«Iran-Krieg gibt der Schweiz Auftrieb, das sieht man jetzt schon»
Die globale Vermögensverwaltungsbranche tritt in eine neue Phase ein: Anleger werden vorsichtiger, alternative Anlagen gewinnen strukturell an Bedeutung und künstliche Intelligenz entwickelt sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Dies zeigt die aktuelle Studie «Wealth Management Insights 2026» von PwC Schweiz.
Die Stimmung unter Investoren ist deutlich schlechter geworden. Nur noch 39 Prozent der befragten Vermögensberater zeigen sich für die kommenden 12 bis 18 Monate optimistisch. Dies ist ein markanter Rückgang gegenüber 56 Prozent im Vorjahr.
Vermögenstransfer läuft bereits
Haupttreiber dieser Entwicklung sind neben den makroökonomischen Unsicherheiten die geopolitischen Spannungen. Es ist derzeit vor allem der Konflikt im Nahen Osten, der die grössten Auswirkungen hat. «Die jüngsten Ereignisse werden nachhaltigen Einfluss auf die Region haben: Es werden nicht nur Vermögen abgezogen beziehungsweise verschoben, es wird auch die Wohnsituation in Frage gestellt», sagt Patrick Akiki, Financial Services Leader von PwC Schweiz.
Nutzniesser dieser Situation: Die Finanzplätze in der Schweiz und in Singapur. «Die Schweiz befindet sich in einer ausgesprochen guten Ausgangslage. Sie wird wegen ihrer Sicherheit, Neutralität und Zuverlässigkeit noch mehr Auftrieb erfahren als Singapur und könnte zum eigentlichen Nutzniesser der momentanen Entwicklung werden», sagt Akiki.
Die Vermögens-Verschiebungen lassen sich laut Akiki nicht erst seit dem Ausbruch der Kämpfe beobachten. «Der Konflikt hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten hochgeschaukelt, dies hat die Wegzugbewegung beschleunigt», sagt er.
Strategische Neuausrichtung der Kunden
Dies führt zu tiefgreifenden Veränderungen im Verhalten vermögender Kunden. Regionale Diversifikation nimmt zu, während gleichzeitig die Mobilität steigt: 42 Prozent der Kunden erwägen laut Studie einen Wechsel ihres Wohnsitzes – zunehmend als strategische Vermögensentscheidung und nicht mehr nur aus Lifestyle-Gründen.
Nordamerika bleibt zwar der wichtigste Markt, verliert jedoch an Dominanz. Die Ablehnung der USA sei derzeit ausgeprägt, sagt Akiki.
(Grafik: PwC Schweiz)
Unternehmer rücken ins Zentrum
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die wachsende Bedeutung von Unternehmern als Kundensegment. Deren Vermögen ist oft eng mit dem operativen Geschäft verknüpft, was neue Anforderungen an Vermögensverwalter stellt – insbesondere in den Bereichen Nachfolgeplanung, Finanzierung und Risikodiversifikation.
Gleichzeitig zeigt sich eine Lücke: Viele Institute verfügen noch nicht über ausreichend spezialisierte Produkte oder digitale Fähigkeiten, um diese komplexe Kundengruppe umfassend zu betreuen.
Alternative Anlagen werden zum Kernbestandteil
Traditionelle Portfolios verlieren an Bedeutung. Alternative Anlagen entwickeln sich zunehmend vom «Add-on» zum strategischen Kernbestandteil moderner Vermögensallokation.
Besonders gefragt sind: Private Equity, Immobilien und Private Debt (siehe auch Grafik).
Auch Rohstoffe gewinnen wieder an Relevanz – insbesondere als Absicherung gegen makroökonomische Risiken.
Parallel dazu treiben technologische Entwicklungen wie Tokenisierung den Zugang zu bislang illiquiden Anlageklassen voran und senken Eintrittsbarrieren für vermögende Privatkunden.
(Grafik: PwC Schweiz)
KI wird zum dominierenden Wettbewerbsfaktor
Die wohl wichtigste Entwicklung sieht PwC in der rasanten Verbreitung von künstlicher Intelligenz. Bereits heute nutzen 52 Prozent der Befragten KI täglich, weitere 42 Prozent evaluieren konkrete Einsatzmöglichkeiten.
Besonders im Fokus steht sogenanntes «Agentic AI», das über reine Automatisierung hinausgeht und eigenständig Prozesse steuern kann – von Kunden-Onboarding über Portfolioanalysen bis hin zu personalisierten Kundeninteraktionen.
Damit wird KI zunehmend zum Rückgrat integrierter digitaler Ökosysteme und beeinflusst sämtliche Bereiche der Wertschöpfungskette – vom Front- bis zum Backoffice.

















