UBS-Manager: «Als führende Schweizer Bank sind wir heute die Verfolgten»
Währungsschwankungen, die Zollpolitik der USA, Handelsbeschränkungen und Veränderungen der globalen Lieferketten halten Schweizer Firmenchefs auf Trab.
Wer in der Schweiz produziert und seine Produkte in Euro oder Dollar verkauft, spürt die Wechselkursbewegungen unmittelbar. Gleichzeitig schwächeln wichtige Absatzmärkte.
«Die Unsicherheit ist für viele Unternehmen vom Ausnahmezustand zum Normalzustand geworden», sagt Andy Kollegger, Head Institutional and Multinational Banking bei UBS, im Gespräch mit finews.
«Wir werden heute deutlich stärker als Sparringspartner und Lösungsanbieter gesehen.»
Die Gespräche werden breiter und tiefer
Die zahlreichen Herausforderungen wirken sich auch auf die Zusammenarbeit zwischen den Firmen und der Schweizer Grossbank aus.
«Wir werden heute deutlich stärker als Sparringspartner und Lösungsanbieter gesehen», sagt Kollegger: «Die Zahl der Berührungspunkte mit den Unternehmen hat nochmal zugenommen, die Gespräche sind breiter und tiefer geworden.»
Es gehe über das reine Produkteangebot hinaus und vor allem darum, gemeinsam mit den Kunden einen strategischen Dialog zu führen und konkrete Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden.
Das zeigt sich besonders bei der Finanzierung.
«Vor ein oder zwei Jahren hat sich eine Finanzierungsdiskussion häufig darauf konzentriert, ob ein Unternehmen einen Kredit aufnehmen oder eher an den Kapitalmarkt gehen soll», sagt Jens Haas, Head Investment Bank Switzerland bei UBS.
Heute reiche die Diskussion deutlich weiter: «Wir führen viel stärker bilanzstrategische Gespräche», sagt Haas. Im Zentrum stehe die Frage, wie sich Unternehmen finanziell optimal auf eine wahrscheinlich weiterhin unsichere Zeit vorbereiten könnten.
Schweizer Unternehmen zeigen sich robust
Trotz der zahlreichen Herausforderungen beurteilt Haas die Ausgangslage der Schweizer Wirtschaft positiv.
Die exportorientierte Wirtschaft habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie sich an neue Bedingungen anpassen und aus neuen Herausforderungen gestärkt hervorgehen könne.
Gleichzeitig sei die internationale Vernetzung eine Herausforderung. «Für Schweizer Unternehmen ist sehr relevant, was in den USA, Deutschland und anderen wichtigen Absatzmärkten geschieht», sagt Haas.
Das betrifft längst nicht nur Grosskonzerne, sondern auch international tätige Schweizer KMU.
UBS will beim Kreditvolumen wachsen
In diesem Umfeld will UBS ihr Schweizer Firmenkundengeschäft ausbauen. «Wir haben klare Wachstumsziele und wollen auch beim Kreditvolumen wachsen», sagt Kollegger. Zusätzliche Möglichkeiten sieht die Bank insbesondere in der Exportfinanzierung, wo sie heute als Arrangeur auftrete.
«Wir haben klare Wachstumsziele und wollen auch beim Kreditvolumen wachsen.»
Für Haas liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil in einer integrierten, strategischen und kundenfokussierten Beratung.
KI wird zum Thema im Kundengespräch
Dazu gehört zunehmend auch künstliche Intelligenz.
UBS analysiert im Rahmen von Annual Reviews vermehrt, wie Unternehmen beim Einsatz von KI aufgestellt sind. Besonders gefragt sei der Vergleich mit Wettbewerbern, sagt Kollegger.
Ähnliches gilt für Digital Assets. Tokenisierte Einlagen und digitale Zahlungslösungen könnten Unternehmen ermöglichen, Liquidität schneller zwischen verschiedenen Jurisdiktionen zu verschieben und dadurch Effizienzgewinne zu erzielen.
UBS beteiligt sich deshalb an verschiedenen Pilotprojekten und Initiativen. Die Bank will allerdings nicht zwingend bei jedem technologischen Experiment an vorderster Front stehen. «Sobald sich ein Muster mit erkennbarem Kundennutzen herausbildet, wollen wir bereit sein», sagt Kollegger.
Marktteilnehmer messen sich mit UBS
Seit dem Ende des traditionellen Duells zwischen UBS und Credit Suisse ist der Wettbewerb neu verteilt.
Zwar gebe es heute keinen Konkurrenten mehr, der UBS über das gesamte Produktspektrum hinweg eins zu eins gegenüberstehe. Auf der Ebene der einzelnen Geschäftsfelder sei der Wettbewerb jedoch weiterhin intensiv.
«Der Wettbewerb ist da, und das begrüssen wir.»
Das gelte für Fusionen und Übernahmen ebenso wie für Kapitalmarkttransaktionen oder das Trading.
«Der Wettbewerb ist da, und das begrüssen wir», sagt Haas. Er sei gut für die Kunden und halte alle Marktteilnehmer fit.
Ausländische Banken bauen einzelne Geschäftsfelder in der Schweiz ausserdem aus, während Kantonalbanken verstärkt ins institutionelle Geschäft und in neue Marktsegmente vorstossen.
Als am breitesten aufgestellte Universalbank der Schweiz befindet sich UBS dabei in einer klaren Position. «Als führende Schweizer Bank sind wir heute die Verfolgten», sagt Kollegger.
Die Bank sei automatisch das Institut, an dem sich andere Marktteilnehmer messen.
Diese Position nehme UBS keineswegs als selbstverständlich hin. «Es braucht ein gesundes Mass an Ehrgeiz», sagt Kollegger. Alles was bei UBS läuft, werde sofort breit wahrgenommen.
Die Volatilität dürfte bleiben
Eine baldige Rückkehr zu ruhigeren Zeiten erwarten die beiden UBS-Manager nicht.
Die Welt bleibe multipolar, sagt Haas. Das dürfte sich auf absehbare Zeit nicht ändern.
Viele Unternehmen konzentrierten sich deshalb auf Faktoren, die sie selbst kontrollieren könnten.
Dazu gehören Nearshoring, Anpassungen der Lieferketten und eine stärkere lokale Präsenz in wichtigen Absatzmärkten.
Für UBS ist dabei die internationale Präsenz ein Wettbewerbsvorteil. Die Bank könne Schweizer Unternehmen in Asien, den USA und Europa direkt vor Ort unterstützen.
Kollegger rechnet nicht damit, dass die Herausforderungen für die Unternehmen schnell verschwinden werden. «Was die nächsten zwei bis vier Jahre betrifft, wird die Volatilität wohl hoch bleiben.» Schwieriger wäre es, heute von einer baldigen Beruhigung auszugehen – und dann von der nächsten Krise überrascht zu werden.














