Vor Halbjahreszahlen: Diese fünf Fragen stehen bei Julius Bär im Zentrum

Die Schonfrist ist vorbei: Wenn Julius Bär am kommenden Dienstag die Halbjahreszahlen vorlegt, wird ein besonderes Augenmerk auf CEO Stefan Bollinger liegen. Nach dem schwierigen Übergangsjahr 2025 und den Folgen des Signa-Debakels muss er nun beweisen, dass sein eingeschlagener Weg den Zürcher Vermögensverwalter zurück zu einem nachhaltigen Wachstum führt.

Die Zahlen für die ersten vier Monate lieferten den ersten Beleg dafür, dass sich die Lage stabilisiert: Der Vermögensverwalter meldete den stärksten Jahresauftakt in seiner Geschichte. Die verwalteten Vermögen erreichten mit 528 Milliarden Franken einen Rekordwert, während die Erträge von einer hohen Kundenaktivität und einer verbesserten Kostendisziplin profitierten. 

Ein Schwachpunkt blieb: Die Nettoneugeldzuflüsse von 3 Milliarden Franken lagen deutlich unter den Erwartungen des Marktes und auch unter dem von Julius Bär bis 2028 anvisierten Zielband von 4 bis 5 Prozent. 

Zudem relativierte das Management den starken Jahresauftakt bereits im Mai: Ein wesentlicher Teil der Verbesserung entfiel auf ein aussergewöhnlich starkes erstes Quartal, während sich die Geschäftsdynamik zuletzt wieder normalisierte.

Vor diesem Hintergrund stehen am kommenden Dienstag folgende Fragen im Zentrum: 

1. Findet Julius Bär beim Neugeld zurück auf Kurs?


Die wichtigste Kennzahl dürfte das Nettoneugeld sein. Im vergangenen Mai führte Julius Bär die schwächeren Zuflüsse auf die verschärften Risiko- und Compliance-Vorgaben, die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie die geringere Kreditnachfrage vermögender Kunden zurück. Nun wird sich zeigen, ob sich diese Entwicklung im zweiten Quartal verbessert hat. 

2. Bleiben die Margen auf hohem Niveau?


Der starke Jahresauftakt wurde vor allem von einer aussergewöhnlich hohen Handelsaktivität der Kunden getragen. Entscheidend wird nun sein, ob sich die Bruttomarge auch bei einer Normalisierung der Kundenaktivität auf einem attraktiven Niveau halten lässt. Zu hohe Erwartungen sind fehl am Platze, das Management hatte bereits im Mai darauf hingewiesen, dass die Aktivität im April merklich nachgelassen hatte.

3. Macht der Risiko- und Compliance-Umbau Fortschritte?


CEO Stefan Bollinger hat seit seinem Amtsantritt den Risikoappetit der Bank reduziert und die Compliance-Prozesse grundlegend verschärft. Diese Massnahmen belasteten kurzfristig zwar das Neugeldwachstum, sollen langfristig jedoch die Qualität des Geschäftsmodells stärken. Nun wird sich zeigen, ob sich die kurzfristigen Einbussen beim Wachstum langfristig in einer höheren Qualität des Geschäftsmodells auszahlen. Anleger werden ein Auge darauf halten, welche Fortschritte das Management beim Umbau vermeldet. 

4. Hält Julius Bär an seinen Mittelfristzielen fest?


Trotz des verhaltenen Neugeld-Wachstums bestätigte die Bank zuletzt ihre Ziele bis 2028. Dazu gehören jährliche Nettoneugeld-Zuflüsse von 4 bis 5 Prozent sowie weitere Effizienzsteigerungen. Entscheidend wird sein, ob diese Zielsetzungen angesichts des anspruchsvollen Marktumfelds unverändert Bestand haben. 

5. Wie fällt der Ausblick von Stefan Bollinger aus?


Entscheidend dürfte sein, welche Signale Stefan Bollinger für die zweite Jahreshälfte aussendet – und ob er weiteres Wachstum oder zunächst eine Phase der Konsolidierung erwartet.

Die Halbjahreszahlen werden damit zum ersten echten Härtetest für Stefan Bollinger. Sie dürften zeigen, ob Julius Bär den Turnaround nachhaltig eingeleitet hat – oder ob der Weg zurück zu alter Ertragsstärke länger und steiniger wird als bislang erhofft.