Ein Cockpit für alle Assets: Qplix expandiert in der Schweiz
Im Zentrum des Geschäftsmodells der Münchner Softwareschmiede Qplix steht ein Ideal, das in der Vermögensverwaltung seit Jahren beschworen wird, aber selten erreicht wird: die «Single Source of Truth». Eine einzige, verlässliche Datenquelle, in der liquide und illiquide Vermögenswerte, Reporting, Risikoanalyse und Kundeninteraktion zusammenlaufen.
Im Herbst 2024 hat Qplix in der Schweiz einen Head of Sales angestellt (finews berichtete) und seither weiter expandiert. Das Team in Zürich wurde ausgebaut und im vergangenen Herbst eine Schweizer Tochtergesellschaft gegründet. Geplant sind auch eigene Entwicklungskapazitäten vor Ort, wie Mitgründer und CEO Kai Linde kürzlich im Gespräch mit finews verriet.
Gründer mit Family-Office-Background
Was waren die Wurzeln der Geschäftsidee? «Wir haben die Lösung, die wir gerne benutzt hätten, nicht gefunden», antwortet Linde. Die Idee zu Qplix entstand während der Finanzkrise. Linde, ausgebildeter Informatiker mit Stationen an der TU München und der Universität Augsburg, arbeitete damals fast zehn Jahre als Investment Manager in einem deutschen Single Family Office.
Gerade in der Krise zeigte sich, wie fragmentiert die Systeme waren. «Wir nennen es heute ‹Single Source of Truth›. Eine Quelle, in der alle Daten zusammenlaufen und auf der wir Analysen, Controlling und Risikobewertungen machen können», so Linde. Damals seien vielleicht «10 Prozent» der Daten über Schnittstellen gekommen, der Rest sei manuell verarbeitet worden. Heute liege dieser Wert bei «90 Prozent plus», doch vollständig gelöst sei das Problem weiterhin nicht.
Ehemaliger Arbeitgeber als Ankerkunde
Aus der Suche nach einer besseren Lösung wurde eine Firmengründung. Gemeinsam mit zwei Partnern entschied sich Linde, die Software selbst zu bauen. Das Family Office, in dem die Gründer tätig waren, wurde rasch zum ersten Ankerkunden – und ist bis heute an Bord.
Qplix verfolgt bis heute einen klaren Architekturansatz: «Wir verkaufen grundsätzlich nur eine Software», sagt Linde. Ein einheitliches Produkt sei Voraussetzung, um Komplexität beherrschbar zu halten und Innovationstempo zu sichern. Entwicklung und technisches Know-how verbleiben bewusst im eigenen Haus; ausgelagert werde nicht. Man verstehe sich als langfristiger Technologiepartner.
Von Datenaggregation bis KYC
Die Plattform kann inzwischen weit mehr als reine Datenaggregation über alle Assetklassen. Neben Reporting und Performance-Analyse gehören Risikomanagement, KYC-Funktionen, Trading, Portfolio-Rebalancing und digitale Kundeninteraktion via App zum Leistungsumfang. «Wir möchten das zentrale System sein, mit dem der Kunde sein Geschäft macht», formuliert Linde den Anspruch.
Seit der Gründung 2012 ist das Unternehmen rein organisch gewachsen – ohne Zukäufe oder Plattformübernahmen. 2024 erzielte Qplix rund 15,5 Millionen Euro Umsatz bei guter Profitabilität und beschäftigt heute etwa 170 Mitarbeitende. Das Wachstum lag zuletzt bei rund 30 Prozent jährlich. Auch in der Schweiz fiel es zweistellig aus.
60 Prozent Kunden aus Deutschland
Rund 60 Prozent der Kunden in Deutschland stammen aus dem Single- und Multi-Family-Office-Umfeld. Etwa 40 Prozent entfallen inzwischen auf Financial Institutions, im Wesentlichen External Asset Manager – Tendenz steigend. Gerade dieses Segment gewinnt auch in der Schweiz an Bedeutung.
