Stellenabbau im Finanzsektor: Goldene Zeiten bei SNB und Finma

Die vergangenen 17 Jahre kann man nur schwerlich als Blütezeit des Schweizer Finanzplatzes bezeichnen. Zahlreiche Banken sind verschwunden, Geschäftsmodelle wurden verschlankt, ganze Bereiche konsolidiert. Ohne die erfreuliche Börsenentwicklung der vergangenen Jahre wäre das Bild regelrecht prekär.

Das spiegelt sich auch in den Beschäftigtenzahlen wider. Laut der Beschäftigungsstatistik (BESTA) des Bundesamts für Statistik (Vollzeitäquivalente, saisonbereinigt per Ende Q4) sank die Zahl der Beschäftigten im Finanzsektor (Rubrik 64 der BESTA, «Erbringen von Finanzdienstleistungen») von rund 124'000 im Jahr 2009 auf zuletzt knapp 107'000 per Ende 2025. Das entspricht einem Rückgang um rund 14 Prozent.

Verdoppelung bei der Finma

Ganz anders präsentiert sich die Entwicklung bei den beiden zentralen Institutionen des Finanzsystems. Die Finma verfügte 2009 über 333 Vollzeitstellen. Per Ende 2024 waren es 634. Für 2025 ist bei linearer Fortschreibung des Trends 2019-2024 rechnerisch von rund 668 FTE auszugehen, was dann mehr als einer Verdoppelung entspräche.

Indexiert man die Personalbestände mit 2009 als Basis 100 bedeutet das: Während der Finanzplatz bei 86 Punkten liegt, erreicht die Finma 2025 einen Wert von gut 200.

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Anzahl Vollzeitstellen bei der SNB (Quelle: Jahresberichte) und Finma (Quelle: Geschäftsberichte) sowie Finanzsektor (Bundesamt für Statistik, BESTA) in den Jahren 2009, 2014, 2019 und 2024. Für das Jahr 2025 wurde bei der Finma, für die noch keine Werte vorliegen, die Entwicklung 2019-2024 linear extrapoliert. (Grafik: finews)

Auch die Personalkosten sind deutlich gestiegen. Sie erhöhten sich von rund 61 Millionen Franken im Jahr 2009 auf 126 Millionen Franken im Jahr 2024 (ihre Zahlen für 2025 gibt die Finma am 21. April bekannt). Für 2025 ist rechnerisch bei Fortschreibung des Trends mit rund 133 Millionen Franken zu rechnen. Das entspricht per 2025 einem Anstieg um rund 118 Prozent seit der Finanzkrise.

Wie viel bezahlt die UBS?

Die Löhne der Finma-Aufseher werden von den Beaufsichtigten (Banken, Vermögensverwalter, Versicherungen) bezahlt. Gemäss Finma werden diese Kosten «gemäss Verursacherprinzip» weiterverrechnet.

Was dies konkret bedeutet – welchen Anteil also beispielsweise die systemrelevanten Banken beisteuern – will die Finma aber nicht verraten. «Die Finma publiziert keine prozentuale Aufteilung nach Gruppen von Beaufsichtigten oder dort beschäftigten FTE.»

SNB wächst moderater – aber konstant

Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fällt die Entwicklung weniger spektakulär, aber ebenfalls klar expansiv aus. Der Personalbestand stieg von 635 FTE im Jahr 2009 auf 927 per Ende 2024. Für 2025 meldet die SNB auf Nachfrage von finews 941 FTE. Ihren Jahresbericht veröffentlicht die Notenbank am 17. März.

Die Personalausgaben erhöhten sich im gleichen Zeitraum von 117 auf 205 Millionen Franken. Für 2025 ist (wiederum extrapoliert von der Entwicklung 2019-2024) von rund 211 Millionen Franken auszugehen.

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Personalausgaben von Finma und SNB in den Jahren 2009, 2014, 2019 und 2024. Werte für 2025: Linear extrapoliert aus dem Trend 2019-2024. (Quelle: Jahresberichte, Grafik: finews)

Indexiert ergibt sich für die SNB ein Personalwachstum von rund 48 Prozent seit 2009, bei den Personalkosten von rund 80 Prozent.

Finma: Neue Aufgaben, neue Kompetenzen

Zur Begründung der personellen Expansion verweist die Finma auf Anfrage von finews auf die strukturelle Neuordnung der Finanzmarktaufsicht nach der Krise. Mit dem 2009 in Kraft getretenen Finanzmarktaufsichtsgesetz (Finmag) sei die institutionelle Struktur grundlegend modernisiert worden, schreibt die Behörde. Neue Kompetenzen, insbesondere im Bereich Enforcement, Bewilligungen, Geldwäschereiaufsicht und internationale Kooperation, hätten einen schrittweisen Ausbau der Ressourcen erfordert.

