Konrad Hummler: Ex-Privatbankier erhält hohe kulturelle Auszeichnung

Die Bach-Medaille der Stadt Leipzig zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen der internationalen Bach-Pflege. Dieses Jahr ging sie an die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen. Entgegengenommen hat sie deren Stiftungsratspräsident Konrad Hummler.

Überreicht wurde die Medaille vom Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und vom Direktor des Bach-Archivs, Peter Wollny. Die Zeremonie fand im Paulinum statt, im Anschluss an ein Konzert der Stiftung. Damit geht die Medaille erstmals an eine Institution und nicht an einen einzelnen Interpreten.

Der Banquier als Mäzen

Hummler ist in der Schweizer Finanzwelt eine bekannte Grösse. Der frühere Privatbankier amtete später als Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung». Für die Bach-Stiftung nahm er viele Millionen seines Privatvermögens in die Hand.

Sein Antrieb sei es gewesen, neben den subventionierten Zentren Zürich, Bern und Basel eine unabhängige, privat getragene Musikinstitution aufzubauen. Das sagte er gegenüber dem Portal Apollo News. Die Anliegen Bachs wollte er eigenständig in die Welt tragen.

Ein Vierteljahrhundert für Bach

Seit 2006 verfolgt die Stiftung unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Lutz ein ungewöhnliches Langzeitprojekt. Sie führt das gesamte Vokalwerk Johann Sebastian Bachs in monatlichen Konzerten auf. Insgesamt geht es um über 200 Kantaten sowie Motetten, Messen, Oratorien und Passionen.

Das Vorhaben soll gegen Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein und dann mehr als 20 Jahre gedauert haben. Die Konzertaufnahmen stellt die Stiftung kostenlos ins Internet, auf YouTube und auf die eigene Plattform «Bachipedia».

Bach als Dienstleistung

Hummler deutet sein Engagement bewusst unternehmerisch. Die Nachfrage nach Bach als Dienstleistung früh erkannt zu haben, bezeichnet er als seine «wichtigste unternehmerische Leistung». Rund 30 Prozent ihrer Kosten finanziert die Stiftung über Ticketverkäufe, die Aufnahmen stehen dagegen gratis zur Verfügung.

Ein abgehobenes Konzerndenken sei ihm gleichwohl fremd geblieben, betont der Stifter; Erfolg verstehe er als Fügung. In der Laudatio würdigte Bachfest-Intendant Michael Maul, dass die Vermittlungsarbeit der Stiftung vielen einen neuen Zugang zu Bach eröffnet habe.

In illustrer Gesellschaft

Mit der Auszeichnung reiht sich die St. Galler Stiftung in eine prominente Liste ein.

Die Bach-Medaille ging zuvor unter anderem an Dirigenten wie Philippe Herreweghe, Ton Koopman, Sir John Eliot Gardiner und Nikolaus Harnoncourt sowie an den Pianisten Sir András Schiff und an den Thomanerchor Leipzig.