Dieses Haus ist dabei, der FC Bayern der Hotellerie zu werden
Im Dezember 2025 öffnete die ehemalige «Villa Kennedy» in Frankfurt am Main nach drei Jahren Umbau wieder ihre Tore. Das 1901 erbaute Stadtpalais heisst nun «The Florentin» und gehört zur «Althoff Collection».
Seit Wochen freue ich mich auf meinen Besuch – und merke bei meiner Ankunft schnell: Hier wurde nochmal ordentlich investiert. Was ohnehin eine der Top- Adressen Frankfurts war, ist nun ein Stadthotel auf internationalem Luxus-Niveau.
Inspiriert von Persönlichkeiten
Das Haus zählt heute 147 Zimmer und Suiten, darunter neun individuell gestaltete Signature Suiten in der historischen Villa. Sie sind inspiriert von Persönlichkeiten und tragen daher Namen wie «The Botanist» oder «The Artist». Dazu zwei Restaurants, eine Bar – und sogar eine Zigarrenlounge.
Der Spa-Bereich mit Sauna, Dampfbad und grosszügigem Innenpool kann sich für ein Stadthotel ebenfalls sehen lassen. Auch das Gym gehört mit seinen modernen «Technogym»-Geräten, dem eleganten Parkettboden, den hohen Decken und dem schönen natürlichen Licht zu den besten, die ich in City Hotels gesehen habe.
Qualität zeigt sich in den Details
Beim Betreten meiner Suite «The Composer» staunte ich. Schicke Hotelzimmer habe ich schon viele gesehen, aber es ist selten, dass ein Zimmer – oder hier eher: ein Gemach – so viel Charakter hat.
Die Qualität zeigt sich in den Details: hochwertige Leinentapeten, sorgfältig ausgewählte Kunst, makelloser Parkettboden, ein grosszügiges Marmorbad – alles ausgesprochen stimmig. Die Detailliebe reicht bis in die Schubladen, in die die Gläser wie selbstverständlich hineinpassen.
Die Walk-in-Dusche misst gefühlte drei Meter, die japanische Duschtoilette gehört in dieser Kategorie mittlerweile zum Standard. Eine einzige Frage stelle ich mir: Warum fiel die Wahl beim Duschgel nicht auf ein deutsches Produkt? Warum muss es eine internationale Marke sein, die dann gar noch aus Australien am anderen Ende der Welt kommt? Ein geschichtsträchtiges Haus wie das «Florentin», das obendrein Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen möchte, könnte hier eine überlegtere Entscheidung treffen und etwa auf die deutsche Marke «La Biosthétique» setzen.

In meine «Composer Suite» gehört neben viel Marmor und edlen Stoffen natürlich auch ein Piano. (Bild: zVg)
Ein unerwartet stimmiger Kontrast
Was mir an diesem Hotel ungemein gefällt, ist der Gegensatz zwischen Alt- und Neubau. Viele historische Hotels werden im Laufe der Zeit durch einen oft klotzigen, klobigen Neubau erweitert, der kaum in das Konzept passt. Doch hier ergänzen sich Alt und Neu auf faszinierende Weise. Das neue Haupthaus wurde von «Unscripted» gestaltet, einem Designstudio aus Singapur, das international im High-End-Segment der Hotellerie arbeitet und unter anderem Projekte für «Aman» umgesetzt hat. Die Handschrift erkenne ich sofort: viel Naturstein, edle Hölzer, warme Stoffe, durchdachte Lichtführung. Die breiten Gänge, die schweren Teppiche, das schöne Holz – genau so stelle ich mir ein edles Grand Hotel vor. Sogar die Feuertüren sind farblich abgestimmt.
Ganz anders die historische Villa. Sie wurde von «Atelier Zürich» gestaltet, einem Studio, das mit seinen Interiorkonzepten für Aufmerksamkeit sorgt. Die Atmosphäre in der über 100 Jahre alten Villa, die ehemals einer Bankiersfamilie gehörte, ist persönlicher, fast kuratiert wie ein Museum oder eine Kunstgalerie. Es ist das Zusammenspiel dieser beiden unterschiedlichen Handschriften, das aus dem Florentin eine der spannendsten Neueröffnungen der letzten Jahre macht.

