Unicredit und Commerzbank: Nur eine blieb in der Schweiz
Jens Weidmann, der Aufsichtsratschef der Commerzbank, hat Unicredit zu Gesprächen mit dem Management der Commerzbank aufgefordert. «Auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten, die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung sind klar», sagte er gegenüber dem Handelsblatt.
Seine Aussage ist das erste öffentliche Signal der Commerzbank-Führung, dass sie die neuen Machtverhältnisse in ihrem Eigentümerkreis anerkennt und den Kampf um die Eigenständigkeit aufgibt.
In der Schweiz waren die Italiener bisher wenig erfolgreich. Unicredit startete 1998 mit einer Filiale an der Via Emilio Bossi 1 in Lugano. Das Privatkundengeschäft lief offenbar nicht wie gewünscht und wurde 2010 teilweise an die Tessiner Kantonalbank verkauft. Diese übernahm drei Jahre später 100 Prozent der Aktien und lässt sie seither als Axion Swiss Bank SA in Lugano weiter laufen.
Erster Versuch 2001
Das kleine Geschäft der Genfer Filiale stoppte Unicredit im Dezember 2024, den fünf Mitarbeitern würden Stellen in München angeboten, hiess es damals. Dort sollen sie das Geschäft mit der Rohstoffhandelsfinanzierung fortsetzen.
Anders als die Schweiz gehört Deutschland für Unicredit schon lange zu einem Kernmarkt, schliesslich versuchte sie die Commerzbank erstmals im Jahr 2001 zu übernehmen. Im Juni 2005 schaffte sie die freundliche Übernahme der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank (HVB) zur bisher grössten grenzüberschreitenden Bankenfusion in Europa. Als erster ausländischer Bank gelang der Unicredit damit der Aufkauf eines deutschen Bankinstitutes. Kurz nach der Fusion übernahm der damalige Unicredit-Chef Alessandro Profumo den Aufsichtsratsvorsitz bei der HVB und gab diesen Vorsitz Anfang 2009 an seinen Stellvertreter und heutigen UBS-Chef Sergio Ermotti ab.
Commerzbank wechselt fast alles
Die deutsche Commerzbank ist bereits seit 1985 auf dem Schweizer Markt präsent. Damals gründete sie die Commerzbank (Schweiz) in Zürich als Privatkundenbank, drei Jahre später folgte eine Niederlassung in Genf.
Nach der Finanzkrise zog sich die Bank jedoch aus dem Schweizer Private Banking zurück. 2009 verkaufte sie ihre Schweizer Tochter, samt einer Niederlassung in Genf sowie einer Tochtergesellschaft in Wien zu 100 Prozent an Vontobel. Damals beschäftigte die Commerzbank 127 Leute in der Schweiz und verwaltete gut 4,5 Milliarden Franken. Kurz darauf wechselte auch der Schweizer Ableger der übernommenen Dresdner Bank die Eigentümer. Hier übernahm die LGT-Gruppe Assets von 9,4 Milliarden Franken.
Die Commerzbank konzentrierte sich danach in der Schweiz ausschliesslich auf das Firmenkundengeschäft und eröffnete drei Jahre später wieder eine Niederlassung in Zürich mit gut 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zielgruppe waren exportorientierte KMU mit einem Jahresumsatz von mindestens 15 Millionen Franken sowie multinationale Unternehmen. Damals betreute die Bank laut eigenen Angaben bereits über 550 Firmenkunden.
Expansion ins Firmenkundengeschäft
Kurz danach folgte die nächste Expansionsphase. Anfang 2014 eröffnete die Commerzbank zusätzliche Standorte in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Lausanne. Das Management bezeichnete die Schweiz damals als wichtigsten Auslandsmarkt für das Firmenkundengeschäft und plante, die Zahl der Mitarbeitenden mittelfristig auf rund 200 zu verdoppeln.
Die Strategie änderte sich jedoch erneut. Im Zuge eines umfassenden Konzernumbaus schloss die Commerzbank Ende 2021 sämtliche Schweizer Büros ausser Zürich. Trotz der Schliessungen hielt das Institut an seinem Wachstumskurs fest. Das Kreditbuch belief sich damals bereits auf rund 10 Milliarden Euro, betreut wurden rund 1'500 Firmenkunden, und laut eigenen Angaben waren 2021 gut 100 Mitarbeitende für das Schweizer Geschäft tätig.
Nach der Übernahme der Credit Suisse durch UBS erkannte die Bank neue Marktchancen. 2024 baute sie ihre Zürcher Präsenz wieder aus, vergrösserte die Büroflächen am Zürcher Pelikanplatz um 800 Quadratmeter und kündigte die Einstellung von rund 30 zusätzlichen Mitarbeitern an.
Weniger Kunden, mehr Kredite
Auch daraus ist bisher offenbar wenig geworden. «Wir haben in der Schweiz vor Ort 100 Mitarbeitende und rund 16 Milliarden Franken an zugesagten Kreditvolumen», heisst es auf Anfrage von finews. Die Commerzbank spricht aktuell von gut 1'200 Firmenkunden in der Schweiz.
«Wir fokussieren uns seit 2021 vor allem auf die grösseren sowie international tätigen Unternehmen in der Schweiz», heisst es dazu. Das Schweiz-Geschäft sei seit dem ersten Tag gewinnbringend für die Commerzbank und man sei «sehr zufrieden mit der Entwicklung», schreibt die «Group Communications» in Frankfurt am Main auf eine entsprechende Frage.
Auch von Deutschland aus für den Standort Schweiz
Zu den 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Zürich kommen laut der Commerzbank «noch eine hohe dreistellige Anzahl von Mitarbeitenden, welche von Deutschland aus für den Standort Schweiz tätig sind». Genauere Angaben gab es dazu allerdings nicht. Dafür das übliche Statement.
«Die aktuelle Situation mit Unicredit hat keine Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft. Unsere Dienstleistungen und Produkte stehen weiterhin in vollem Umfang zur Verfügung. An der Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden in der Schweiz ändert sich nichts».