Quantitative Angaben zur Ressourcenplanung würden ausschliesslich im Rahmen der ordentlichen Jahresberichterstattung publiziert, so die Finma weiter.

SNB: Moderates Wachstum

Die SNB schreibt, das Wachstum betreffe insbesondere die Bereiche Statistik, Finanzstabilität und Informatik.

Mittelfristig gehe man von einem «moderaten Wachstum» aus, das sich an den betrieblichen Notwendigkeiten orientiere. 

Behörden wachsen – Markt schrumpft

Der Befund ist klar: Seit der Finanzkrise hat der private Finanzsektor an Beschäftigung eingebüsst, während die Aufsichts- und Zentralbankinstitutionen deutlich gewachsen sind.

Oder anders formuliert: Während der Markt konsolidierte, expandierten die Institutionen, die ihn regulieren und stabilisieren sollen.

Markante Lohnsteigerungen

Auch bei den durchschnittlichen Personalkosten pro Vollzeitstelle zeigt sich eine klare Aufwärtsbewegung. Bei der SNB lagen sie 2009 bei rund 184'000 Franken, 2014 bei 193'000 Franken, 2019 bei 207'000 Franken und 2024 bei gut 221'000 Franken. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent seit der Finanzkrise.

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Personalaufwand pro Vollzeitäquivalent in den Jahren 2009, 2014, 2019 und 2024. (Quelle: Jahresberichte, eigene Berechnungen; Grafik: finews)

Bei der Finma fiel die Entwicklung bescheidener aus: Von rund 183'000 Franken im Jahr 2009 stiegen die durchschnittlichen Personalkosten pro FTE bis 2014 auf rund 206'000 Franken, lagen 2019 bei gut 200'000 Franken und entwickelten sich seither seitwärts. Zwischen 2009 und 2015 entspricht das einem Plus von rund 9,3 Prozent.

Lohnschere zwischen Privat und Staat

Die Nominallöhne auf breiter Front (öffentlicher und privater Sektor zusammengenommen) haben sich zwischen 2009 und 2024 um knapp 12 Prozent erhöht. Dies besagt der von der SNB publizierte Lohnindex. Mit anderem Worten: bei der SNB wachsen die Löhne überdurchschnittlich, bei der Finma unterdurchschnittlich.

finews wollte von der SNB, die als Wächterin über die Preisstabilität eine besonders direkte Verbindung zu den Lohndaten hat, wissen, warum bei ihr die Löhne fast doppelt so rasch ansteigen wie in der Gesamtwirtschaft und ob dies ein mögliches Reputationsrisiko mit Blick auf die Akzeptanz der SNB und ihres Mandats darstelle.

Schmallippige Notenbank

Die Antwort fiel sehr zurückhaltend aus: «Die SNB beobachtet die Marktbewegungen in den entsprechenden Arbeitsmärkten in regelmässigen Abständen und stellt eine marktgerechte Entlohnung sicher.»

Ebenfalls nicht beantworten wollte die Nationalbank die Frage, ob es zutreffe, dass ihr Personaletat aus selbst geschöpftem Geld finanziert werde. «Die SNB finanziert sich primär durch die Erträge ihrer Anlagen und der Seigniorage.»

finews hat die Zahlen mit Adriel Jost besprochen, der heute als freischaffender Ökonom und Fellow beim Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern wirkt. Von 2011 bis 2018 war er selbst bei der Nationalbank, erst als Marktanalyst und später als Berater von Vizepräsident Fritz Zurbrügg.

Ökonom: «Neue, umfangreiche Aufgaben»

Aus seiner Warte ist es nicht erstaunlich, dass die beiden staatlichen Institutionen personell stärker gewachsen sind als der Finanzsektor. «Sowohl bei der Finma als auch bei der SNB sind sicherlich neue, umfangreiche Aufgaben hinzugekommen.» Was das Ausmass anbelangt, könne man durchaus Fragezeichen setzen.

Wichtiger sei allerdings die Tatsache, dass die SNB keiner ausgeprägten Finanzaufsicht untersteht. Die stark gestiegenen Betriebskosten, zu denen auch der Personalaufwand gehöre, seien erklärungsbedürftig. In einem Beitrag auf finews hatte er diesbezüglich bereits angeregt, dass sich die SNB freiwillig der Aufsicht durch die Eidgenössische Finanzkontrolle unterstelle.


Anmerkung: Wegen eines Übertragungsfehlers waren die ursprünglich für das Jahr 2024 angegebenen Personalausgaben der Finma falsch. Die Richtige Zahl beträgt 126 Millionen statt wie ursprünglich geschrieben 136 Millionen Franken.