Sygnum-CEO: «Als Unternehmer ist man immer ein bisschen paranoid»
Vor wenigen Jahren galt die Welt der Kryptowährungen noch als Randerscheinung. Heute bieten immer mehr Banken Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte an, die grössten Vermögensverwalter der Welt lancieren Bitcoin-Produkte, und Blockchain-Technologien halten zunehmend Einzug in die Finanzindustrie.
Doch wie weit ist diese Entwicklung tatsächlich fortgeschritten? Ist Krypto inzwischen im Mainstream angekommen oder steht die eigentliche Transformation erst noch bevor?
Zu diesen und weiteren Fragen nimmt Mathias Imbach, Mitgründer und CEO der Sygnum Bank, im Podcast von finews Stellung.
Die Schweiz steht an einem Wendepunkt
Im Gespräch zeichnet Imbach ein differenziertes Bild. Einerseits habe die Schweiz mit ihrer regulatorischen Klarheit und ihrer frühen Offenheit gegenüber digitalen Vermögenswerten eine international starke Ausgangsposition geschaffen. Andererseits beobachtet er, dass andere Finanzzentren zunehmend offensiver auftreten.
Während die USA, Singapur, Hongkong und der Nahe Osten aktiv um Unternehmen und Investitionen werben, dürfe sich die Schweiz nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen.
Für Imbach ist klar: Die Voraussetzungen für künftige Innovationen seien weiterhin vorhanden. Entscheidend werde jedoch sein, ob Politik, Kapitalgeber und Institutionen bereit seien, neue Technologien aktiv zu fördern und Risiken einzugehen.
Warum Bitcoin mehr ist als Spekulation
Ein weiterer Schwerpunkt des Podcasts ist die Rolle von Bitcoin in modernen Anlageportfolios. Imbach erläutert, weshalb immer mehr vermögende Privatkunden, Family Offices und institutionelle Investoren digitale Vermögenswerte als strategische Beimischung betrachten. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um kurzfristige Kursgewinne.
Für manche Anleger fungiere Bitcoin als digitales Gold, für andere als Absicherung gegen geopolitische Risiken oder als langfristige Wette auf ein alternatives Finanzsystem.
Welche Rolle Kryptowährungen künftig in der Vermögensallokation spielen könnten und warum die Nachfrage weiter steigt, erläutert der Sygnum-Chef ausführlich im Gespräch.
Wenn KI und Blockchain zusammenfinden
Besonders spannend wird es dort, wo künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie aufeinandertreffen. Imbach ist überzeugt, dass KI-Agenten künftig immer häufiger Transaktionen auslösen, Werte übertragen und Finanzdienstleistungen automatisiert nutzen werden. Die dafür notwendige Infrastruktur werde jedoch nicht auf traditionellen Systemen basieren, sondern zunehmend auf Blockchain-Technologien.
Gleichzeitig warnt er davor, den Menschen aus den Entscheidungsprozessen zu verdrängen. Der sogenannte «Human-in-the-Loop»-Ansatz bleibe zentral – sowohl aus regulatorischer als auch aus gesellschaftlicher Sicht.
Die Erfolgsformel hinter Sygnum
Neben Technologie und Märkten spricht Imbach auch offen über die unternehmerische Reise von Sygnum.
Er beschreibt, wie sich das Unternehmen durch mehrere Marktzyklen, den Zusammenbruch grosser Kryptoplattformen und regulatorische Herausforderungen navigiert hat. Dabei gewährt er seltene Einblicke in seine Führungsphilosophie und erklärt, weshalb Kultur, langfristiges Denken und eine gesunde Portion Skepsis für ihn zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehören.
Sein vielleicht bemerkenswertestes Zitat: «Als Unternehmer ist man immer ein bisschen paranoid.»
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