10 Jahre SFTI: «Wir sind die Speerspitze der Innovation»

Frau Wickihalder, SFTI - Swiss Fintech Innovations feierte kürzlich sein 10-jähriges Bestehen. Die meisten Organisationen würden da wohl einen grossen Event veranstalten. Sie veröffentlichen ein kurzes Video. Wieso?

Ein grosses Jubiläum ist kein Selbstzweck. Deshalb haben wir uns bewusst gegen eine klassische Feier entschieden. Wir verstehen uns als Plattform für Ideen, Projekte, Arbeitsgruppen und Initiativen des Finanzplatzes. Entsprechend veranstalten wir zwar gerne Events für die Finanzcommunity, dabei geht es uns aber immer um Inhalte, konkrete Projekte und Initiativen. Wir setzen unsere Ressourcen möglichst effizient ein. Mit dem Video können wir genau das sichtbar machen: Unsere Mitglieder und Partner kommen zu Wort, sie prägen den Verband und tragen seine Entwicklung. Wir sind überzeugt, dass das für uns glaubwürdiger und wirkungsvoller ist als eine Jubiläumsveranstaltung.

Was beschäftigt Ihren Verband derzeit am meisten?

Die Regulierung, beispielsweise bei den Themen Zahlungsmittelinstitute, Stablecoins, Krypto, aber auch künstliche Intelligenz – in allen Gesetzgebungsverfahren arbeiten wir in verschiedenen Arbeitsgruppen mit Partnerverbänden und dem Gesetzgeber zusammen. Sehr wichtig ist sicher auch unsere Initiative «Open Pension». Nach Annahme der Motion Ettlin/Dobler zum digitalen Zugang über standardisierte Schnittstellen für alle drei Säulen geht es nun an die Umsetzung. SFTI wird sich in die Ausarbeitung einer Lösung einbringen und steht dazu mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen im Austausch. Dabei profitieren wir von unseren bisherigen Erfahrungen im Bereich der API-Standardisierungen. Ende November kündigte die Open Banking Plattform der SIX den Start des Multi-Bankings für Private an. Viele unserer Mitglieder sind in diesem Bereich bereits aktiv. Bei «Open Pension» kommen zusätzlich die vielen verschiedenen Pensionskassen ins Spiel; das macht die Umsetzung nochmals deutlich komplexer.

Was ist der grösste Erfolg in den vergangenen 10 Jahren?

Schwierig zu sagen, da gibt es einige. Sehr wichtig war wie erwähnt die Standardisierung von Finanzmarkt-APIs, die das Multibanking erst möglich macht. Ein Erfolg ist sicher auch die parlamentarische Gruppe, die wir seit fünf Jahren führen und so den Dialog zwischen Finanzinnovation und Politik stärken. Die Gruppe: «Innovation in the Financial Center: Cryptocurrencies / Digital Assets» wird aktuell von Nationalrat Franz Grüter und Ständerätin Petra Gössi zusammen mit SFTI geführt.

«Der Verband SFTI ist die Speerspitze der Innovation.»

Um ähnliche Themen dürfte sich auch die Bankiervereinigung kümmern?

Ja. Die Bankiervereinigung ist für uns ein wichtiger Partner. Bei SFTI sind Banken und Versicherungen Mitglieder, und wir haben auch viele assoziierte Mitglieder aus dem Fintech-, Technologie- oder Beratungssektor, womit wir etwas breiter und diverser aufgestellt sind. Umgekehrt ist unser Fokus viel enger. Wir haben nicht den Anspruch, zu allen Themen des Finanzplatzes eine Meinung, ein Projekt oder eine Arbeitsgruppe zu führen. Etwas vereinfacht gesagt: SFTI ist die Speerspitze der Innovation. Mit unseren Fintech-Firmen sind wir sehr nahe am Markt. Unsere Mitglieder engagieren sich in zahlreichen Arbeitsgruppen und Projekten zu den drängendsten Themen der digitalen Transformation. Gleichzeitig stehen wir mit der Bankiervereinigung – ebenso wie mit anderen Partnerverbänden, wie beispielsweise der Economiesuisse – im stetigen Austausch und bearbeiten viele Themen gemeinsam.

Neben der UBS gehören unter anderem SIX, Postfinance, Raiffeisen, Valiant, Hypi Lenzburg und auch vier Kantonalbanken zu ihren Mitgliedern. Mit Lombard Odier ist es aber nur eine Privatbank. Wie erklären Sie sich das?

Wir hätten gerne mehr Privatbanken und auch mehr Kantonalbanken sowie Regionalbanken bei uns dabei, um der diversen Bankenlandschaft der Schweiz Rechnung zu tragen. Innovation wird in der Branche unterschiedlich gelebt. Während grosse Institute oft eine aktive Rolle einnehmen und Entwicklungen mitprägen, agieren andere eher als «Fast Follower». Das ist verständlich, gerade in einem Umfeld mit regulatorischem Druck und wirtschaftlichen Unsicherheiten.

«Innovation wird in der Branche unterschiedlich gelebt.»

Gleichzeitig birgt diese Haltung ein Risiko: Wer zu lange abwartet, verliert Einfluss auf die Gestaltung zentraler Infrastrukturen. Genau hier setzt SFTI an. Der Verband lebt vom aktiven Austausch und davon, dass sich Mitglieder einbringen und auch ein Stück weit öffnen. Wir sind überzeugt: Die Zukunft von «Digital Finance» entsteht kollaborativ, und je breiter die Beteiligung, desto stärker der Finanzplatz insgesamt. 

Eines der aktuell grossen Themen ist die Regulierung von Stablecoins in der Schweiz. Wo unterscheidet sich ihre Position etwa vom Bankierverband oder dem Verband der Kantonalbanken?

Wir sind für einen geregelten Rahmen, der Innovation zulässt. Beim neuen Gesetz erwarten wir noch einige Nachschärfungen. In den grossen Zügen sind wir uns mit den anderen Verbänden einig, bei den Differenzen geht es eher um technische Details der komplexen Regulierung von Stablecoins und weiteren digitalen Finanzinstrumenten.

Bei der Gründung ihres Verbandes im März 2016 sprach noch niemand von Stablecoins. Was war damals eigentlich der Auslöser?

Die Welt veränderte sich schon damals schnell, insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung der Finanzindustrie. Viele Banken beschäftigten sich mit Innovation, merkten aber auch, dass sie alleine nur begrenzt vorankommen. Genau daraus entstand die Idee von SFTI: eine Plattform zu schaffen, die Zusammenarbeit zwischen Banken, Fintechs, Wissenschaft und Behörden ermöglicht. 

Zu den prägenden Persönlichkeiten in der Anfangsphase gehörten etwa Marianne Wildi von der Hypothekarbank Lenzburg und Patrick Baumberger von Raiffeisen, der auch erster Präsident wurde. Ich selbst kam ein Jahr später als Vertreterin der Credit Suisse ins Board und habe 2018 das Präsidium übernommen. SFTI steht seit Beginn für Innovation durch Zusammenarbeit, und wir sind stolz darauf, unsere Projekte gemeinsam mit und für unsere Mitglieder umzusetzen.