Die Retourkutsche – Jerome Powell redet bei der Geldpolitik weiter mit
Erwartungsgemäss hat der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve (Federal Open Market Committee, FOMC) unter der Leitung von Fed-Chairman Jerome Powell den Leitzins unverändert im Band von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Zu gross ist die Unsicherheit darüber, wie stark sich der hohe Ölpreis letztlich auf die Inflation und die Konjunktur auswirken wird.
Allerdings gab es innerhalb des FOMC, das zwölf stimmberechtigte Mitglieder zählt, vier abweichende Meinungen, eine so hohe Zahl wie seit 1992 nicht mehr, was Christian Scherrmann, US-Chefökonom von DWS, nicht entgangen ist. Stephan Miran, mittlerweile als geldpolitische Taube bekannt, hätte auch diesmal die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt gesenkt.
Drei «falkenhafte» Dissidenten
Interessanter ist die Motivation der Dissidenten Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan. Sie waren zwar mit dem Entscheid einverstanden, nicht aber mit der Formulierung des Statements. Sie waren dagegen, im Ausblick einen «Easing Bias» beizubehalten, also die Tür für weitere Zinssenkungen offenzuhalten. Allerdings ist der Entscheid bereits sehr ausgewogen abgefasst und betont die Wachsamkeit in Bezug auf die Risiken auf beiden Seiten des Fed-Mandats (maximale Beschäftigung und Inflation).
Absehbar war auch, dass dies die letzte FOMC-Sitzung und damit der letzte Zinsentscheid unter der Ägide von Powell sein würde, weil seine Amtszeit als Chairman Mitte Mai abläuft. Sein designierter Nachfolger heisst Kevin Warsh.
Powell will weisse Weste
Aber Powell wird als einfaches Mitglied im FOMC bleiben (seine diesbezügliche Amtszeit endet erst 2028), was für einen ehemaligen Chairman eher unüblich ist. Powell begründete dies an der Medienkonferenz mit den strafrechtlichen Untersuchungen gegen ihn im Zusammenhang mit angeblichen Unregelmässigkeiten bei Bauarbeiten am Fed-Hauptsitz in Washington. Diese waren allgemein als Höhepunkt der Angriffe des US-Präsidenten Donald Trump auf die Unabhängigkeit der Notenbank interpretiert worden.
Zwar sind diese Ermittlungen vergangene Woche eingestellt worden (um die Bestätigung von Warsh im Senat nicht zu gefährden), doch dies ist Powell offenbar nicht genug. Er wolle solange im FOMC bleiben, bis die Angelegenheit geklärt sei, hielt er fest. Sein Entschluss kann als Retourkutsche an das Weisse Haus interpretiert werden. Denn damit gibt es auch keine Vakanz, die der Präsident mit einem ihm genehmen Kandidaten füllen kann.
Im Januar hatte Powell sehr deutlich zu den strafrechtlichen Ermittlungen Stellung genommen und diese als Angriff auf die Unabhängigkeit der Zentralbank bezeichnet; in der Folge erhielt er dafür verbale Unterstützung von zahlreichen ausländischen Notenbanken.














