und Jeffrey Epstein ans Licht gekommen ist, dürfte seine Karriere begraben –, selbst eine strafrechtliche Untersuchung wird geprüft.
Informationen aus Regierungskreisen
Die neuen Enthüllungen aus den Epstein-Akten scheinen zu belegen, dass Mandelson dem verstorbenen Sexualstraftäter eine Reihe von E-Mails mit vertraulichen Informationen aus Regierungskreisen hat zukommen lassen. Dabei ging es um geplante Massnahmen zur Bewältigung der globalen Finanzkrise, als Mandelson unter Gordon Brown Wirtschaftsminister war.
Zu den E-Mails und Dokumenten, die von höchster Stelle der britischen Regierung an Epstein weitergeleitet wurden, gehören etwa Pläne zum Verkauf von staatlichen Vermögenswerten in Höhe von 20 Milliarden Pfund, ein unmittelbar bevorstehendes Rettungspaket für den Euro am Tag vor seiner Ankündigung im Jahr 2010, oder Informationen zum bevorstehenden Rücktritt von Gordon Brown.
Eine weitere Rolle spielen die Pläne der Brown-Regierung in Bezug auf die Beschränkung von Banker-Boni. Mandelson versicherte Epstein etwa, dass er sich «nach Kräften bemüht», die Politik der Regierung in Bezug auf Banker-Boni zu ändern. «Ich bemühe mich sehr um eine Änderung, wie ich Jes gestern Abend erklärt habe. Das Finanzministerium sträubt sich, aber ich bleibe dran.»
«Milde Drohung» an den Chancelor
Zwei Tage später fragte Epstein, ob Jamie Dimon von J.P.Morgan den Finanzminister Alistair Darling anrufen solle. In seiner Antwort schrieb Mandelson, er solle dem Finanzminister «leicht drohen» (mildly threaten).
Der Wirtschaftsredakteur der BBC, Faisal Islam, sagte, er habe aus Gesprächen mit dem verstorbenen ehemaligen Finanzminister erfahren, dass Darling und Dimon – sowie andere hochrangige Banker – anschliessend miteinander telefoniert hätten, um ihn hinsichtlich der neuen Bonusbeschränkungen zu beeinflussen. Der Druck sei über die Rolle der US-Banken als Käufer von britischen Staatsanleihen aufgebaut worden sowie die Investitionspläne am Standort London.
Lord Mandelson erklärte, dass zu jener Zeit «alle britischen und internationalen Banken dieselben Argumente hinsichtlich der Auswirkungen auf die britischen Finanzdienstleistungen vorbrachten». Die Korrespondenz würde «die Ansichten des gesamten Sektors widerspiegelten, nicht die einer einzelnen Person».
Weitere Dokumente aus den Epstein-Files weisen Zahlungen von Epstein an Mandelson selbst sowie seinen früheren Lebensgefährten und heutigen Ehemann aus. Mandelson hat in einem Interview beteuert, dass er keine Erinnerung an diese Transaktionen habe.
Auch der Premier gerät in Bedrängnis
Im Dezember war Mandelson bereits von seinem Posten als Botschafter in den USA zurückgetreten. Am vergangenen Sonntag war er auch aus der Labour Party ausgetreten.
Die Affäre belastet auch Premierminister Keir Starmer. Er habe eine mangelnde Urteilsfähigkeit bewiesen, als er Mandelson als britischen Abgesandten zum damals frisch gewählten US-Präsidenten Donald Trump nach Washington schickte.
Mit dem Fall wird in Grossbritannien auch wieder einmal darüber diskutiert, warum es immer noch kaum möglich ist, die auf Lebenszeit ernannten Peers zu disziplinieren und ihnen bei schweren Verfehlungen den Sitz im Unterhaus zu entziehen.















