Zuger Cleantech-Startup nimmt Immobilienfonds ins Visier
Die Dekarbonisierung des Gebäudesektors gilt als eine der grössten Herausforderungen der Energiewende. Das Zuger Cleantech-Startup Enshift will Immobilienbesitzern genau dabei helfen und gleichzeitig das Finanzierungs- und Umsetzungsrisiko übernehmen.
Zu den Kunden von Enshift zählen vor allem institutionelle Immobilienbesitzer. Dazu gehören börsenkotierte Immobilienfonds ebenso wie grosse Unternehmen mit umfangreichen Liegenschafts-Portfolios, wie Gründer und Geschäftsführer Pierre Bi im Gespräch mit finews sagt.
«Typische Kunden sind etwa Immobilienfonds oder grosse Unternehmen mit vielen Gebäuden», sagt Bi. Darunter befinden sich namhafte Firmen wie Helvetica Property, Denner, Holcim oder das Paul Scherrer Institut (PSI).
Viele dieser Eigentümer stehen unter Druck, ihre Immobilienportfolios bis 2030 oder 2035 zu dekarbonisieren. «Die strategischen Ziele sind meist klar definiert. Die Herausforderung liegt in der Umsetzung und vor allem in der Finanzierung.»
Finanzierung und Umsetzung aus einer Hand
Genau hier setzt Enshift an. Das Unternehmen finanziert und installiert Energieanlagen – etwa Wärmepumpen oder Solarsysteme – selbst und verkauft die produzierte Energie anschliessend an die Gebäude beziehungsweise deren Mieter.
«Wir können zum Beispiel den kompletten Ersatz einer Heizung finanzieren», erklärt Bi. «Danach verkaufen wir über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren Wärme an die Mieter.»
Wichtig sei dabei, dass die Nebenkosten für die Bewohner möglichst stabil bleiben. In vielen Fällen könne das Modell sogar eine attraktive Alternative zu klassischen Fernwärmelösungen darstellen.
Risiko für Eigentümer deutlich reduziert
Neben der Finanzierung übernimmt Enshift auch einen grossen Teil des operativen Risikos. Möglich ist dies, weil das Zuger Start-up seine Abläufe vereinfacht und digitalisiert hat. Gerade bei grossen Immobilienportfolios kann die Umstellung auf erneuerbare Energien organisatorisch komplex werden.
«Wenn ein Portfolio etwa 150 Gebäude umfasst und bis 2030 dekarbonisiert werden muss, ist das für viele Asset Manager eine enorme Herausforderung», sagt Bi. «Oft fehlen schlicht die Ressourcen oder die Erfahrung, solche Projekte in dieser Grössenordnung umzusetzen.»
Das Startup übernimmt daher auch das Projektmanagement und hat dafür eigene digitale Tools entwickelt. Damit lassen sich beispielsweise Energieverbrauch, Eigenverbrauchs-Quoten oder Renditen bereits im Voraus modellieren.
Energieanlagen als Teil des Stromsystems
Ein weiterer Ansatz liegt in der intelligenten Steuerung der Anlagen. Mithilfe automatisierter Regeltechnik können Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen auch im Energiemarkt eingesetzt werden.
So lassen sich Anlagen beispielsweise für sogenannte Systemdienstleistungen nutzen, die zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. «Die Energieanlagen können auf Marktsignale reagieren und Energie entsprechend einsetzen», erklärt Bi.
Wachstum durch strategische Investoren
Um die Technologie weiter auszubauen, hat Enshift zuletzt zusätzliches Kapital aufgenommen. Im Oktober vergangenen Jahres schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit einem strategischen Investor aus dem Solar-Installationsbereich ab.
Durch diese Partnerschaft sollen vor allem grössere Photovoltaik-Projekte schneller umgesetzt werden.
Unternehmer mit internationalem Hintergrund
Gründer Pierre Bi bringt einen technischen Hintergrund mit. Er studierte Maschinenbau an der ETH Zürich und absolvierte später einen Master am Massachusetts Institute of Technology.
Sein erstes Unternehmen gründete er bereits 2015. Die Firma entwickelte Luftreinigungs-Systeme und wurde 2021 vom US-Technologieunternehmen iRobot übernommen.
Mit dem Verkaufserlös begann Bi, im Immobiliensektor zu investieren – und stiess dabei auf die Herausforderungen der Energiewende im Gebäudebereich. Daraus entstand schliesslich Enshift.
Langfristige Investitionslogik
Für Bi ist die Dekarbonisierung letztlich vor allem eine Frage der Investitionslogik. «Man ersetzt im Grunde fossile Energie durch eine langfristige Infrastruktur-Investition», sagt er.
Statt weiterhin Gas oder Öl zu verbrennen, investierten Immobilienbesitzer einmalig in eine Anlage, die über zwei Jahrzehnte Energie produziere. «Diese Investition muss sich über 20 bis 25 Jahre amortisieren, ähnlich wie bei einer Fernwärme-Lösung.»
Genau hier sieht Bi die Chance seines Unternehmens: «Wenn wir Finanzierung, Umsetzung und Betrieb aus einer Hand anbieten, lässt sich die Energiewende im Gebäudesektor deutlich effizienter umsetzen.»














