Nicht nur Schweiz: Liechtenstein Life liebäugelt mit neuen Märkten
Liechtenstein Life hat im vergangenen Geschäftsjahr bei den gebuchten Prämien, den verwalteten Vermögen und der Profitabilität zugelegt. Nach Jahren umfassender Restrukturierungen –, finews berichtete darüber, sieht CEO Aron Veress beim Kostenmanagement perspektivisch nur noch begrenzt weiteres Potenzial.
«Wir haben die Kosten konsequent gesenkt, Prozesse automatisiert und ineffiziente Strukturen beseitigt», sagt Veress im Gespräch mit finews. Das Unternehmen habe sich seit 2019 von einem verlustreichen Versicherer zu einem profitablen Anbieter entwickelt, betreut heute rund 130’000 Kunden und investiere weiter in die Zukunft.
Eröffnungsspiel bei Bestandsübernahmen
Zum Wachstum beigetragen hat im vergangenen Geschäftsjahr erstmalig auch die Übernahme eines Versicherungs-Portfolios eines angeschlagenen Marktteilnehmers. Nach Angaben von Veress stammten rund 10 Prozent der 2025 verbuchten Bruttoprämien von knapp 412 Millionen Franken aus dieser Transaktion.
Eine Bestandsübernahme ist lauf Veress eine operative und regulatorische Gratwanderung: Voraussetzung sei gewesen, dass die Policen den Compliance- und Risikostandards von Liechtenstein Life entsprechen, und sich technisch nahtlos im Verwaltungssystem der Gesellschaft abbilden lassen. Gleichzeitig war die Genehmigung der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht FMA in Koordination mit weiteren Aufsichten von zentraler Bedeutung.
«Darauf bin ich besonders stolz», sagt Veress. Das Vertrauen der Aufsicht sei das Resultat von jahrelangem konstruktivem Dialog gewesen. Er wisse, dass grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen innerhalb Europas die Marktteilnehmer und die Aufsicht gleichermassen fordern.
Konsolidierung statt Neugründungen
Veress erwartet, dass sich die Konsolidierung im Versicherungsmarkt fortsetzen wird. Die Anforderungen seien inzwischen so hoch, dass neue Anbieter kaum noch in den Markt eintreten würden.
«Wer heute eine neue Lizenz beantragt, muss mit jährlichen Kosten von einer bis eineinhalb Millionen Franken rechnen, bevor überhaupt die erste Police verkauft ist», sagt er.
Gleichzeitig beobachtet er mit Skepsis den Trend zu sogenannten Run-off-Modellen, bei denen Versicherungsbestände aufgekauft werden, ohne neues Geschäft zu schreiben. Solche Modelle könnten kurzfristig profitabel erscheinen, würden langfristig aber häufig unter schrumpfenden Beständen und hohen Fixkosten leiden.
Deutschland wird immer wichtiger
Während Liechtenstein Life im Schweizer Markt bereits ein breites Netzwerk an unabhängigen Versicherungsvermittlern aufgebaut hat, sieht Veress in Deutschland erhebliche Wachstumschancen.
Ein besonderes Augenmerk legt er dort auf Lösungen für Nachlassplanung, Vermögensübertragung und Pensionsvorbereitung. Anders als klassische Vorsorgeprodukte für jüngere Kunden richten sich diese Angebote an Privatkunden mit grösseren Vermögen und komplexeren steuerlichen Fragestellungen.
«In Deutschland sprechen wir zunehmend Kunden an, die einige Hunderttausend Euro oder mehr vererben möchten und ihre Vermögensnachfolge steuerlich effizient strukturieren wollen», sagt Veress.
Bereits heute stammen rund 40 Prozent der gebuchten Prämien aus Deutschland. Im Segment Nachlass- und Pensionsplanung liege der Anteil sogar bei rund 90 Prozent.
Technologie als Wettbewerbsvorteil
Als Grundlage für künftiges Wachstum setzt Liechtenstein Life auf technologische Effizienz statt auf beschäftigungsintensive Abläufe. Veress verweist auf digitale Identifikations- und Kontrollsysteme, mit denen regulatorische Anforderungen automatisiert überwacht werden können.
So werde kontinuierlich sichergestellt, dass Vermittler nur dann auf die Beratungsplattform zugreifen können, wenn ihre Zulassungen gültig sind und ihre Identität eindeutig verifiziert wurde.
«Diesbezüglich besteht unser Weg darin, für Berater und Kunden die innovativste Plattform am Markt bereitzustellen und dadurch auch regulatorische Sicherheit zu gewährleisten», sagt Veress.
Neue Märkte im Blick
Das Unternehmen prüft dauernd weitere Expansionsmöglichkeiten in Europa. Interessant erscheint derzeit auch Portugal. Dort eröffnen regulatorische Änderungen erstmals die Möglichkeit, Versicherungslösungen aus Liechtenstein auf Augenhöhe mit lokalen Anbietern zu vertreiben.
Deutlich schwieriger beurteilt Veress hingegen Märkte wie Italien. Dort erschweren steuerliche Sonderregelungen in Bezug auf ausländische Anbieter und insbesondere das Fürstentum den Markteintritt erheblich.
Die Strategie bleibt somit bewusst selektiv: Liechtenstein Life setzt auf ausgewählte Segmente und Märkte, in denen das Unternehmen eine führende Rolle einnehmen kann. Dazu gehören auch die Nachlassplanung und Pensionsplanung in der Schweiz, ebenso wie weitere europäische Märkte.
«Wir wachsen nicht nach dem Prinzip möglichst breit, sondern möglichst gezielt», sagt Veress. «Wir gehen bewusst dorthin, wo wir Kundinnen und Kunden einen tatsächlichen Mehrwert bieten können.»















