Unsichere Zeiten – schmallippige Nationalbank

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bleibt ihrer Kommunikationspolitik treu: Je unsicherer die Zeiten, desto weniger weichen die drei Direktoriumsmitglieder bei der Präsentation des Zinsentscheids vom Skript ab. Dahinter steckt durchaus eine gewisse Logik, ist es doch dann besonders wichtig, den Märkten Verlässlichkeit zu signalisieren und nicht das Risiko einzugehen, unbeabsichtigt zusätzlich Öl ins Feuer zu giessen.

Das war auch am Donnerstag bei der Medienkonferenz der SNB in Zürich zu spüren, an der sie die Ergebnisse ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung vorstellte. Die wichtigsten Botschaften:

  • Der Leitzins bleibt bei 0 Prozent. Die Preisstabilität bleibt gemäss der Inflationsprognose der SNB bis Ende 2028 gewahrt, der für die SNB massgeblich mittelfristige Inflationsdruck hat sich gegenüber Dezember 2025 kaum verändert.
  • Die Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, bleibt «erhöht». Die SNB hatte diese rhetorische Tempoverschärfung bereits Anfang März als Reaktion auf den Irankrieg vorgenommen. Martin Schlegel, Präsident des Direktoriums, betonte nun gleich zwei Mal diesen höheren Bereitschaftsgrad.
  • Dass die Schweiz auf der US-Beobachtungsliste für Währungsmanipulatoren figuriert, ist für die SNB unerheblich, weil sie ihre Geldpolitik unabhängig zu führen und sich dabei an einem national definierten Mandat (Preisstabilität für die Schweiz) zu orientieren hat.
  • In der Frage-Antwort-Runde wiederholte Schlegel, dass die Hürde für Negativzinsen hoch bleibe, mit der bekannten Begründung, dass das Instrument mit Herausforderungen für viele Akteure verbunden sei und auch die geldpolitische Transmission im negativen Bereich etwas anders funktioniere. Doch ganz aus dem Werkzeugkasten verbannt wird es nicht: «Wenn es notwendig ist, setzen wir Negativzinsen ein.» 
  • Das Wachstum der Weltwirtschaft wird als solid bezeichnet; die Unsicherheit hat wenig überraschend zugenommen, die Risiken für den Ausblick (Energiepreise, Lieferkettenprobleme, Handelspolitik) sind beträchtlich. «Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz ist die Entwicklung der Weltwirtschaft», heisst es denn auch im Communiqué.
  • Entsprechend unsicher sind die Aussichten für die Schweiz. Die SNB geht gleichwohl unverändert von einem Wirtschaftswachstum von rund 1 bzw. 1,5 Prozent für die Jahre 2026 und 2027 aus.

Auch sonst liess sich die Nationalbank nicht auf die Äste hinaus. Über laufende Devisenmarktinterventionen gab sie wie gewohnt nichts preis. Die Quartalsdaten werden jeweils verzögert publiziert, diejenigen für das erste Vierteljahr 2026 erst im Juni. Im gesamten abgelaufenen Jahr hatte die SNB gemäss ihrem jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht 2025 Devisen im Gegenwert von 5,2 Milliarden erworben.

Angesprochen wurde Schlegel auch auf die Kritik von Nick Hayek an der SNB im Zusammenhang mit der Frankenaufwertung, die dieser am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz der Swatch Group äusserte.

Hayek/Swatch und Nationalbank/Franken: Eine komplexe Beziehung

Diese Kritik steht durchaus in einer gewissen Familientradition, hatte sich doch schon Vater Nicolas Hayek im letzten Jahrhundert immer wieder öffentlich über den zu starken Franken ausgelassen. Damals sass allerdings Jean-Pierre Roth, ehemaliger Präsident des Direktoriums, noch nicht im Verwaltungsrat des Bieler Uhrenkonzerns; ein Mandat, das er bereits seit 2010, kurz nach seinem Rücktritt aus der SNB, innehat. Ob der mit der Thematik des Frankens als Safe-haven-Währung bestens vertraute Roth versucht hat, auf Nick Hayek einen mässigenden Einfluss auszuüben, lässt sich von aussen schwer beurteilen, aber wenn er das getan haben sollte, ist der Erfolg überschaubar geblieben.

Schlegel verwies allerdings lediglich darauf, dass die SNB die Situation an der Front sehr wohl sehr gut kenne, v.a. auch dank der vielen Gesprächen, die ihre Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte mit den Betrieben vor Ort führen. Und er zollte den Schweizer Unternehmen grossen Respekt dafür, dass sie sich in einem schwierigen Umfeld zu behaupten wüssten.

Der wichtige Unterschied zwischen nominal und real

Schlegel war darum bemüht, die Frankenaufwertung in den grösseren Kontext einzuordnen und damit de facto etwas zu entdramatisieren. Der handelsgewichtete Franken habe sich nominal betrachtet von 2020 bis 2025 zwar deutlich aufgewertet, doch real betrachtet (nach Berücksichtigung der Inflationsunterschiede und damit ökonomisch massgebend) nur wenig verändert. Wenn sich der Franken aufwerte, straffe dies zwar die monetären Bedingungen, zugleich entfalte aber das (auch aufgrund der harten Währung) tiefe Schweizer Zinsniveau eine expansive Wirkung.

Und er gab auch implizit eine (allerdings sehr auslegungsbedürftige) Antwort auf die Frage, wann die SNB am Devisenmarkt eingreift: «Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens stellt ein Risiko für die Preisstabilität dar.»