Auch bei der Ausstattung des Badezimmers wurden keine Kosten gescheut. (Bild: zVg)
Gut schlafen und besser essen
Hotels lassen sich stets neue Gimmicks einfallen, ob nun eingestickte Initialen auf dem Bademantel oder gar mein Name als Schokoglasur auf der Torte zum Nachtisch. Alles schön, alles wichtig. Aber was ist das Allerwichtigste? Der Schlaf. Und ich habe selten so gut geschlafen wie hier. Kissen, Duvet, Federtopper: Alles stammt von der Marke
«Mühldorfer». Alles ist federleicht, und dennoch fühle ich mich wie umarmt. Mehr Qualität geht nicht. Für mich sind Produkte von «Mühldorfer» mittlerweile mit die wichtigsten Kriterien bei der Hotelwahl. Wenn sich bloss alle Hotels dieser Preisklasse darauf besinnen würden.
Kulinarisch setzt das Florentin ebenfalls Massstäbe. Das Gourmetrestaurant «The Dune» wird von Niclas Nussbaumer und seiner Partnerin geführt. Nussbaumer hat sich zuvor am Schluchsee im Schwarzwald zwei Michelin-Sterne erkocht, und es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, bis der dritte kommt.
Was ich an seiner Kochkunst besonders schätze, ist der Fokus: Alles spielt sich auf dem Teller ab. Keine 18 kleinen Schüsselchen drumherum, keine Inszenierung um der Inszenierung willen, kurz: kein Schnickschnack. Die Komposition ist klar, präzise und konzentriert. So muss grosse Küche sein.

Schon beim Betreten der Lobby des Altbaus taucht man ein in längst vergangene Zeiten. (Bild: zVg)
Das Mittagessen im Hotelrestaurant «The Garden» ist bodenständig und qualitativ ausgezeichnet: Ein Caesar-Salad mit ausgewogenem Dressing, dazu frisches knuspriges Brot – manchmal reicht es, die Basics zu perfektionieren.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: der Riesling in der Minibar. Ein feiner Wein, gewiss. Aber eben auch einer, der in gefühlt jeder zweiten Minibar Deutschlands zu finden ist. In einem Haus mit diesem Anspruch hätte ich mir etwas Besonderes gewünscht, einen Wein, der überrascht, der eine Geschichte erzählt.
«The Florentin»: Der FC Bayern der deutschen Hotellerie?
Apropos besonders: Ich ziehe meine Hut vor General Manager Boris Messmer. Viele der herausragenden deutschen Hoteldirektoren arbeiten im Ausland, zu sehr lockt der Ruf ferner Häuser und Himmel.
Umso schöner, dass mit Messmer einer der besten Direktoren dieses Landes das «Florentin» führt. Er hat in Tophäusern in England und Südfrankreich gearbeitet, seine Ausbildung absolvierte er im wohl besten Hotel Deutschlands, dem «Fairmont Vier Jahreszeiten» in Hamburg.
Ich hatte das Vergnügen, mit ihm zu Abend zu essen. Er hat alles, was man sich von einem Hotelier wünscht: Liebe zum Detail, Empathie gegenüber seinen Mitarbeitern, Aufmerksamkeit den Gästengegenüber, Präzision. Und vor allem die erstaunlich seltene Fähigkeit, zuzuhören.
Wenn er aber doch ins Erzählen kommt, dann spüre ich seine Leidenschaft für das Haus, das er grandios führt. Für Messmer liegt das Erfolgsrezept in «einer Form von Luxus, die heute selten geworden ist: Räume mit echter Geschichte, individueller Persönlichkeit und Privatsphäre.»

Im Wintergarten mit tropischem Flair lässt es sich auch in der kalten Jahreszeit gut aushalten. (Bild: zVG)
Man kann nur hoffen, dass der junge Messmer noch lange in Deutschland bleibt.
Es ist wie im Fussball: Die besten Spieler der Bundesliga wechseln früher oder später ins Ausland. Nur der FC Bayern kann sie halten.
Freiraum geben
Aber die gute Nachricht: An der Spitze der «Althoff Collection» stehen mit Frank Marrenbach und Wolfgang Greiner zwei ehemalige Talente, die mittlerweile zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Hotellerie zählen. Wenn sie Boris Messmer den Freiraum geben, den er verdient, dann wird die «Althoff Collection» – unter anderem mit dem «Florentin» in Frankfurt und dem künftigen «Domhotel» in Köln – zum FC Bayern der deutschen Hotellerie und national wie international Massstäbe setzen. Zum Ranking der «101 besten Hotels Deutschlands» gehört das «Florentin» ohnehin schon jetzt.
Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Rankings «Die 101 besten Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für finews schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor. Jüngst ist vom ihm erschienen: «Die 101 besten Hotels Deutschland».