Im aktuellen Technologieschub spielt künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle. Linde unterscheidet zwei Hauptfelder: Datenakquise und Advisory. «Unstrukturierte Dokumente wie Wertpapierabrechnungen oder Capital-Call-Unterlagen eines Private-Equity-Funds lassen sich zunehmend automatisiert verarbeiten», erklärt er.
Anspruch: Moderne Technologie für jeden EAM
Gleichzeitig werde die Interaktion mit Portfoliodaten intuitiver: «Es wird einfacher, für den Kunden relevante Fragen zu identifizieren und zu beantworten, statt selber komplexe Analysen formulieren zu müssen.»
Teile dieser Funktionen sind bereits produktiv im Einsatz, andere laufen als Pilotprojekte mit ausgewählten Kunden. Der Anspruch: jedem EAM Zugang zu modernster KI-Technologie eröffnen.
Programmierung mit KI
Intern investiert Qplix stark in Research & Development – auch, um im Wettbewerb um Entwickler zu bestehen. «Sie können heute nicht mehr old-school entwickeln. Dann möchte kein Entwickler mehr für Sie arbeiten», sagt Linde. Gleichzeitig müsse der Einsatz moderner Tools «in einer sicheren und verantwortungsvollen Umgebung» erfolgen.
Schweizer Kunden betreut Qplix seit mehreren Jahren. Bereits früh wurden Server in der Schweiz betrieben, um Daten lokal zu hosten. Die Gründung einer Schweizer AG im November 2025 sei daher ein konsequenter Schritt gewesen.
Bald eigene Entwickler in Zürich?
«Die Schweiz ist hinter Deutschland unser grösster Markt», sagt Linde. Besonders hebt er die hohe fachliche Tiefe und den internationalen Anlagefokus vieler hiesiger Vermögensverwalter hervor. Viele Vermögen, die in der Schweiz verwaltet würden, seien stark global investiert; der Home Bias sei geringer ausgeprägt als in Deutschland.
Inzwischen arbeiten Mitarbeitende in Zürich nicht nur im Vertrieb, sondern auch im Professional Service. Der nächste Schritt könnte eigene Entwickler vor Ort umfassen.
Besondere Ansprüche von Schweizer Kunden
Angesprochen auf die spezifischen Anforderungen schweizerischer Vermögensverwalter erklärt Linde: «Schweizer EAMs arbeiten in heterogenen Banklandschaften. Entsprechend zentral ist eine Plattform, die Multi-Custody-Strukturen sauber konsolidieren kann und trotzdem bankenspezifische Details nicht verliert.»
Ein weiterer Punkt sei die regulatorische Dimension. «Schweizer Vermögensverwalter müssen heute Anforderungen wie jene aus dem Finanzinstitutsgesetz abbilden, gleichzeitig betreuen sie aber oft internationale Kunden, sodass auch europäische oder andere regulatorische Vorgaben eine Rolle spielen können. Deshalb braucht es Systeme, die Compliance- und Dokumentationsprozesse gut integrieren.»
Wachsendes internationales Geschäft
Der Anteil des Geschäfts ausserhalb Deutschlands nimmt kontinuierlich zu. Strategisch im Fokus stehen europäische Kunden; Übersee-Ambitionen sind derzeit kein Thema. Qplix folgt dabei einer pragmatischen Expansionslogik: Das Unternehmen will dort präsent sein, wo seine europäischen Kunden operieren und wo Vermögen zunehmend international strukturiert werden.
In Anbetracht der dynamischen Entwicklung der Wealth-Management-Szene in den Vereinigten Arabischen Emiraten überrascht es daher nicht, dass Qplix auch dort eine Niederlassung aufbaut (finews berichtete). Auf die Zukunftsambitionen angesprochen, antwortet Linde: «Wir wollen ein verlässlicher Partner für unsere Kunden sein.» Dieser unternehmerische Kern habe sich bislang auch am Markt bezahlt gemacht.















