Renaissance der Neuen Klasse
Als BMW im Herbst 1961 auf der Frankfurter Automobilausstellung die «Neue Klasse» enthüllte, rang das Unternehmen ums Überleben. Der schmucke 1500 wurde zum Rettungswagen einer beinahe verlorenen Marke und legte zugleich den Grundstein für das, was BMW seither ausmacht.
Sechzig Jahre später holt München den Namen aus dem Archiv, und mit dem vollelektrischen BMW iX3 50 xDrive rollt das erste Modell dieser zweiten Neuen Klasse auf die Strasse. finews hat sich auf ausgedehnten Testfahrten ein eigenes Bild gemacht.
Befreiungsschlag, zweite Auflage
Um die Existenz geht es diesmal nicht, sehr wohl aber um den Beweis, dass die Bayern auch im elektrischen Zeitalter im Spitzenfeld mitfahren.

Aufrechte Front. (Bild: BMW)
Die Resonanz der Fachwelt fällt euphorisch aus. Der «Blick» kürte den iX3 durch seine Fachjury zum «Schweizer Auto des Jahres 2026», und der nüchterne ADAC quittierte die Frage, ob sich der Entwicklungsaufwand gelohnt habe, mit einem «klaren Ja».
In der Schweiz ist das Auto seit März erhältlich. Bereits wurden gegen 500 Neuzulassungen registriert.
Laden im Eiltempo
Wie gut ist das Auto wirklich? Den grössten Fortschritt erlebt man dort, wo Elektroautos lange ihre grösste Schwäche hatten: beim Laden. Dank 800-Volt-Architektur und einer flotten Schnellladesäule füllten wir die Batterie im Test von 20 auf 80 Prozent in weniger als zwanzig Minuten.
Die im WLTP-Zyklus versprochenen 800 Kilometer Reichweite erreichten wir zwar nicht: Mit grossen Felgen, sportlicher Fahrweise und grosszügig eingesetzter Klimaanlage kamen wir auf komfortable fünfhundert Kilometer und mehr. Dass ein auf Sparsamkeit bedachter Lenker die volle Distanz schafft, erscheint uns durchaus plausibel.

Behagliches Raumschiff-Feeling. (Bild: BMW)
Vortrieb mit Manieren
Ein guter Teil dieses Reichweiten-Sprungs ist dem genügsamen Stromverbrauch geschuldet. Mit elektrischen Supersportlern hält der iX3 im Sprint zwar nicht mit, sein Antrieb befördert die Insassen aber durchaus beschwingt durch die Landschaft: 469 PS und 645 Newtonmeter tragen den SUV aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden.
Für sehr schnelle Etappen auf der deutschen Autobahn ist der Wagen allerdings nicht ausgelegt. Der Tempomat verabschiedet sich bei 180 km/h in den Ruhestand, bei 210 ist dann endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht. Jenseits solcher Tempi frässe der überproportional steigende Stromverbrauch über die längeren Ladestopps den «at the margin» erzielten Zeitgewinn aber ohnehin gleich wieder auf.
Front mit vertikaler Niere
Beim Aussendesign gefällt uns die aufrechte Front ausnehmend gut: Die vertikal gestellte Niere zitiert unübersehbar die Neue Klasse der sechziger Jahre, und an die Stelle von Chrom tritt eine vollständig neue Lichtsignatur.

Neue Klasse im Quadrat: Neuer BMW ix3, historisches Modell BMW 1500. (Bilder: BMW, Adobe Stock)
Das Heck dagegen setzt sehr selbstbewusste Akzente und dürfte traditionalistische Gemüter zunächst etwas fordern.
Raumschiff zum Wohlfühlen
Rundum überzeugt hat uns der Innenraum: futuristisches Raumschiff-Feeling, getragen vom neuen Bediensystem BMW Panoramic iDrive, das seine Informationen über die gesamte Breite der Frontscheibe legt.
Bei den Materialien versucht der Mittelklasse-Wagen erfreulicherweise nicht, mehr zu scheinen, als er ist: Eine Luxus-Illusion entsteht nicht, dafür eine schöne, moderne Behaglichkeit.
Mit Spannung erwarten wir die nächsten Vertreter der Neuen Klasse. Der 3er und der 7er sollen noch dieses Jahr kommen.
Unter dem Strich findet finews: Der Auftakt der Neuen Klasse ist rundum gelungen. Wer ein erfreuliches Elektro-SUV sucht, das preislich im Rahmen bleibt, ist mit dem BMW iX3 50 xDrive hervorragend bedient. Erhältlich ab 78'000 Franken (Test-Modell: 98'740 Franken).














